Carl kommt und Hartmut geht – die Musik kommt aus Rodenkirchen

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine rappt, der andere macht kölsche Musik, der eine startet gerade durch, der andere hat alles erreicht, nur eines haben sie gemeinsam – beide kommen aus dem Stadtgebiet hinter der Rodenkirchen Brücke und stehen so für die musikalische Vielfalt des Kölner Südens.

Aufgewachsen mit Musik

Carl der Rapper hat Musik im Blut. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, sein Vater spielt Schlagzeug beim WDR-Funkhausorchester, gründete Carl sein eigenes Soundsystem, inspiriert vom Reggae- und Dancehall-feeling nach einem Jamaica-Trip. Schnell wurden andere auf ihn aufmerksam, vor allem seine Live-Performance beeindruckte die Szene. Zehn Jahre lang war Carl als „Master of ceremonies“ (MC) sprich Moderator einer Bühnenshow bei pow pow Movement, dem ersten Kölner und inzwischen weltweit erfolgreichen Soundsystem, an Bord. Mit der Show tourte Carl durch ganz Europa und lernte so, was Bühnenpräsenz ausmacht. Nach zehn Jahren hat es ihn dann gepackt, er wollte sich auf eigene Füße stellen. Er spürte einen „Drang, eigene Songs zu performen und eine eigene Show auf die Beine zu stellen.“

In der Szene mehr als beachtet – das erste eigene Album

Inzwischen schreibt Carl seine eigenen Songs. Aktuelles Zeitgeschehen und eigene Erlebnisse werden verarbeitet. Besonders prägnant ist die eindeutige Sprache, mit der er sofort auf den Punkt kommt. Mit „Alle Sinne eingefroren eingestampft – verdammt, wassn los bloss?“ beschreibt er aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft auf seinem Album „Schwergewicht“. Satter Sound liegt unter seinen klaren Wortspielen, die viel Nachdenklichkeit erzeugen. Der Name passt zur Botschaft: „Mein Sound ist Schwergewicht“, ist Carl stolz auf seine Musik, die mittlerweile viele Fans gefunden hat. Seit 2018 gibt es die neue Single „Mein Sound war hier“ Spätestens jetzt hat er auch bei den Musikkritern seinen Durchbruch geschafft.

Hartmut Priess dagegen legt den Bass beiseite

Hartmut Priess, der legendäre Bassist bei den Black Fööss, hat seinen Abschied zum Jahresende verkündet. Er ist so etwas wie die graue Eminenz bei den Fööss und immer mit dem Herzen dabei. Mit den Fööss hat er alles erreicht, was eine kölsche Band schaffen kann, in der Domstadt ist ihm ein ewiger Kutstatus gewiss. Gelebte Stadtgeschichte und soziales Engagement mit den Black Fööss. Eine Band, die vor 60 Jahren gegründet wurde, spiegelt viel Geschichte aus ihrer Heimatstadt wieder. Schon vor den Fööss machte Hartmut Priess Musik. Geboren -man glaubt es kaum- in Berlin, spielte er mit Fööss-Kollegen Erry Stocklosa bei den Beat Stones, später bei den Stowaways, beides für die Zeit typische Beat-Bands mit englischen Texten.  Zusammen dachte sich den Namen Black Fööss aus und legte los op kölsch. Viele Geschichten aus der Stadt wurden aufgegriffen, auch vor sozialen Themen schreckte die Band nicht zurück. Genau das lag Hartmut Priess besonders am Herzen, der sich heute wie damals mit dem etablierten Karneval gerne anlegt. So weist Hartmut Priess heute auf den verloren gegangenen Charakter des Karnevals hin, was sich im Rückzug der Band von den Massenveranstaltungen am Heumarkt oder Alter Markt äußert. Bevor Hartmut Priess seinem jüngeren Nachfolger, Hanz Thodam von den Domstürmern, den Bass in die Hand gibt, mischt er bei den neuen Songs, die gerade produziert werden, noch einmal kräftig mit. Seine Schulprojekte will er noch weiter fortsetzen, gerade das musizieren mit Schülern liegt ihm besonders am Herzen. In Rodenkirchen gibt es die Fööss mit Hartmut Priess in diesem Jahr noch einmal zum Anfassen. Und wo wie könnte es anders sein als in der Aula des Rodenkirchener Gymnasiums auf.