Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe und Besinnung, Zeitgeschichte und Erinnerung. Grabsteine zeigen die Geschichte der Stadt, der Kunst und vieler namenhafter Persönlichkeiten.

Der bekannte Kölner Stadtführer Günther Leitner führte am Wahl-Sonntag eine große Gruppe Mitglieder und Freunde der Bürgervereinigung Rodenkirchen über den „Neuen“ Friedhof von Rodenkirchen in Michaelshoven.

Überrascht waren einige, schon bei den ersten Worten, denn der Name „Neuer Friedhof“ ist nicht mehr so ganz wirklich zutreffend. Der Friedhof wurde nämlich bereits im Jahr 1941 angelegt. Die Kriegsgräberstätten mit Opfern des 2. Weltkriegs aus Rodenkirchen sind hier die ältesten Gräber, dazu kamen nach und nach zahlreiche Familiennamen Rodenkirchener Bürger. Amüsant berichtete Leitner, so groß wie ihre Häuser hier im Kölner Süden sind auch oft die Grabstätten. Leise fügte er hinzu, leider merkt man auch auf diesem Friedhof, die Hinterbliebenen reduzieren. So wie aus einem Einfamilienhaus ein Mehrfamilienhaus wird und aus Status nur noch Effektivität und Nutzbarkeit, so werden die Grabstätten in den letzten Jahren auch hier kleiner, Pflege unintensiver und sehr naturbelassen. Eine Besucherin äußerte leise zu einer begleitenden Freundin, „wie die Wahlen, alles schön grün, statt bunt und individuell.“

Dann ging es los, mit Abstand, zahlreichen Masken und viel Freude startete Leitner die Führung gleich im ersten Gang zur rechten Seite. Viele bekannte Menschen des Kölner Lebens, der Kultur und Wirtschaft sowie Prominente aus Funk und Fernsehen sind hier begraben. Hier ruhen zum

Beispiel die Familienmitglieder der Familie Waltner (Fleischfabrikant), der berühmte Journalist Werner Höfer aus der Diskussionsrunde „Internationaler Frühschoppen“ (verstorben 1997), Bildhauer Theo Heiermann, aber auch Erwin te Reh. Te Reh war der Gründer und Leiter der Stiftung der Diakonie Michaelshoven, Ehrenbürger der Stadt Köln und Initiator des ersten Kinderheimes im Kölner Süden. Erwähnenswert war aber auch die Grabstätte des Bildhauers Willy Meller (1887 bis 1974) und die von ihm um 1950 erstellten großformatigen Denkmäler, die eindrucksvoll an die Opfer der Gewaltherrschaft mahnen.

Leitner, erinnerte allerdings nicht nur an die schon lange Verstorbenen, auch ganz aktuelle Sterbefälle reihten er in seine Führung ein. So zeigte er das schneeweiße Grab der erst kürzlich verstorbene Herta Reiss, sie war die eine Gastro-Legende, eine wirkliche Dame und die stielvollste Messe Gastronomin der Stadt.

Aber auch Buchholz, Hillebrandt und Julius Uhlig wurden nicht vergessen, am Ende der über 2 stündigen Führung waren sich viele Begleiter einig, das war ganz großartig von der Bürgervereinigung und auf jeden Fall wiederholungswürdig.