Am vergangenen Samstag, dem 25. Januar 2020, trafen sich nun zum bereits fünften Mal 600 Zweibeiner und ca. 1400 Vierbeiner zum fünften „Kölner Galgo-Marsch“, der wie auch bereits in den Vorjahren am Bürgerhaus Stollwerck startete, um von dort durch die Kölner City zu marschieren. Der Marsch findet statt, um auf die teils katastrophalen Haltungsbedingungen der spanischen Windhunde (Galgos) und ihrer Leidensgenossen, Podencos, Setter, Bodegueros, Bretonen u.v.a., aufmerksam zu machen, die in Spanien traditionell zur Jagd benutzt werden.

An diesem nasskalten Januar-Wintertag verlief der Marsch durch die Kölner Innenstadt. Kritiker werden dabei nicht müde, anzumerken, man solle doch den Marsch in den Sommer verlegen, die kälteempfindlichen Windhunde mit ihrer fehlenden Unterwolle und mangels Fettgewebe wären sicherlich dankbar…

Nur ist der Sommer keine Option und der Termin des Marsches wurde ja extra auf Ende Januar in den Winter gelegt, weil dann genau auch das Ende der Jagdsaison in Spanien ansteht. Deshalb wurde auch seinerzeit in Spanien der „Welt-Galgo-Tag“ ins Leben gerufen: um besonders an diesem Datum verstärkt auf das Schicksal der oftmals zum reinen Jagd- Werkzeug degradierten Windhunde aufmerksam zu machen. Denn spätestens am „Dia del Galgo“ am 1. Februar ereilt viele der sanften Jagdhunde ein Schicksal, das weitaus schlimmer ist als das oftmals nicht sehr schöne Leben, das sie bis dahin führen mussten: Ihre Jäger entledigt sich ihrer, auf teils üble Art und Weise.

Offiziell sind es etwas 50.000 Galgos (plus weiterer Jagdhunde), die JÄHRLICH von ihren Jägern als nicht mehr jagdtauglich erachtet und damit „überflüssig“ werden. Diese Hunde werden dann oftmals traditionell wie zerlumpte Schuhe „entsorgt“ – auf teils schlimme Art und Weise. Sie werden ausgesetzt, in Schluchten oder Brunnen geworfen, ihnen werden die Beine gebrochen, sie werden in den Bergen ausgesetzt, in entlegenen Gegenden einfach zum Verhungern irgendwo angebunden oder zum „Klavierspielen“ an einem Baum aufgehängt – dem Hund wird dabei ein Strick um den Hals gelegt, dessen anderes Ende so an einen Baum gebunden wird, dass er gerade noch mit den Hinterpfoten den Boden erreicht und um nicht stranguliert zu werden, dann ausbalanciert und auf seinen Hinterbeinen regelrecht tanzt,bis ihn die Kraft verlässt und er sich selbst erdrosselt. Jüngst machte das Schicksal einer Hündin namens Libera (Libby) die Runde in den Windhundkreisen, das einfach nur fassungslos macht. Die Hündin wurde streunenden auf den Feldern entdeckt: klapperdünn und mit einem regelrecht in ihren Hals hineingefrästen Strick um den Hals, der zu einer Handbreiten tiefen Wunde geführt hat. Sie hat augenscheinlich den Strick durchgebissen, mit dem sie ihr ehemaliger Besitzer aufgeknüpft hat. Es war nicht einfach sie zu sichern (per Lebenfalle), die Tierschützer vor Ort kämpfen nun um das Leben der tapferen Kämpferin. Alle hoffen, dass sie es schafft, denn die Halswirbel sind schwer geschädigt, die Blutzirkulation und Atmung funktionieren aktuell nicht wirklich richtig, Libby musste operiert werden. Und einige OPs hat Libera noch vor sich laut jüngsten Einschätzungen der Tierärzte vor Ort. Ein Fall der einfach fassungslos macht.

ABER: In diesem Jahr berichten die spanischen Tierschützer auch, dass es vermehrt zu Abgaben kommt, d.h. dass die Jäger verstärkt ihre Hunde direkt zu den Refugios bringen, anstatt ihnen etwas anzutun. Bei der Auffangstation FBM, der Fundacion Benjamin Mehnert, bei Madrid gelegen, wurden so jüngst 61 Hunde innerhalb von drei Tagen abgegeben. Das bringt nun zwar natürlich auch die Refugios schnell an die Grenzen des Machbaren, aber die Entwicklung darf man schon als guten Fortschritt für die Hunde sehen, derer man sich eben nicht durch die althergebrachten Arten entledigt, sondern sie direkt in die Hände von Tierfreunden übergibt.

Was verbirgt sich hinter der Hunderasse Galgo? Der Galgo ist ein auffälliger Hund von schlanker Statur, mit tiefen Brustkorb und langen dünnen Beinen ausgestattet, dazu einer sehr langen, dünnen Rute. Er wird hauptsächlich für die Jagd von Hasen verwendet, hinter denen er in Zweierformation zu streng aufgestellten Regeln „hinterher geschickt“ wird. Die spanische Jagdsaison läuft dabei von Oktober bis Ende Januar. Leider folgen noch immer zu viele Jäger den alten Traditionen, vermehren ihre Hunde fast wie am Fließband – immer hoffend, den besten, schnellsten Jäger herauszubekommen, der ihm Ruhm und Ehre einbringen soll und dessen Nachkommen sich teuer verkaufen lassen.

Das EU-Land Spanien – immer noch das Lieblings-Urlaubsland der Deutschen – in dem Traditionen hochgehalten, in dem bei vielen Festivitäten Tiere gequält werden: sei es nun beim „klassischen“ Stierkampf, dem „Toro de Fuego“ (Feuerstier) oder dem Ziegenbock, der von einem Kirchturm geworfen wird, um der Gemeinde Glück zu bringen. Und so gibt es auch die durch EU-Subventionen unterstützte Jagd mit dem Galgo. Es geht um viel Geld und dieses wird – wie so oft – auf dem Rücken der Tiere ausgetragen und durch diese verdient.Beim Kölner Galgo-Marsch äußerte die spanische Tierschützerin Maria Teresa Garcia Rodriguez, die extra jährlich zu diesem Demonstrationszug für die Windhunde anreist, und sich im „No a La Caza“ gegen die Jagd und für alle Tiere einsetzt, dass jeder einzelne Tierfreund, der nach Spanien reist, gefordert sei. Es mach Sinn, beim nächsten Spanienurlaub am Urlaubsort Dinge zur Anzeige zu bringen und einfach die Polizei anzurufen, so man von einer tierquälerischen Belustigung auf Kosten eines Tieres erfahren oder diese sehen würde. Sei dies nun ein Stierkampf oder ein Rennen mit Windhunden. Wählen Sie die 112, so sie auf ein Tier in schlechten Zustand stoßen oder eine Tiermisshandlung mitbekommen. Dann nur würde sich eventuell auch in der jeweiligen Gemeinde etwas tun, aus Angst, die Touristen könnten sich an diesen Praktiken stören und würden eventuell ganz wegbleiben!

Die Teilnehmerzahlen des Kölner Galgo-Marsches stiegen seit dem ersten Mal unaufhörlich: aus 150 Teilnehmer auf zwei Beinen im ersten Jahr wurden nun jüngst 600 Zweibeiner (mit ca. 1400 Hunden). Und so werden es immer mehr Tierfreunde – nicht nur in Köln, denen das Schicksal der sanftmütige Jagdhunde nicht egal ist und die den Hunden eine Stimme geben und gegen die unerträglichen Haltungsbedingungen und die massenhafte Entsorgung kämpfen. Denn nur zusammen sind wir stark und dürfen hoffe, etwas zu bewirken für die Situation der spanischen Jagdhunde Galgo, Podenco und Co!

Und so darf sich jeder bereits den Termin für den dann 6. Kölner Galgo-Marsch notieren: Samstag, der 30. Januar 2021 – 12 Uhr – Treffpunkt wie gehabt am Bürgerhaus Stollwerck in Köln!

Last but not least: Ganz wichtig ist uns zu erwähnen, dass auch der 5.te „Kölner Galgo- Marsch“ – wie in den Vorjahren bereits – die tollste Unterstützung überhaupt erfuhr durch das Team der Kölner Polizei, die mit ihrem einfach herzlichen, immer gut gelaunten Einsatz den Marsch sicher und wohlbehütet durch die Kölner Innenstadt geführt hat!

 

Ein dickes Dankeschön an unsere „Freunde und Helfer“ – was wären wir ohne Euch!!!

(Text und Fotos Julia Reinhardt & Maria Teresa Garcia Rodriguez)