Dieter Maretzky, die gelebte Kölner Stadtteilliebe

„Ich rede über nichts, was ich nicht kenne“

Dieter Maretzky – viel mehr als „Mr. Rodenkirchen“

Dieter Maretzky ist in Rodenkirchen bekannt, immer präsent, wenn es etwas zu gestalten gibt. Die meisten kennen ihn als Vorsitzenden der Bürgervereinigung Rodenkirchen, oft wird er einfach „Mr. Rodenkirchen“ genannt. Doch Dieter Maretzky ist viel mehr. Und wer weiß schon, dass er ein waschechter Immi ist.

Früher Ortwechsel – aus dem Frankenland an den Rhein

Geboren wurde Dieter Maretzky im Jahre 1947 in Nürnberg. Dort wuchs er auf, fühlte sich im Frankenland pudelwohl. „Mein Vater war bei Afri-Cola in Köln, so hatte ich schon einen frühen Bezug zum Rheinland.“  Doch der Umzug wurde verschoben, damit Dieter Maretzky in Ruhe sein Abitur machen konnte.  Nach dem Abi ging es dann an den Rhein, in einer Zeit, in der einige einschneidende Dinge passierten. „Notstandsgesetze, Demos, Stichwort 1968, Vietnamkrieg – all das hat mich sehr beeinflusst.“

Bundeswehr und Zivildienst – prägende Jahre

Wie bei allen jungen Männern, stand nach dem Abi die Bundeswehr auf dem Terminplan. „Nach diesen ganzen Dingen, die in der Welt passierten, wollte ich den Wehrdienst verweigern.“  Allerdings hat Dieter Maretzky zunächst den Grundwehrdienst absolviert, er wollte wissen, was sich hinter der damals dämonisierten Bundeswehr verbirgt. „Alle schimpften darauf, ich wollte wissen, was dahinter steckte, ich rede über nichts, was ich nicht kenne.“ Bei der Bundeswehr wurde er zum Feuerleitrechner ausgebildet und war damit verantwortlich, ein Geschoss möglichst präzise ins Ziel zu bringen. Das Ziel waren allerdings Menschen, „das war dann zu viel für mich.“ Zusammen mit zwei anderen Kameraden verweigerte er nach der Grundausbildung den Wehrdienst. Seinem Vorgesetzten teilte er das schon vorher mit, der sogar Verständnis dafür aufbrachte. Was ihn denn interessiere war die Frage, Bücher war die spontane Antwort. „Dann konnte ich bis zum Ausscheiden die Bataillonsbibliothek auf Vordermann bringen.“

Im Zivildienst wurde Dieter Maretzky in einem Altenheim in Gevelsberg mit der Realität konfrontiert. „Ich war da in der Betreuung, nicht in der Pflege beschäftigt, da war man den Alltagssorgen der alten Leute ganz nahe.“ Er war richtig beliebt bei den Menschen, „aber auf Dauer morgens um 11 ein Schnäpschen mit den Senioren zu trinken, das war dann doch etwas viel.“ Ohne Schnäpschen hat er Freundschaft mit einer alten Dame geschlossen, die zuvor in Hamburg bei einer reichen Familie gearbeitet hatte. „Der Kontakt ist noch lange geblieben.“

Neben dem Ehrenamt – das Berufsleben gehörte den Büchern

Dann ging es am die Uni zum Studium als Bibliothekar. Doch ohne ehrenamtliche Tätigkeit ging das gar nicht, er machte eine Beratung für Wehrdienstverweigerer auf, ausgerechnet im Haus seines Großvaters, der überzeugter Soldat war. „Er hat das dann aber irgendwie toleriert.“ Nach dem Studienabschluss als Diplom-Bibliothekar kam Dieter Maretzky durch Zufall auf eine perfekt passende Stelle in der Schul- und Gemeindebibliothek Rodenkirchen. „Eine frühere Studienkollegin rief an, ob ich nicht ihre Stelle haben wollte, sie würde auf den Chefposten dort wechseln.“ Gesagt, getan – Dieter Maretzky war in der damaligen eigenständigen Gemeinde Rodenkirchen angekommen. Seinen Wohnsitz hat er seitdem in Weiss.

„Unser Lieferant war der ortsansässige Buchhändler Rudolf Köhl, gleichzeitig auch Vorsitzender des damaligen Bürgervereins.“ Der kämpfte gegen die drohende Eingemeindung Rodenkirchens nach Köln und warb den jungen Dieter Maretzky für seinen Bürgerverein. Der Kampf gegen die Eingemeindung war letztlich erfolglos, doch seitdem ist Dieter Maretzky im Bürgerverein für die Belange vor Ort engagiert.

In seinem Leben als Bibliothekar gab es dann auch verschiedene Stationen. Von Rodenkirchen ging es nach Köln in die Zentralbibliothek zum Aufbau einer Kinder- und Jugendbibliothek. „Gemeinsam mit dem Bildhauer und Hochschullehrer Heinrich Brummak haben wir diese ganz besonders kindgerecht gestaltet.“ Das lag Dieter Maretzky sehr am Herzen, als dann ein neuer Chef alles ganz anders wollte, nahm er seinen Hut und landete für einige Zeit in der Bibliothek in Sülz.

Über das Team Kulturhauptstadt ins EL-DE-Haus

Nach einem kurzen Abstecher zum Team Kulturhauptstadt führte Dieter Maretzkys Weg in das EL-DE-Haus, eine in Europa einzigartig erhaltene Gedenkstätte: „Die Buchstaben L und D stehen für den Namen des Besitzers Leopold Dahmen, der hier ein Kaufhaus neben seinem Wohnhaus errichten wollte. Doch die geheime Staatspolizei (Gestapo) beschlagnahmte des gerade im Rohbau fertige Gebäude, richtete hier ihre Zentrale ein und ließ später ein bis heute erhaltenes Hausgefängnis im Keller einbauen.“  Dieter Maretzky war hier für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig: „Das war derart speziell, das konnte von der zentralen Stelle der Museen gar nicht geleistet werden.“

Das Ehrenamt – immer dabei und bis heute geblieben

Das Ehrenamt zieht sich seit dem Zivildienst durch das Leben von Dieter Maretzky. „Ich fühle eine gewisse Verantwortung und ich habe Möglichkeiten und Fähigkeiten, mein Wissen und Denken einzubringen.“ So war er Personalrat bei der Stadt, ehrenamtlicher Richter oder Vertrauensmann der Gewerkschaft. Hauptthemen waren allerdings immer Rodenkirchen und die Bürgervereinigung. „Auf lokaler Ebene passiert hier so viel, wo man sehr wachsam sein muss“, weiß Dieter Maretzky zu berichten. Ob der erfolgreiche Kampf gegen den Godorfer Hafen, gegen die Zentralisierung von Leistungen des Bürgeramtes, Dieter Maretzky kann viele Erfolge auf seinem Konto verbuchen. Wichtig ist dabei immer, sich sachkundig zu machen und so für alle Seiten glaubwürdig zu sein: „Ich rede über nichts, was ich nicht kenne.“

Auch heute hat er noch viele Themen auf seiner Agenda: Eine Jugendeinrichtung für Rodenkirchen, eine deutliche Verbesserung des Nahverkehrs, ein Ausbau der Schulplätze und eine Verbesserung der gesamten Infrastruktur im Stadtbezirk – zu tun gibt es genug.

Das bleibt – Engagement als Lebensgefühl

Seine Familie, besonders Ehefrau Jutta, unterstützen ihn gerne dabei. „Die Kinder gehen alle ihren Weg, das beruhigt schon mal.“ Sein großes Hobby ist Fotografieren. „Seit dem Studium liebe ich meine Spiegelreflexkameras.“ Heute nutzt er sie für sein Engagement in den sozialen Medien, ob für Rodenkirchen oder das EL-DE-Haus – und alles natürlich als Ehrenamtler.

Obwohl gesundheitlich etwas angeschlagen, strahlt Dieter Maretzky Zufriedenheit aus. „Solange ich mich noch engagieren kann, ist mein Leben erfüllt.“ Darauf wollen die Rodenkirchener auf keinen Fall verzichten. (kgs)