Bettina Leitner

Wer sind Sie? Erzählen Sie uns bitte etwas über sich.
Mehr oder weniger per Zufall bin ich nach etlichen Umzügen schließlich in Köln gelandet, lebe seit 1986 hier (immer im Kölner Süden) und habe hier endlich so etwas wie eine Heimat gefunden.

Geboren bin ich in Bremen, 6 Jahre meiner Kindheit habe ich in Ostafrika verbracht, was mich sehr geprägt hat, Abitur und Beginn des Studiums waren in Heidelberg, später in Bonn. Rückblickend stelle ich fest, dass ich schon immer gerne gemeinsam und vor allem im Austausch mit anderen an Zielen gearbeitet habe – ich bin keine Einzelkämpferin. Trotzdem bin ich keine „Betriebsnudel“, eher diejenige, die sich etwas vornimmt und dann darauf zusteuert, aber eben bitte nicht alleine.

Heute tu ich das als Coach und Trainerin für Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, stimmiges Auftreten und Teambildung, sowohl für Privatkunden, als auch für Organisationen in Wirtschaft und Industrie. Wichtig sind mir dabei vor allem 2 Dinge für mich und meine Kunden: sich weiter zu entwickeln und in Zusammenhängen zu denken.

Was verbindet Sie mit dem Kölner Süden?
Bis Anfang 2000 habe ich mitten in der Südstadt gelebt und war auch wirklich mitten im Geschehen. Einerseits durch die Führungen, die ich über viele Jahre in etlichen der sehenswerten Kirchen Kölns durchgeführt habe – zu manchen Kirchen hatte ich sogar die Schlüssel –, aber auch in verschiedenen Stadtteilen, als auch durch mein Ehrenamt als Presbyterin der Kartäuserkirche und Mitglied im Vorstand des damaligen Stadtkirchenverbandes Köln, ein Amt, das man um 1990 noch ganze 8 Jahre bis zur nächsten Wahl innehatte. Die Vondelstraße als mein zu Hause zwischen Vorgebirgs- und Merowingerstraße gehörte nicht zu den edelsten Gegenden, aber sie war ein Spiegel der Südstadt und ihrer Bevölkerung. Vom Volksgarten bis zum Rhein kannten wir jeden Winkel, so kam es uns jedenfalls vor. Künstler, Kirchen und Karneval waren die Eckdaten des Lebens.

Wo ist Ihr Lieblingsveedel und warum?
Inzwischen habe ich mich noch weiter in den Kölner Süden bewegt und lebe seit mittlerweile 18 Jahren in Sürth. Die Südstadt hat sich in dieser Zeit ziemlich verändert und ich erkenne manches kaum wieder. In Sürth habe ich den Eindruck, dass es noch so etwas wie einen Ortsmittelpunkt gibt, um den sich alles gruppiert, trotz der unglaublich zahlreichen Baumaßnahmen, die auch hier in den letzten Jahren das Ortsbild verändert haben. Sürth ist für mich weniger ein „Veedel“ als ein Dorf, irgendwie hat es einen Hauch Eigenständigkeit bewahrt, trotz der Eingemeindung 1975. Seit Beginn meiner Selbständigkeit im Jahr 2011 habe ich Gelegenheiten gefunden, engere Kontakte zu knüpfen und Zugehörigkeit aufzubauen, Nachbarschaft zu entdecken und Interesse an lokalen Themenzu entwickeln. Also ist meine Antwort auf die Frage eindeutig: Sürth.

Was können Sie zur Vergangenheit im Kölner Süden sagen?
Die Frage beantworte ich am besten bei einer oder mehreren Führungen im und um den Kölner Süden! Vielleicht ergibt sich eine Gelegenheit beim nächsten Tag des offenen Denkmals, dabei werden wir in Sürth wohl auch wieder mitmachen.

Sind Sie ein Karnevalsfreund, mögen Sie die fünfte Jahreszeit und verkleiden Sie sich? Wenn ja als was…
Ich verkleide mich für mein Leben gern, immer wechselnd nach Lust und Laune, nach Anlass oder Thema, im Karneval oder bei Veranstaltungen, bei denen etwas dargeboten wird und ich mitmache. Eins meiner Lieblingskostüme ist eine eigene Version eines Kölsch Mädche, das auch schon mal als Mariechen bezeichnet wird. Karneval feiere ich gerne, allerdings inzwischen deutlich vernünftiger als früher. Die Erfahrungen mit heftigen Krankheitsattacken nach zu viel Karneval haben ihre Wirkung gezeigt.

Sind Sie in einem Verein oder engagieren sie sich ehrenamtlich?
Nach meiner Zeit im Presbyterium habe ich etliche Jahre kein Ehrenamt mehr angenommen, Familie und Beruf haben vollkommen ausgereicht, um die Tage zu füllen. Seit etwa zweieinhalb Jahren bin ich Mitglied in der Dorfgemeinschaft Sürth e.V. und seit einem Jahr die Vorsitzende des Vereins. Eine interessante Aufgabe, ich habe in der Zeit viel Neues kennengelernt und Bekanntschaften gemacht. Es gibt so viel zu tun, so viele Möglichkeiten sich lokal, regional oder überregional einzubringen, so viele Themen, Aufgaben und auch Probleme, die schon existieren oder absehbar auf die Stadt und die Veedel zukommen, man muss sich entscheiden, welche Schwerpunkte man für sich und sein Umfeld setzen will und kann.

 

Wo finden Sie es richtig schön im Kölner Süden? Wo halten Sie sich gerne auf?
Ich bin sehr gerne in der Sürther Aue oder manchmal auch im Weißer Bogen, denn ich bin sehr naturverbunden und freue mich wirklich an natürlicher Vielfalt, die manche Leute als Wildnis bezeichnen. Wahrscheinlich zählt mein Garten auch schon fast dazu. Wenn ich in solcher Umgebung bin möchte ich auch am liebsten überhaupt nicht sprechen, sondern die Faszination der Lebensformen entdecken und auf mich wirken lassen und wünsche mir, dass wir viel behutsamer und respektvoller mit unserer Umgebung und unserem Lebensraum umgehen, als das jetzt der Fall ist.

Was gefällt Ihnen im Kölner Süden überhaupt nicht? Was nervt? Wo sind für Sie Schandflecke?
Was mich ganz allgemein nervt, nicht nur im Kölner Süden, ist die zunehmende Zahl an Autos, die auch alle immer größer werden. Sie stehen überall, fahren überall, versperren Wege und Sicht, nehmen sich mit einer Selbstverständlichkeit einfach ihren Raum, so dass der Mensch geradezu zu ihrem Opfer wird. Eigentlich sollte das Auto ein Gegenstand sein, mit dem man den Alltag erleichtern kann, aber das Phänomen Auto stellt sich zunehmend selbst ein Bein. Vor lauter Autos kommt man ja nirgendwo mehr hin, was äußerst paradox ist.

Was mich außerdem stört ist die Gedankenlosigkeit vieler Mitmenschen, wenn es nicht um ihr eigenes Interesse geht. Man braucht doch nur die Straßenränder und Böschungen anzusehen, von dort springt einen der achtlos weggeworfene Müll doch regelrecht an. Ich finde das unglaublich.

Einen Jammer finde ich, was mit der alten Brauerei Küpper an der Schönhauser Straße passiert ist und die Tatsache, dass dort immer noch nichts Neues entstanden ist. Und eine echte Schmuddelecke ist leider auch das Sürther Bahnhofsgelände, aber dort wird sich ja vielleicht absehbar etwas ändern.

Was ich auch nicht verstehe: alle reden vom Insekten- und Vogelsterben, weil es keine Nahrung mehr für die Tiere gibt. Warum wird dann aber jedes Mal, wenn die Gräser und Kräuter anfangen zu blühen, die wilde Wiese auf dem Sürther Feld, die als Ausgleichsfläche für die Bebauung gilt, abgemäht? Das gilt genauso für andere öffentliche Grünflächen.

Wo ist Ihr Lieblingslokal und warum?
Das kommt ganz auf die Jahreszeit, das Wetter, den Anlass und die Laune an. Ganz allgemein finde ich es immer schön, wenn man draußen sitzen kann, es licht und hell ist und sich vielleicht sogar ein Gewässer in der Nähe befindet.

Was fehlt Ihnen im Kölner Süden?
Ein Geschäft südlich der Südstadt, in dem man türkische Lebensmittel einkaufen kann. Vernünftige Parkmöglichkeiten in Sürth. Ein Kino. Eine große Räumlichkeit im Raum Rodenkirchen / Sürth / Weiß, in dem Bürgerversammlungen, Vereinssitzungen, Infoveranstaltungen oder auch Feste stattfinden können. Gute P&R Möglichkeiten für die Pendler, damit sie nicht alle im Stau auf der A555 stecken bleiben oder ihre Fahrzeuge überall in Sürth hinstellen müssen, um in die Bahn zu steigen. Eine definitive Zusage, dass das Naturschutzgebiet in der Sürther Aue erhalten bleibt. Es gibt noch so viel…

Und was finden Sie ist einzigartig hier?
Ich fühle mich hier so wohl wegen der weltoffenen Art, die das Rheinland und ganz besonders Köln ausmacht. Diese Stadt hat eine ungeheure integrative Kraft, die ich sonst nirgendwo in Deutschland erlebt habe, und ich bin viel unterwegs. Leben und leben lassen, das findet sich aus meiner Sicht in der kölschen Haltung „jede Jeck es anders“.

Über wen würden Sie gerne etwas aus dem Kölner Süden erfahren?
Max Stirn, der die Landhaussiedlung in Sürth als Architekt entworfen hat, würde mich interessieren. Über ihn findet man nicht sehr viel. Und ich fände es schön, wenn es eine Veröffentlichung gäbe, die die Namen der neuen Straßen im Kölner Süden erklärt und Hintergrundinfos dazu gibt.

Welche Worte würden Sie gerne den Menschen mit auf den Weg geben?
Nehmt Verantwortung an für das Umfeld, in dem Ihr lebt.

Und was sind ihre Zukunftsgedanken an ihr Stadtgebiet?
Ich hoffe, wünsche und arbeite daran, dass sich mehr Menschen für die Umgebung interessieren, in der sie leben, sich beteiligen und einmischen und dazu beitragen, dass Sürth ein lebenswerter Ort bleibt.