Das Ensemble Devienne + mit Luca Spanier, Violine; Tabea Haun, Viola; Karoline Breyer, Violoncello; Lennart Hansen, Fagott; und Luise Chang, Klavier. Tolle junge Musiker der Jahrgänge 2002 bis 2005 aus Detmold, Krefeld, Rheda-Wiedenbrück, Essen und Bochum. Foto: Anita Brandtstäter

Drei hervorragende Ensembles aus Nordrhein-Westfalen begeisterten 

Drei junge Kammermusik-Ensembles, die im  Kammermusikzentrum NRW gefördert werden, begeisterten in der Erzengel-Michael-Kirche der Diakonie Michaelshoven unter dem Motto „Ganz alt trifft ganz neu“. Alte Musik mit Blockflöten, Barockcello und Cembalo sowie klassische Musik mit Streichern, Fagott und Klavier trifft auf zeitgenössische Musik, gespielt von zwei Blockflöten und der besonderen Kombination Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Klavier.

Das Konzert bestand eigentlich nur aus Höhepunkten: Schon beim Allegro spirituoso aus dem „Quartett in C op. 73, Nr. 1“ von Francoise Devienne und beim Allegro aus dem „Quintett in F-Dur op. 13“ von Johann Evangelist Brandl zeigte das Devienne-Quartett seine Klasse! Das sind Luca Spanier, Violine; Tabea Haun, Viola; Karoline Breyer, Violoncello; und Lennart Hansen, Fagott – junge Musiker der Jahrgänge 2002 bis 2005 aus Detmold, Krefeld, Rheda-Wiedenbrück bzw. Essen. Beim zweiten Werk glänzte außerdem die Bochumerin Lusie Chang auf dem neuen Flügel der Erzengel-Michael-Kirche. Das Ensemble Devienne + hat gerade letztes Wochenende beim Jugend musiziert Landeswettbewerb NRW mit 22 Punkten einen 2. Preis in der Kateogrie Klavier-Kammermusik, Altersgruppe IV, erspielt. 

Im zweiten Programmteil zeigten sie ihre Vielseitigkeit, in dem sie ein neues Werk des 40-jährigen Bochumer Komponisten Björn Raithel vorstellten: „La Berceuse en tableau“ und „Toccata en rondeau“ ist ein Auftragswerk des Landesmusikrats NRW. Der Komponist ließ sich von der ausgefallenen Besetzung inspirieren: daraus entstand zunächst die Idee eines langsamen Satzes, eines „sehr expressiven, elegischen, bei dem der Fokus auf Linienführung“ der Musik liegt: ein Wiegenlied – eingerahmt in die Vertonung eines imaginären Gemäldes. Im zweiten Satz will der Komponist mit einer Toccata „verschiedene Episoden miteinander verbinden, und zwar in einer ganz klassischen Form, nämlich im Rondo.“  

Ebenfalls zeitgenössische Musik präsentierte Flüt à dö mit Janna Schneider und Sonja Fricke, Blockflöten, aus Bonn und Leverkusen, beide Jahrgang 2001. Mit drei ganz unterschiedlichen Stücken entführen die Preisträgerinnen des Kammermusikförderpreises NRW die zahlreich erschienen Zuhörer in phantastische Klangwelten mit diversen Flöten sowie ergänzenden Gesangseinlagen und Percussion-Elementen: vom „Rasenden Stillstand“ von Viola Kramer über „Mandragora“ von Nicola Termöhlen, das die mittelalterlichen Zauberpflanzen Alraunen vorstellt, bis zum lebhaften „Puppentanz“ von Alfred Maurer, den sie für Sopran- und Bassflöte bearbeitet haben. 

Zum Ende des Konzertes gab es dann ganz alte Musik mit historischen Instrumenten: Das consort nullacht 415 – eine Anspielung auf den historischen Stimmton 415 Hertz, statt wie heute üblich 440 Hertz – das sind Janna Schneider und Sonja Fricke, Blockflöten; Jakob Pungel, Violoncello; und Jan Taro Löhken, Cembalo – aus Bonn und Leverkusen, Jahrgänge 1999 bis 2001. Sie glänzten mit „E tanto tempo ormai“ von Francesco Turini, einer „Chaconne in c-Moll“ von Jean-Marie Leclair und einer „Suite d-Moll“, deren Sätze Pavane, Air, Courante und Sarabande sich im Tempo steigerten. Aus „The English Dancing Master“ von John Playford, in denen nur die Melodie überliefert ist, präsentierten sie mit viel Spielfreude „Strawberries and Cream“ in eigenem Arrangement. Nicht ohne Grund sind sie am letzten Wochenende 1. Preisträger bei „Jugend musiziert“ in der Kategorie Ensemble „Alte Musik“, Altersgruppe VI, mit 24 von 25 Punkten geworden und dürfen NRW beim Bundeswettbewerb vertreten. Toll auch die Vermittlung der Musik über eine exzellente Moderation durch die beiden Damen. 

Das Kammermusikzentrum NRW bietet professionelle Workshops, unterstützt die Mitspielersuche und organisiert mehrjährige Intensivprogramme. Es ist eine Initiative von Jeunesses Musicales NRW e.V., der Landesmusikakademie NRW e.V., des Landesmusikrats NRW e.V. und des Vereins zur Förderung von Landesjugendensembles NRW e.V.

Text: Anita Brandtstäter