Aus dem Leben eines Lebensmitteleinzelhändlers.

Was hier abgeht ist nicht mehr normal. Wir betreten morgens um 6 Uhr den Laden, da es aus versicherungstechnischen Gründen nicht früher gestattet ist. Uns hängt noch die Schicht vom Vortag in den Knochen, auch die Schichten am Wochenende sind noch deutlich zu spüren. Wir starten unseren Arbeitstag wie jeden Morgen, verräumen frisches Fleisch, backen für unsere Kunden frische Brötchen etc. Dann geht’s an die frischen Obst und Gemüse Waren. Der Laden öffnet nach Plan um 7 Uhr, die Obstpalette ist noch nicht fertig verräumt, wie auch, wir haben schließlich keine Rollschuhe, das erlaubt die BG leider nicht der erste Kunde betritt den Laden :“Wie? Haben sie etwa keine Kartoffeln? Die waren gestern um 21 Uhr schon nicht da, und jetzt komm ich extra um 7 Uhr und es sind immer noch keine da?“

Wir entschuldigen uns höflich, räumen im „Flash“ Tempo die Palette ab, damit der Kunde seine Kartoffeln bekommt.

Weiter geht’s. Der nächste möchte Mehl, Toilettenpapier oder Nudeln. Auch das müssen wir leider verneinen, da der LKW noch nicht da war. Der Kunde pöbelt :“Also sie sollten nochmal in die Lehre gehen, sie kommen ja überhaupt nicht mit der Situation klar!“

Ich entschuldige mich höflich und nenne ihm die Uhrzeit wann der LKW ungefähr da ist und wir die Ware verräumen. Natürlich sprinten wir dann sofort los, um diesen Kunden genauso glücklich zu machen wie alle anderen. Jeder dritte Kunde ist genervt, dass die Regale leer sind und nicht wieder schnell genug befüllt werden, schließlich verspricht der Staat jeden Tag aufs Neue, das es keine Engpässe geben wird.

Mittlerweile ist es Mittag, der LKW hält, wir bitten ihn das Toilettenpapier als erste abzuladen, falls denn möglich. Ich kämpfe mich durch die Menge, stell mich ans Regal um die Ware zu verräumen. Leider komm ich nicht dazu, die Palette wurde bereits von den Kunden geplündert. Also stell ich die nächsten Paletten einfach nur in den Gang, die Kunden regeln das schon.

Nun geht’s an die Pausenablösung der Kassiererin, sie ist nämlich schon fix und alle, da kaum ein Kunde ein nettes Wort für sie übrig hat. Sie wurde bereits 3 Mio mal angehustet, hat 20 Mio. angeleckte Scheine in der Kasse und beschimpft, wurde sie auch noch, weil sie um Kartenzahlung gebeten hat.

Mir geht es jetzt die nächsten 30 Minuten genauso.

Mittlerweile ist meine Schicht zu Ende. Im Lager stehen aber noch 18 Paletten die in die regale verräumt werden müssen. Also bleib ich natürlich und helfe den Kollegen noch ein wenig.

Nach einer weiteren 11 Std Schicht, fahr ich nun total erschöpft nach Hause, um zu duschen und endlich mal was zu essen, danach geht’s direkt ins Bett, die nächste Schicht beginnt schließlich wieder um 6 Uhr am nächsten Morgen.

Der Großteil der Kunden sind absolute Egoisten, sie verlangen das wir Rollschuhe tragen und im besten Fall den LKW auch selber fahren, einmal mit dem Finger geschnippt, sind die Regale wieder voll.

Leute, werdet mal wach, wir sind auch nur Menschen und keine Maschinen. Uns reicht ein wenig Verständnis, wir tun schon was wir können. Wir verzichten auf Frei und verschieben unseren Urlaub, damit ihr 20 Pakete Nudeln und 800 Pakete Toilettenpapier kaufen könnt.

Denkt doch bitte mal an eure Mitmenschen. Nutzt eure überschüssige Energie dafür, anderen zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen. Vermeidet Hamsterkäufe, damit jeder was bekommt! Und bitte, haltet Abstand. Nicht nur an den Kassenschlangen, die leider nicht zu vermeiden sind, nein auch zur Kassenkraft und den übrigen Mitarbeitern!!!! Damit wir noch lange für euch da sein können um euch zu versorgen. DANKE

Das gilt übrigens nicht nur für uns Einzelhändler, auch für alle anderen Berufsgruppen die grade alles dafür tun, dass das System nicht zusammen bricht

(Text: Frank M.)