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1812 Von der Firma Henkel als chem. Fabrik zur Herstellung von Bleich- und Waschmittel gebaut.
1914
Pulver- und Munitionsfabrik
1918
Likör- und Schnapsfabrik
1930
Die Rheinische Wachsindustrie Otto Josef Menden und Peter Pazen GmbH erwirbt das Gelände.
1935
Munitionsfabrik
1945
Wachsfabrik
1977
Vergleich wird angemeldet, das Gelände wird an den heutigen Eigentümer verkauft,
ein Teil der Kerzenproduktion wird im vorderen Fabrikteil weitergeführt.

Heute ist die Wachsfabrik nach Auffassung des Kulturamtes der Stadt Köln
für die freie Kunstszene ein wichtiger Ort.

Chronologie des Kunstzentrums

Im März 1979 mietet der Maler und Kunsterzieher Michael teReh 
die ehemalige und teilweise leerstehende Kerzenfabrik an 
und sucht Künstler die Interesse haben, sich an diesem Projekt zu beteiligen.
Kurz darauf beginnen die ersten acht Bewohner ihre gemieteten Räume,
die sich in einem desolaten Zustand befinden, auf eigene Initiative aus- bzw umzubauen.

Im Oktober 79 wird die öffentliche Einweihungsfeier des „Kunstzentrum Wachsfabrik“
mit einer Ausstellung der Künstler gefeiert.
Auf Initiative von Klaus Jürgen Pfeiffer, Architekt und Mitbewohner und dem Arzt
Dr. Peter Steimel gibt es im Herbst des gleichen Jahres den ersten Folktreff in der Halle,
der dann an jedem ersten im Monat stattfindet . 

1980 Unter der organisatorischen Leitung von Günter Gritzner, Maler und Kunsterzieher,
der ebenfalls in der Wachsfabrik ein Atelier bewohnt, findet bis 1984 ein vielseitiges
Kulturprogramm mit Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerten statt.
Zur Unterstützung der Kulturarbeit wird der Förderverein “ Freunde des Kunstzentrum
Wachsfabrik e.V.“ gegründet. 

1981 wird die Kerzenproduktion im vorderen Teil des Fabrikgebäudes endgültig eingestellt.
Auf Grund der Kulturarbeit der schon bestehenden Ateliergemeinschaft, beschließt auch
das Kulturamt der Stadt Köln für Künstler dort Ateliers anzumieten, womit sieben weitere
Räumlichkeiten genutzt werden können.
Ein großer Teil der Fabrik und der Lagerräume sind für die darstellenden Künste vorge-
sehen. Dort zieht zunächst das „OffOff Theater“,“ und später das Jugendtheater
„Die Kugel“ein. Zwischenzeitlich wird hier auch eine TV Serie aufgezeichnet. 

1982 Als Kommunikationsraum entsteht für Künstler und Besucher des Kunstzentrums das
“ Cafe in der Wachsfabrik“. 

1985 übernnimmt der Metallbildhauer und Maler Hubert Fabian, der seit 1984 ein Atelier in der
Wachsfabrik bewohnt, die Organistion des Kulturprogramms mit einer neuen Konzeption,
die das Schwergewicht auf Rauminstallation legt. Hubert Fabian läd dazu Künstler
aus Deutschland und dem Ausland ein, um die große Ausstellungshalle mit ihrem eigenen
besonderen Reiz zu nutzen.

1993 Auf Grund drastischer Mieterhöhungen für die hintere Ateliergemeinschaft
durch den Eigentümer, muß die Ausstellungsaktivität eingestellt und die Halle
untervermietet werden, da diese ausschließlich durch eigene Mittel der Mietergemeinschaft
finanziert wird. Hubert Fabian legt sein Amt als Kurator der Ausstellungen nieder.
Die Wachsfabrik verschwindet aus dem Blick der Öffentlichkeit.

1994 wird das Jugendtheater „Die Kugel“ von der Kölner Tanzagentur abgelöst,
die den Zuschauerraum und etliche Nebenräume aufwendig ausbauten.

2002 wird die Perfomance „Abgebrannt“ in der ausgebrannten Ruine des Keramikateliers
aufgeführt. 

2006 nach 12 Jahren Kölner Tanzagentur werden die Räumlichkeiten im Januar von dem
Choreographie Netzwerk Köln/Bonn „Barnes Crossing“ übernommen.
Und in diesem Jahr entwickelte sich die Idee, erneut jährlich Arbeiten der hier jetzt
lebenden und arbeitenden Künstler in Gemeinschaftsausstellungen, Veranstaltungen
und Konzerten zu präsentieren.

2009 am 19. September feiert das „Kunstzentrum Wachfabrik“ sein 30 jähriges Jubiläum
mit einer Gemeinschaftsausstellung. Zugleich wird der neu entstandene Skulpturenpark eingeweiht.

2010 Die bildenden Künstler öffnen am sog. „Kunstsonntag“ ihre Ateliers.
Kunstsonntag ist jeweils der erste Sonntag im Monat. 

2012 In der ehemaligen Fabrikantenvilla entsteht eine Kita, MyDagis.
Das Kulturamt läßt die bestehenden Verträge über die Ateliers im vorderen Teil des Geländes auslaufen.
Es kommt zu unschönem Leerstand von Ateliers.

2013 – 2016 Im Atelier Wachendorf entsteht die Galerie Phoenix.
Die Kunstsonntage finden große Resonanz.

Kunstzentrum Wachsfabrik
Industriestr. 170
50999 Köln

www.kölner-wachsfabrik.de

(Text & Foto: EB Dierk Osterloh Quelle:www.kölner-wachsfabrik.de)

Foto: Carola Steiner

Spurensuche – Carola Steiner sammelt Ahnen

Ein schlichter Grabstein gab den Anstoß zu Erkundigungen und brachte längst Vergangenes zu Tage.

„Bernhard Steiner – 1921-1945“

Die Grabinschrift des einfachen Kriegsgrabes fiel mir schon öfter bei den Besuchen unseres Rondorfer Friedhofes an der Giesdorfer Straße auf.

Die Familie meines Ehemannes Peter lebt schon seit mehreren Generationen in Hochkirchen / Rondorf. Die Linie der Familie der Großmutter geborene Blindert stammte aus der Gegend um Bad Münstereifel und die Steiners zogen um 1880 von Lich an den Kölner Stadtrand.

Der alte Peter Adam Steiner, der Urgroßvater meines

Mannes, führte am Zuckerberg in Hochkirchen eine Wäscherei und Mangelstube. Elf Kinder wuchsen hier auf.

Wer war aber dieser Bernhard Steiner? War er mit uns verwandt? Der erste Schritt bei einer Suche nach einem Gefallenen ist die Online-Gräbersuche bei dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Dort fand ich auch seinen Namen. In einem Formular müssen die eigenen Personalien angegeben werden und dann wartet man auf Antwort. Nach kurzer Zeit bekam ich einen Brief, in dem ich nun die Geburts- und Sterbedaten, sowie Nummer der Erkennungsmarke von Bernhard Steiner erfuhr:

Er wurde am 7.10.1921 in Sand geboren und starb in Rondorf am 5.3.1945.

Seine Erkennungsmarke war -767-I.G.E.Kp.18.

Sein Grabbezeichnung: Köln-Rodenkirchen, Feh.Rondorf V / Grab: 122.

Im Stadtarchiv Köln kann man die Personenstandsregister digital einsehen. Wegen des Datenschutzes sind aus dieser Zeit nur die Sterbeurkunden online[1].

Ich schaute zur Sicherheit die Register bis 1960 durch, denn es wurden durch die Kriegswirren auch noch später Eintragungen zu Gefallenen gemacht. Doch leider fand ich dort keinen Eintrag im Sterberegister für Bernhard Steiner.

Der 5.3.1945 war ein wolkenfreier Montag[2]. Die letzten Tage des Krieges brachen für das linksrheinische Köln an[3]. Vor dem Krieg lebten in Köln 770 000 Einwohner, kurz bevor die Amerikaner das zerbombte Köln befreiten, lebten dort nur noch 40 000 Menschen[4]. Bei Luftangriffen kamen rund 20 000 Menschen ums Leben, die Überlebenden waren geflohen oder evakuiert, wie die Familie meiner Schwiegermutter. Deren neunköpfige Familie Degen aus Raderthal wurde nach Gügleben in Thüringen evakuiert[5] und lebte zwei Jahre, in der Nähe von Erfurt.

Der zuständige Gauleiter für Köln und Aachen, Josef Grohé[6], verlangte in seiner letzten Rede von der Bevölkerung fanatischen Widerstand und setzte sich noch am selben Wochenende 3./4.März 1945 über den Rhein, Richtung Thüringen ab. Dort lebte er noch ein Jahr unter falschem Nam bevor er von den Amerikanern verhaftet wurde[7].

Zurück nach Köln. Was geschah in Köln-Rondorf in der Zeit um den 5. März 1945?

Zeitzeugen berichten in dem Buch „Rodenkirchener erinnern sich“ von Cornelius Steckner, aus dieser Zeit. So lese ich von der Zwangsevakuierung von 120 Rodenkirchener Bürgern im Januar 1945.

Rodenkirchen war schwer betroffen durch die alliierten Luftangriffe auf die Rodenkirchener Brücke, die erst am 21. Oktober 1941 eingeweiht wurde. Schon drei Jahre später stürzte sie in den Rhein, nachdem am 14. und 28.1.1945 durch mehrere Treffer die Tragseile zerstört wurden.

Die Rodenkirchener Behörden entschieden, dass „Ausgebombte“ Richtung Harz zwangsevakuiert werden sollten. Durch einen Verwaltungsfehler wurde die Gruppe jedoch nicht nach Mitteldeutschland geleitet, sondern kam nach Drossen, rund 30km östlich von Frankfurt an der Oder. Dort gerieten die Menschen zwischen die Fronten, da die rote Armee nur noch 120 km entfernt war. Nach einer Woche wurden sie in einem Zug weiter verschickt, der von den Panzergeschützen der sowjetischen Armee beschossen wurde. Nach einer schier endlosen, dramatischen Odyssee kamen die Überlebenden am Heiligabend des Jahres 1945 wieder zurück nach Rodenkirchen. 28 Rodenkirchener hatten diese Reise mit ihrem Leben bezahlt.

Eine der Überlebenden, Agnes Widdig geb. Spelten, stiftete eine jährliche Gedenkmesse am 2. Februar in der Pfarrkirche St. Maternus, die bis 1988 alljährlich abgehalten wurde.

Leider sind diese Messen eingestellt worden und auch die Gedenktafeln, mit den Namen der Getöteten, wurden entfernt.

Mittlerweile bekam ich von der Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht endlich Nachricht auf meine Anfrage nach Bernhard Steiner.

Er fiel als Mitglied der 4. Kompanie der Panzer-Aufklärungsabteilung 103.

Seine Eltern hießen Josef und Maria Steiner. (Auskunft WASt 16.02.2018).

Glücklicherweise erhielt ich auch eine Adresse der Eltern, die in den Akten zu finden war.

Sie wohnten 1946 in Minden, wo ich jedoch keine Angaben über Bernhard Steiner im Standesamt fand. Im Einwohnermeldeamt fragte ich nach, in der Hoffnung doch noch etwas über den Geburtsort Sand herausfinden zu können. Es gibt oder gab mindestens 6 verschiedene Orte Sand in der Bundesrepublik Deutschland.

Es fand sich noch eine alte Kartei im  Einwohnermeldeamt, auf der stand, dass die Familie Steiner aus Frankenberg, Kreis Frankenstein im ehemaligen Niederschlesien stammte und 1946 nach Minden kam. Heute liegt der Ort in Polen und heißt Przylęk. Dort gab es ebenfalls einen Ortsteil, der Sand hieß.

Über die vielfältigen Portale der Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und bei dem Verein für Computergenealogie e. V.[8], fand ich weitere Informationen und einen Ansprechpartner, der die Ortsfamilienbücher dieses Ortes erstellt hat. Ortsfamilienbücher sind für Ahnenforscher eine große Hilfe, da darin die Verwandtschaften von Familienmitgliedern zusammengetragen werden. Die Quellen dafür sind meist die Kirchenbücher einer Gemeinde und deren Nachbargemeinden.

Es gab in Sand einen Hof Steiner, so hatte ich große Gewissheit, dass die Informationen richtig waren. Durch die Kirchenbücher kann die Familie Steiner bis in das 17. Jahrhundert nachweisen werden. Bernhard Steiner wurde also in Niederschlesien geboren und seine Eltern gehörten zu den rund 9 Millionen Deutschen, die nach dem Krieg aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands vertrieben wurden.

Die Familien von Frankenberg wurden am Vorabend informiert, dass sie sich am nächsten Morgen des 6.4.1946 am Ortseingang einfinden sollten. Sie durften nur soviel mitnehmen, wie sie tragen konnten. Sie wurden zu 40 Personen in Viehwaggons gepfercht und kamen auf diese Weise nach Minden. Man kann sicher annehmen, dass die Eltern von Bernhard, spätestens als sie in Minden ankamen, von dem Tod ihres Sohnes Kenntnis erhielten.

Ob die Familien in Schlesien und in Köln miteinander verwandt sind, habe ich noch nicht herausgefunden. Interessant ist jedoch, dass beide katholischer Konfession waren, bzw. sind.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass im Osten Deutschlands die evangelisch lutherische Konfession häufiger vertreten ist.

Ich bin mit meiner Spurensuche deshalb noch nicht am Ende, vielleicht handelt es sich bei Bernhard Steiner tatsächlich doch um einen entfernten Verwandte

[1] http://historischesarchivkoeln.de/lav/index.php

[2] https://geboren.am/5-maerz-1945

[3] http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/luftwaffenhelfer_kriegsende.htm

[4] https://www.mz-web.de/8874180

[5] http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/themen/Das%20Rheinland%20im%2020.%20Jahrhundert/Seiten/Kinderlandverschickung.aspx

[6] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513534.html

[7] https://www.express.de/koeln/koelns-ober-nazi-die-flucht-von-gauleiter-josef-grohé-endete-in-kleinem-dorf-1387182

[8] http://wiki-de.genealogy.net/Frankenberg_(Kreis_Frankenstein),_OFB,

 

Noch ein Wahrzeichen

Ja, so würde auch ich sie bezeichnen. Denn egal, ob auf Postkarten, selbst gemachten Fotos oder einfach nur, wenn man, wie ich gerade, den Rheinboulevard entlang geht…und sie betrachtet, sie fällt genauso ins Auge und gehört zu diesem gewohnten Bild wie ihr großer Bruder, der Dom. Wen ich meine? Groß St. Martin, eine der zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt. Und auch wenn ich den Dom eben als großen Bruder bezeichnet habe…ist Groß St. Martin doch die ältere unter den „Geschwistern“. Eingebettet in Wohn- und Geschäftshäuser steht die dreischiffige Basilika mit dem Chor in Kleeblattform (Dreikonchenchor) in der Kölner Altstadt, im Martinsviertel direkt in Rheinnähe.

In römischer Zeit befand sich dort eine vorgelagerte Insel. Wie man bei Ausgrabungen in den 1970er Jahren herausfand, hatten die Römer im ersten Jahrhundert dort sogar eine Sportanlage mit Schwimmbecken gebaut. Ein knappes Jahrhundert später allerdings blühte der Handel in Köln derart, dass auf diesem Platz eine Lagerhalle errichtet wurde. Nachdem die Franken im 5. Jahrhundert dann die Herrschaft übernommen hatten, entstand aus dieser Halle die erste dem heiligen Martin geweihte Kirche.

500 Jahre nach dem ersten Bau entstand auf den Grundmauern der römischen (ehemaligen) Lagerhalle ein Neubau der Kirche. Allerdings wurde auch dieser nicht sehr alt, denn bereits 1150 sorgte ein großer Stadtbrand dafür, dass die Martinskirche wieder vernichtet wurde. Man wartete jedoch nicht lange mit dem Wiederaufbau und machte sich sofort an die Arbeit. Das Langschiff des Neubaus wurde ebenfalls auf den Grundmauern der römischen Lagerhalle errichtet. Der Dreikonchenchor konnte schon 1172 geweiht werden (für Kölner keine schlechte Bauzeit, das aber nur am Rande).

Nicht lange danach entstand der überdimensionale Vierungsturm mit seinen vier Türmchen (zur Erklärung: Vierung bedeutet, dass hier im Kirchenraum Haupt- und Querschiff zusammentreffen. In Kirchen mit dem Grundriss eines Kreuzes wird also dort der Chor vom Langhaus getrennt. Daher nennt man den Turm, der sich direkt über dieser Stelle befindet, Vierungsturm. Bei unserem Dömchen ist das übrigens genauso, achtet mal darauf).

Ich bin inzwischen über die Hohenzollernbrücke auf die andere Seite spaziert und stehe nun unterhalb von Groß St. Martin. Diese Kulisse mit den bunten Häuschen davor ist schon was Besonderes. Der Turm bietet wirklich einen mächtigen Anblick und ist aus der Kölner Skyline nicht wegzudenken. Im Gegensatz zu Meister Gerhard, der beim Dom genauer kaum hätte rechnen können, hatten sich hier die Baumeister allerdings etwas vertan, denn der Turm war zu hoch geworden und dementsprechend auch zu schwer. Aus statischen Gründen – die westlichen Türmchen stürzten in den Jahrhunderten nämlich mehrmals ein – wurde beim Neuaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem die Kirche zu großen Teilen, mal wieder, zerstört wurde, eine unsichtbare Verstärkung aus Beton eingebracht.

Als ich die Basilika betrete, erwartet mich schlichte Schönheit. So imposant Groß St. Martin von außen wirkt, so schlicht ist sie innen gestaltet und strahlt dabei doch etwas aus. Ich denke, der Innenraum wirkt auf die Menschen in verschiedener Weise. Zum einen erhaben, zum anderen, und so habe ich es in diesem Moment empfunden, auch einsam. Das aber muss jeder für sich selbst herausfinden. Einen Besuch dort kann ich euch nur empfehlen. Übrigens: In der Krypta unter dem Chor kann man die Fundamente aus römischer Zeit bewundern.

So „Kleine“, du wirst zwar immer im Schatten deines großen Bruders stehen…aber du bist ebenso ein Teil dieser wunderbaren Stadt, die so viel zu erzählen hat.

Bis bald
eure Ramona

Weitere Erzählungen siehe www.koelschgaenger.de

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Wer kennt sie nicht, die Leute, zu denen man höflich und freundlich ist, die einen aber ankotzen? Die feine Diplomatie ist ja keine ureigene kölsche Eigenschaft. Wir rühmen uns eher dafür, zu sagen, was wir denken. Das ist vielleicht nicht immer die beste Tugend, aber was dem Hermann Gryn passiert ist, wäre uns damit nicht passiert.

1262 ist der Rat der Stadt Köln durch Patrizierfamilien besetzt und Hermann Gryn ist ihr Bürgermeister. Erzbischof von Köln ist seit 1261 Engelbert II. von Falkenburg. Und wenn ihr meint, Don Camillo und Peppone seien unterhaltsam, dann hört Euch das an:

Engelbert II. geht gegen die Patrizier vor, um seine eigene Macht zu festigen. Im Verlauf des Jahres 1262 bricht der Konflikt noch offen aus, aber vorher begegnet man sich mit distanzierter Höflichkeit.

Die Sage erzählt, dass Engelbert in einem Hof des Domklosters, der von hohen Mauern umgeben ist, einen Löwen hält. Im Jahre 1262 ist dieses Tier eine Sensation. Jeder, der irgendwie kann, möchte diese Bestie sehen, die mit ihren Fängen das Fleisch von Männern spielend vom Knochen reißt und diese zermalmt, wie wir Hühnerknochen brechen.

Zwei Pfaffen denken sich, das sei die Gelegenheit, unseren Bürgermeister, Hermann Gryn, elegant los zu werden. Neugierig auf dieses Untier ist er selbstverständlich auch, keine Frage. So laden sie ihn zum gemeinsamen Abendessen ins Domkloster und Hermann Gryn nimmt an.

Als die drei speisen, brüllte der Löwe bereits laut in seinem Hof. Kein Wunder, hat er doch seit Tagen nichts zu fressen bekommen. Gryn platzt bald vor Neugierde und fragt, ob er das Untier denn auch betrachten dürfe. Natürlich. Die beiden Pfaffen geleiten ihn zu einer Tür mit schweren Eisenbeschlägen und mächtigen Riegeln. Ganz wohl ist dem Bürgermeister nicht, als der eine die Riegel löst und die Tür aufzieht. Zu Recht, denn als sich die Tür öffnet, schmeißt sich der zweite Pfaffe mit Schwung gegen seinen Rücken, so dass Gryn in den Hof stolpert. – Rums! Die Tür ist zu!

So sieht er den zähnebleckenden, zum Sprung bereiten Löwen aus nächster Nähe. Näher als ihm lieb ist und er weiß, er hat nur eine Chance. Schnell nimmt er seinen Mantel und wickelt ihn um die Linke. Als Hermann Gryn sein Kurzschwert zieht, springt ihn der Löwe bereits an und verbeißt sich im Mantel. Vermutlich setzt Hermann jetzt den einen wichtigen Stich, der das Tier so schwächt, dass er den folgenden, kurzen aber heftigen Kampf für sich entscheidet. Hermann Gryn ist schwer verletzt, der Löwe aber tot. So wie die beiden Pfaffen, die am nächsten Tag an dem Querbalken der Pfaffenpforte baumeln.

Und genau diese Sage ist an unserem Rathaus abgebildet. Direkt vorne an der Rathauslaube. Gibt es eine schönere Sage, die die Wehrhaftigkeit des Rates beschreibt?

Ich werde sie weiter so erzählen, weil sie so schön spannend ist. Aber ob sie sich im Jahr 1262 so zugetragen hat? In einer Chronik findet sich der Name „Hermannus Greyn“, der zu dieser Zeit Bürgermeister war. Und dazu muss man wissen, dass Engelbert II. von Falkenburg einen Löwen in seinem Wappen führte. Er hatte zu dieser Zeit den nördlichen Kunibertsturm und den südlichen Bayenturm zu Zwingburgen ausgebaut und mit seinen Truppen besetzt.

Am 8. Juni 1262 vereinen sich Patrizier und Bürger und nehmen die Türme ein, werfen die ungeliebte Besetzung aus der Stadt und Engelbert II. muss sich ihrem Willen beugen.

Haben wir nicht seit Jahrhunderten tolle Ideen, kölsche Geschichte lebendig zu halten?

Michael

Wä kennt se nit, die Lück för die mer höflich un fründlich es, die eine ävver aankotze? De fing Diplomatie es jo kein ureige kölsche Eigeaat. Mer rühme uns ihter doför, dat mer uns Hätz op der Zung drage. Dat es vielleich nit de beste Tugend, ävver wat dem Manes Gryn passeet es, dat wör uns domet nit passeet.

1262 es der Rod vun der Stadt Kölle durch Patrizierfamillie besetz un der Manes Gryn es ehre Bürgermeister. Ääzbischoff vun Kölle es zick 1261 der Engelbäät II. vun Falkeburg. Un wann Ehr meint, der Don Camillo un der Peppone hätte för god Ungerhaldung gesorg, dann hürt Üch dat aan:

Der Engelbäät II. geiht gäge de Patrizier vür, öm singe Maach ze festige. Em Verlauf vum Johr 1262 brich der Strigg noch offe us, ävver vürher deit mer sech met distanzeeter Höflichkeit begähne.
Die Sag verzällt, dat der Engelbäät en enem Hoff vum Domkluster, der von huh Muure ömgevve es, ene Löw häld. Em Johr 1262 es dat Dierche en Sensation. Jeder, dä irgendwie kann, mööch dat Bies sinn, dat met singe Fäng et Fleisch vun Kääls em Rüppche vum Knoche rieß un die zermalmp, wie mir Höhnerknoche breche.

Zwei Paafe denke sich, dat sei die Gelägeheit, unse Bürgermeister, der Manes Gryn, elegant loss ze weede. Neugeerig op dat Undier es hä selverständlich och, kei Frog. Esu lade se en för e gemeinsam Ovendesse nohm Domkluster en un Manes Gryn nimmp aan.

Wie die drei am Esse sin, bröllt dä Löw ald laut en singem Hoff. Kei Wunder, hät hä doch zick Dage nix ze fresse kräge. Der Gryn platz baal för Neugier un frög, ov hä dat Undier dann och beluure dörf. Natörlich. De beidse Paafe bränge en noh ener Pooz met schwere Ieserbeschläg un mächtige Rämmele. Ganz wall es dem Bürgermeister nit, wie der ein de Rämmele lüs un de Pooz optrick. Zorääch, dann wie die Pooz opgeiht, schmieß sich dä zweite Paaf met Schmackes gäge singe Rögge, su dat der Gryn en dä Hoff stolpert. – Paaf! De Pooz es zo!

Esu süht he dä Löw, dä de Zäng bleck un för de Sprung parat es, us nöchster Nöh. Nöher, wie im leev es un hä weiß, dat he nor ein Chance hät. Flöck nimmp hä singe Üvverworf un weckelt in öm de linke Hand. Wie der Hermann Gryn sing koot Schwäät trick, springk in der Löw ald aan un verbieß sich em Mantel. Wie et ussüht, setz der Hermann jetz dä eine wichtige Stech, dä dat Dier esu schwäch, dat hä dä koote ävver rösige Kamf, dä jetz folg, gewennt. Der Hermann Gryn deit sich ärg wih, der Löw ävver es dud. Esu wie die zwei Pasture, die am nächste Dag am Querbalke vum Paafepöözche baumele.

Un präzis die Sag es an unems Rodhuus avgebeldt. Tirek vürre an der Rodhuuslaub. Gitt et en schönere Sag, die de Wehrhaftigkeit von unsem Rod beschriev?

Ich weede se wigger esu verzälle, weil se su schön spannend es. Ävver ov se sich em Johr 1262 su zogedrage hät? En ener Chronik fingk sich dä Name „Hermanus Greyn“, der för dä Zigg Bürgermeister wor. Un dobei muss mer wisse, dat Engelbäät II. vun Falkeburg ene Löw en singem Wappe foht. Hä hatt zo dä Zigg dä nördliche Kunibäätsturm un dä südliche Bayeturm zo Zwingburge usgebaut un met singe Truppe besatz.

Am 8. Juni 1262 dun sich de Patrizier un de Bürger zosamme, nemme de Türm en, werfe de verhasste Besatzer us der Stadt un der Engelbäät II. mus sich ehrem Welle beuge.

Han mer nit zick Johrhunderte dolle Enfälle, kölsche Geschichte am Levve ze halde?

Mechel

Alle unsere Beiträge findet Ihr nach Autoren sortiert auf unserer Seite „koelschgaener.de“ unter „unsere Autoren“.

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Hoppala, was hat Leonardo Bittencourt nach dem wunderschönen, sagenhaften, sensationellen Sieg gegen unseren Lieblingsgegner von der anderen Rheinseite gesagt? „Die Leiche hat am Sarg geklopft“.

Da schießt mir die Geschichte durch den Kopf, die viele bestimmt schon kennen, weil man als Kölner ja ständig erklären muss, weshalb hier Türme mit Pferdeköpfen mitten in der Stadt stehen:

Der Ritter von Aducht ist Oberhaupt einer hochgestellten Familie und Ratsmitglied. Seit dem Jahr 1334 wohnen sie im Haus „zum Papagayen“, welches nach dem Tier im Familienwappen benannt und in Köln bekannt ist. Das Haus steht in der Olivengasse, der heutigen Richmodstraße, an der Ecke zum Neumarkt, also in unmittelbarer Nähe zu Sankt Aposteln.

Im Jahr 1346 wird groß Hochzeit gefeiert: sein Sohn Mengis von Aducht ehelicht Richmodis aus dem hohen Haus derer von Lyskirchen. Es ist tatsächlich Liebe. Und Liebe prägt das Umfeld derer von Aducht. Richmodis, die keine eigenen Kinder bekommt, kümmert sich mit Hingabe um die Armen und Waisen. Als 1349 die Pest nach Köln kommt, opfert sie sich bis zur Erschöpfung auf. Mengis bittet sie, vorsichtiger zu sein und auf sich zu achten. Es kümmert sie nicht. Sie weiß um ihren Wohlstand und möchte teilen. – Und der Herr legt schützend ihre Hände über sie.

Als aber im Jahr 1357 die zweite Pestwelle über Köln kommt, erwischt es auch sie. Drei Tage wacht Mengis an ihrem Bett, als sie die Augen noch einmal öffnet und ihn mit letzter Kraft und einem letzten Hauch bittet, den Ehering zurückzunehmen und seine Liebe fortan mit einer anderen Frau zu teilen. Dann schließt sie die Augen und Mengis weint in bitterer Trauer um sie.

Die Hygiene-Vorschriften erlauben es nicht, dass die Pesttote im Haus aufgebahrt wird. Sie muss umgehend entfernt werden. Mengis streift ihr den Ring wieder über und willigt notgedrungen ein.Sie wird dem kurzen Weg nach Sankt Aposteln getragen. Hier bekommt sie einen flüchtigen Segen und wird rasch in einen Sarg gelegt, der mit vier schweren Nägeln fest verschlossen wird. Die Beisetzung in der Familiengruft ist für den nächsten Tag geplant.

Natürlich haben die Totengräber den wertvollen Ehering gesehen – niemand öffnet den Sarg einer Pesttoten wieder. Gegen Mitternacht wollen sie sich bereichern, öffnen den Sarg und namenloser Schrecken fährt in ihre Glieder: Richmodis öffnet die Augen und sagt „Mir ist so kalt.“. Die Grabräuber schreien vor Angst und laufen in heilloser Panik davon. Dieser Lärm aber belebt Richmodis. Sie wird sich ihrer Lage gewahr und schleppt sich zurück zum Haus der Familie…

Sie klingelt und ruft nach Mengis. Dieser, voller Trauer und Schmerz, erfasst die Lage nicht, meint einen Geist zu sehen und schreit „Kommst du nur um mich zu quälen?“. Leise wimmert Richmodis „Bitte. Ich bin es doch. Ich bin nicht tot, ich bin nicht tot“. Verzweifelt ruft Mengis „Bevor meine Frau zurückkehrt, werden eher meine beiden Schimmel oben auf dem Turmspeicher stehen“.

Und eben da stehen sie noch heute. Richmodis lacht Zeit ihres Lebens nicht mehr, wird aber mit ihrem Mengis und drei Jungen, die sie noch gebiert, glücklich.

Und jetzt, Leonardo, ich hoffe, Du verstehst, was Du da eigentlich gesagt hast: Raus aus dem Sarg. Auf geht’s FC, kämpfen und siegen! Euer Haus „zum Papagayen“ ist Platz 16.

Wir. Glauben. An. Euch.

Michael

Hoppela, wat hät der Leonardo Bittencourt noh däm wunderschöne, sagehafte, sensationelle Sieg gäge uns Lieblingsgegner vun der Schäle Sigg gesaht? „Dä Dude hät am Sarg geklopp“.

Do schüüß mer dat Kreppche durch der Kopp, dat vill bestemmp ald kenne, weil mer als Kölsche jo luuter verklöre muss, woröm hee Türm met Päädsköppe medden en der Stadt stonn:

Der Ritter vun Aducht es Baas vun ner huhgestallte Famillich un Rodsmetgleed. Zick dem Johr 1334 wonne se em Huus „zum Papagaye“, dat noh däm Dier em Familliewappe benannt un in Kölle bekannt es. Dat Huus steiht en der Olivegass, hügg de Richmodstroß, an der Eck nohm Nüümaat, alsu ganz noh bei Zint Apostele.

Em Johr 1346 weed groß Huhzigg gefiert: singe Sonn der Mengis vun Aducht hierod et Richmodis us dem huhe Huus vun Lyskirche. Et es wirklich Liebe. Un Liebe präg et Ömfeld vun de Aduchts. Et Richmodis, dat kein eige Puute kritt, deit sich met Passion öm de Ärme un Waise kümmere. Wie 1349 de Pess noh Kölle kütt, deit et sich opoffere bes et baal kapodd es. Der Mengis frög et dröm, vürsechtiger ze sin un op sich ze aachte. Et kömmert et nit. Et weiß, dat seh jet an der Föß han, un mööch deile. – Un der Häär läht schötzend sing Häng üvver et.

Wie ävver em Johr 1357 die zweite Pesswell üvver Kölle kütt, erwisch et och et Richmodis. Drei Dage häld der Mengis an singem Bedd Waach, do mäht et de Auge noch eimol op un frög en met letzter Kraff un enem letzte Hauch, der Ihring zeröckzunemme un von do an sing Liebe met enem ander Frauminsch ze deile.

Dann schlüüß et de Auge un der Mengis föhlt en bettere Truur un kriesch öm et.
De Hygiene-Vürschrifte erlaube et nit, dat de Pessdude em Huus opgebahrt weede. Et Richmodis muss op der Stell fott. Der Mengis strief im dä Ring widder üvver un wellig nutgedrunge en. Et weed dä koote Wäg noh Zint Apostele gedrage. Hee kritt et ene flüchtige Sähn un weed flöck en en Dudekess gelaht, die met veer schwere Nähl verschlosse weed. Et Begräbbnis en der Familliegruff es för de nächste Dag geplant.

Sicher han de Dudegräver dä kossbare Ihring gesinn – keiner mäht de Kess vun ener Pessdude widder op. Gäge Meddernaach wolle se sich bereichere, maache dä Sarg op un weede dudverschreck: et Richmodis mäht de Auge op und säht „Mer es et esu kald.“ Die Gravräuber schreie vör luuter Kadangs un gonn – de Panik em Bleck – tirre. Dä Radau ävver beläv et Richmodis widder. Et erkennt sing Lag un schleif sich zeröck nohm Huus vun der Famillich…

Et schellt un röf nohm Mengis. Dä, vull vun Truur un Leid, weiß nit, wat loss es. Hä mein ene Geis ze sinn un schreit „Küss do nor för mich ze quäle?“ Leis wimmert et Richmodis „Bes esu god. Ich ben et doch. Ich ben nit dud, ich ben nit dud“. Verzwiefelt röf der Mengis „Bevür mi Frau zeröckkütt, weede ihter ming zwei Schimmele bovven op der Turmläuv stonn“.

Un genau do stonn se noch hügg. Et Richmodis deit si Levve lang nit mih laache, weed ävver met singem Mengis un drei Junge, die et noch kritt, glöcklich.

Un jetz, Leonardo, ich hoffe, dat Do versteihs, wat Do do eigentlich gesaht häs: Erus us der Dudelad. Op geiht et, FC, de Maue huh un gewenne! Üür Huus „zum Papagaye“ es Platz 16.
Mer. Gläuve. An. Üch.

Mechel

Weitere Berichte und Informationen siehe www.koelschgaenger.de 

 

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„Niemals geht man so ganz, ein kleines Stück von dir bleibt hier.“ Dieses Lied, 1987 von Trude Herr gesungen und nach ihrem Tod noch öfter in Gedenken an sie gesungen, geht mir ab und an durch den Kopf.

Selbstverständlich meint sie es nicht materiell. Trotzdem kam mir dieses Gefühl, als ich in jungen Jahren Aushilfsjobs angenommen habe. Eine Schreinerei war damals dabei. Zusammenbauen, aufhängen, reparieren, Messebau, Ausstellungen vorbereiten, Dachböden isolieren, all das waren die Aufgaben. Überall in Köln blickte ich auf Spuren meiner Arbeit. – Keine Angst, der Geselle hat gut auf mich aufgepasst. Auf ein Werk zurück zu blicken hat doch etwas Erfüllendes, oder? Man hinterlässt ein wenig von sich.

Sicher wissen mehr Leute auf dieser Welt, wer ich bin, als wissen, was ich alles geschaffen habe. Total klar. Aber manchmal ist es anders. Das weiß man genau, wer etwas gemacht hat, aber nicht wer er war. Zum Beispiel der Dreikönigen Schrein. Viele wissen, Nicolaus von Verdun war es. Und was wissen wir von ihm? Logisch, ein Goldschmied war er. Und jetzt findet mal bitte jemanden, der mehr weiß.

Nicht einmal sein Geburtsjahr ist klar. Zwischen 1130 und 1140 muss es gewesen sein. Eine Zeitspanne von zehn Jahren! Es ist auch gar nicht sicher, dass er „von Verdun“ ist. Er hat eben den Namen und das lässt eben auf die Stadt in Lothringen schließen. Sicher ist das nicht.

Einen Namen hat er sich mit seinen feinen Goldschmiedearbeiten an der Kanzelbrüstung der Stiftkirche von Klosterneuburg an der Donau gemacht. Vollendete Kunst. Auf Wunsch des Erzbischofs Philipp von Heinsberg ging er daraufhin vermutlich ab dem Jahr 1181 die Arbeit am Dreikönigen Schrein an. Und zumindest die vierzehn Propheten, Priester und Könige an den Längsseiten des Schreins sieht man als seine eigene an, höchstpersönliche Arbeit an. Der Rest des Schreins wurde in seiner Werkstatt vermutlich von seinen Angestellten gefertigt.

Die letzten Arbeiten am Schrein fanden um das Jahr 1230 statt. Nicolaus von Verdun war zu diesem Zeitpunkt längst tot. Er selbst muss nach 1191 nach Tournai gegangen sein und den dortigen Marienschrein um 1205 fertiggestellt haben. Auch diese Arbeit ist nachweislich von ihm. Dann verliert sich seine Spur. Sein Todestag wird mit „nach 1205“ beziffert.

Versteht ihr? Der Mensch kommt aus dem Dunkel des Nichts, erschafft ein Werk mit dem er sich auf eine Stufe mit Donatello, Michelangelo und Rodin stellt und verschwindet wieder – im Nichts. Jeder kennt seinen Namen, sein Werk. Er hinterlässt ein Stück Weltkultur, dass mehreren Millionen Menschen wohlbekannt ist und wahrscheinlich bleiben wird, aber keiner weiß etwas mehr über diese Person?

War er sich eigentlich bewusst, was er da geleistet hat? Wie hat er auf sein Werk zurückgeblickt? Hat er zurückgeblickt? Oder hat er nur nach vorn gesehen, um das nächste Werk anzugehen?

Unsterblich, ohne dass jemand weiß, wer du bist? Ein bisschen Gänsehaut macht mir das schon.

Michael

„Niemols geiht mer su ganz, e klein Stöck vun dir bliev hee.“ Dat Leed, 1987 vum Trude Herr gesunge un noh singem Dud noch öfter en Gedenke an et gesunge, geiht mer av un an durch der Kopp.

Selvsverständlich meint et et nit materiell. Trotzdäm kom mer dat Geföhl, wie ich en jung Johre Ushilfsjobs aangenomme han. En Schreinerei wor domols dobei. Zesammebaue, ophänge, repareere, Messebau, Usstellunge vürbereide, Daachböddem isoleere, all dat wore de Aufgabe. Üvverall en Kölle dät ich op Spore vun minger Arbeid luure. – Kein Angs, der Gesell hät god op mich opgepass. Op e Werk zoröckzeblecke hät doch jet Godes, oder? Mer hingerlööt e bessche vun sich.

Secher wesse mih Lück op der Welt, wä ich ben, wie wesse, wat ich all gedon han. Ganz klor. Ävver mänchmol es et anders. Do weiß mer genau, wä jet gemaht hät, ävver nit, wä hä wor. För e Beispill der Dreikünnige Schring. Vill wesse, der Nikelaus vun Verdun wor et. Un wat wesse mer vun im? Logisch ene Goldschmidd wor hä. Un jetz fing ens einer, dä mih weiß.

Nit ens si Gebootsjohr es klor. Zwesche 1130 un 1140 muss et gewäs sin. En Ziggspann vun zehn Johre! Et es och gar nit secher, dat hä „vun Verdun“ es. Hä hät no ens dä Name un dat lööt evvens op die Stadt en Lothringe schleeße. Secher es dat nit.

Ene Name hät hä sich met singe fing Goldschmiddarbeide an der Kanzelbröstung vun der Steffskirch en Klusterneuburg an der Donau gemaht. Echte Kuns. Op Wunsch vum Ääzbischoff Philipp vun Heinsberg ging hä drop wall av dem Johr 1181 die Arbeid am Dreikünnige Schring aan. Un zomindes de veezehn Prophete, Paafe un Künninge an de Längssigge vum Schring süht mer als sing eige, hüchspersönliche Arbeid aan. Dä Ress vum Schring woodt wahrscheinlich en singer Werkstatt vun singe Arbeidslück gemaht.
De letzte Arbeide am Schring funge öm et Johr 1230 statt. Der Nikelaus vun Verdun wor zo dä Zigg ald dud. Hä selvs muss noh 1191 noh Tournai gegange sin un der Marieschring do öm 1205 fäädiggestallt han. Och die Arbeid es nohweislich vun im. Dann verliert sich sing Spor. Singe Dudesdag weed met „noh 1205“ beziffert.

Verstoht ehr? Dä Minsch kütt usem düstere Nix, schaff e Werk, met däm hä sich op ein Stuf mem Donatello, mem Michelangelo un mem Rodin stellt un mäht sich widder durch de Kood – en et Nix. Jeder kennt singe Name, si Werk. Hä hingerlööt e Stöck Weltkultur, dat e paar Millione Minsche god bekannt es un wall blieve weed, ävver keiner weiß jet mih üvver die Person?

Wor hä sich eigentlich bewoss, wat hä do geleis hät? Wie hät hä op si Werk zoröckgebleck? Hät hä zoröckgebleck? Ov hät hä nor noh vürre geluurt, för et nächste Werk aanzegonn?

Unsterblich, ohne dat einer weiß, wä do bes? En bessche Gänsehugg krige ich do schon.

Mechel

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Man will Dich, man will Dich nicht. Also, Bismarckturm, am südlichen Ende des Gürtels, direkt am Rheinufer, ich weiß auch nicht. Mag ich Dich? Mag ich Dich nicht? Ich finde Dich schwierig. Ja doch, Otto von Bismarck ist unser erster Reichskanzler und bringt Deutschland seinerzeit voran – oder auch nicht. Auf jeden Fall hat er […]

Wir bedanken uns bei der Facebook-Seite „Geschichten aus Köln“ für den Beitrag:

Die Elsaßstrasse

Eigentlich eine x-beliebige Strasse wie jede andere auch in Köln. Gelegen in der Südstadt mit Nähe zum Chodwigplatz. Die eine Hälfte fast nur Wohngebiet, die andere schon etwas geschäftiger.

Bei näherer Betrachtung fällt einem ein fensterloses Haus auf. Ein Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg. Davon gibt es noch ein paar im Stadtgebiet. Nicht besonderes eigentlich.

Aber auf diesem Bunker gibt es ein Graffiti, das eine Geschichte erzählte. Man sieht oben eine Frau, die einiges aus dem Fenster wirft und unten einem Mann mit Fahne und ausgestrecktem Arm.

Kommen wir nun zu der Geschichte um das Graffiti von der Elsaßstrasse .

Wie in jeder guten Geschichte fällt erst mal ein Schuss. Okay, hier war es kein Schuss sondern ein Nudelholz. Aber ich greife vor.

Von Anfang an:

Wir schreiben das Jahr 1933, eine kalte Märznacht, die Nazis haben gerade in Deutschland die Macht ergriffen. Um das gebürend zu feiern (mir wird gerade schlecht bei dem Satz) rottet sich eine SA Gruppe zusammen, um in einem Fackelzug gröhlend durch die Stadt zu ziehen, mit dem Ziel Bayenthal.

Dabei zog die Gruppe auch provozierend durch die Elsaßstrasse, wo hauptsächlich Arbeiter wohnten. Irgendwann flog erstes besagtes Nudelhoz auf die SA. Das war wie ein Startschuss. Von allen Seiten flogen Flaschen, Nachtöpfe und sonstiges Interior auf die SA. Diese traten daraufhin zum Gegenangriff über. (Was anderes als eine reine Schlägertruppe waren sie ja sowieso nicht.) Es kam, was kommen musste, ein ausgewachsene Straßenschlacht entbrannte daraufhin mit zahlreichen Verletzten. Die SA forderte Verstärkung an. Reguläre Polizeitruppen riegelten daraufhin die kommplette Strasse ab, sogar Panzerwagen fuhren auf. Zahlreiche Kommunisten und Sozialdemokraten, die dort wohnten, wurden verhaftet und musste ihren Widerstand mit Folterungen teuer bezahlen.(Meines Wissens nach kein einziger Nazi.) Der Bewohner der Straße standen allesamt drei Tage unter Hausarrest. Dabei war es egal, ob Kleinkind oder altes Mütterchen.

Auch in den folgenden Tagen und Wochen gab es immer wieder Hausdurchsuchungen und Razzien, wobei die Wohnungen meistens danach wie ein Schlachtfeld zurück gelassen wurden.

An diese „Schlacht“ soll das Graffiti auf dem Bunker erinnern. Oben die Hausfrau mit den Blumentopf, unter der Nazi mit dem erhobenen Arm zu „….. Gruß und zerrissener Fahne.

Gestaltet hat das Wandbild übrigens der Künstler Klaus Paier. Der 1942 gebaut Bunker dient heute keinem besonderen Zweck mehr, es ist nur einfach zu teuer und aufwendig ihn Abzureissen. Somit bleibt er uns auch weiterhin erhalten und wir sollten ihn als Mahnung nehmen.

Wenn auch nicht unbedingt so, so doch: „Wehret den Anfängen!“

Ich bin dann mal für heute wieder weg. Euer Herbert