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Man will Dich, man will Dich nicht. Also, Bismarckturm, am südlichen Ende des Gürtels, direkt am Rheinufer, ich weiß auch nicht. Mag ich Dich? Mag ich Dich nicht? Ich finde Dich schwierig. Ja doch, Otto von Bismarck ist unser erster Reichskanzler und bringt Deutschland seinerzeit voran – oder auch nicht. Auf jeden Fall hat er […]

Heute möchte ich Euch von einem recht unbekannten Kölner erzählen, der aber mit einer kleinen Tat etwas Wichtiges für uns heute hier getan hat.

Ich habe letzte Woche ja geschrieben, dass die Stadt Probleme hatte, um den Rathenauplatz Grundstücke zu erwerben. Der Grund war, dass die Besitzer merkten, dass die Grundstücke, die in einem sumpfigen Gebiet vor der Stadtmauer lagen, durch die Schleifung der Mauer im Wert steigen würden. Von diesem Kuchen wollten sie ein Stück abhaben und trieben die Preise in die Höhe. Damit war es um den Volksgarten, der am Rathenauplatz geplant war, geschehen.

Einen Volksgarten haben wir aber ja nun in der Stadt. Etwas weiter südlich direkt vor der „Neustadt Süd“ liegt er.

Einen großen Anteil daran hat Wilhelm Kaesen. Wilhelm Kaesen ist 1816 in Köln geboren und verdient sein Geld als Kaufmann. Aus heutiger Sicht kann man ihn wohl als „Juniorpartner“ von keinem Geringeren als Johann Heinrich Richartz bezeichnen. Johann Heinrich Richartz hat ja so viel Erfolg mit seinem Handel von Leder und Wildhäuten, dass er uns eher als Kunstmäzen bekannt ist. Immerhin kann er damit das wohlbekannte Wallraf-Richartz-Museum finanzieren.

Nun kann ich schlecht über das Motiv von Herrn Richartz philosophieren. Ich meine aber, dass etwas Selbstlosigkeit dazu gehört, wenn man sein Vermögen für die Kunst hergibt.

Wilhelm Kaesen muss die Art seines Senior-Partners beeindruckt haben. Neben seiner Tätigkeit als Kaufmann, ist Wilhelm Kaesen Mitglied des Rates der Stadt Köln. In dieser Funktion setzt er sich stets für den Abriss der mittelalterlichen Mauer ein, weil Köln Platz braucht. Vor den Toren der südlichen Stadt liegt das Fort IV des inneren Festungsringes, „Erbherzog Paul von Mecklenburg“. Dieses Fort, als eines der ersten im Jahr 1825 von den Preußen fertiggestellt, ist schon vor dem Abriss der Mauer militärisch nutzlos, weil in den 1870’er bis 1880’er Jahren vorgezogene Forts und ein großer Schutzwall gebaut wurden – der äußere Festungsring. Das Areal um das Fort ist längst an viele kleine Landbesitzer verkauft – auch recht nutzlos. Das weiß er. Ab 1886 kauft er daher mehr als 60 kleine Landparzellen den Eigentümern ab, ohne großes Aufsehen darum zu machen. Das kostet ihn 582.000 Mark.

Diese zehn Hektar, die zusammenhängen, sind jetzt natürlich viel mehr wert. Und was macht Wilhelm Kaesen? Er ist ein kölscher Junge, er strebt hier nicht nach dem großen Gewinn. Er überlässt das Grundstück der Stadt Köln, zu dem Preis, den er selbst bezahlt hat. Er macht aber zur Auflage, dass sie um das Fort einen „Garten für jedermann“ anlegen soll.

Die Stadt hält sich daran, fügt sogar noch 5 Hektar bei und legt zwischen 1887 und 1890 den Volksgarten an. Und dieser ist bis heute ein wichtiges Stück Kölner Naherholung. Ein kleiner See, der mit Kähnen befahren werden kann, eine Wasserfontäne, die, wenn sie mal läuft, es auf stattliche 28 Meter Höhe schafft, ein Biergarten, ein kleiner Wasserfall und Steingarten und ein kleines Theater in der ehemaligen Orangerie, die für die kälteempfindlichen Pflanzen im Volksgarten gedacht war, findet man hier neben alten Bäumen, die herrlich anzusehen sind und großen Wiesen zum Sonnen und Picknicken. Ach! Und nach dem Zweiten Weltkrieg haben uns die Schweden das „Haus Gotland“ spendiert, damit hier auch ein Kindergarten stehen kann. – Tack så mycktet, kära Sverige.

Wir alle haben etwas von ihm – alle, bis auf einen. Wilhelm Kaesen stirbt 1877 und erlebt die Fertigstellung 1890 nicht mehr. Doch, einen Nutzen hat er davon. Er wollte etwas bleibendes für Köln schaffen, vielleicht, damit wir ab und an über ihn reden. Das ist ihm gelungen.

Michael

Hügg mööch ich Üch vun enem Kölsche verzälle, dä nit vill Lück kenne, dä ävver met ener kleine Tat, jet Wichtiges för uns hügg hee gedon hät.

Ich han letzte Woch jo geschrevve, dat de Stadt en Brasel kom, wie se öm der Rathenauplatz Grundstöck kaufe wollt. Der Grund wor, dat de Besetzer merkte, dat die Grundstöck, die en enem sumfige Gebeet vür der Stadtmuur loge, durch et Schleife vun der Muur em Wäät steige däte. Vun däm Koche wollte se e Stöckelche avkrige un drevve de Priese en de Hüh. Domet wor et öm der Volksgaade, dä am Rathenauplatz geplant wor, passeet.

Ene Volksgaade han mer ävver jo no en der Stadt. Jet wigger südlich tirek vür der „Neustadt Süd“ litt hä.

Ene große Aandeil dodran hät der Wellem Kaesen. Der Wellem Kaesen es 1816 en Kölle gebore un verdeent sing Moppe als Kaufmann. Hüggzedags dät mer en wall als „Juniorpartner“ vun keinem Geringer wie dem Jan Drickes Richartz bezeichne. Der Jan Drickes Richartz hät jo esu vill Erfolg met singem Handel met Ledder un Weldhügg, dat mer en ihter als Kunsmäzen kenne. Immerhin kann hä domet et Wallraf-Richartz-Museum finanzeere, dat mer hügg noch kenne.

No kann ich schlääch üvver et Motiv vum Herr Richartz philosophiere. Ich meine ävver, dat mer jet selvsloss sin muss, öm si Vermöge för de Kuns herzegevve.

Der Wellem Kaesen muss die Aat vun singem Senior-Partner beendrock han. Nevven singem Berof als Kaufmann, es der Wellem Kaesen Metgleed em Rod vun der Stadt Kölle. En dä Funktion es hä luuter för der Avress vun der Muur usem Meddelalder, weil Kölle Platz bruch. Vür de Pooze vun der südliche Stadt litt et Fort IV vum innere Festungsgöödel, „Erbherzog Paul von Mecklenburg“. Dat Fort, als eins vun de eeschte em Johr 1825 vun de Preuße fäädiggestallt, es ald vürm Avress vun der Muur militärisch unnötz, weil en de 1870’er un 1880’er Johre vürgetrocke Forts un ene große Schotzwall gebaut woodte – der üssere Festungsring. Et Gebiet öm dat Fort es längs an vill kleine Landbesetzer verkauf – och rääch unnötz. Dat weiß hä. Av 1886 käuf hä doher die mih wie 60 kleine Landparzelle de Eigedümer av, ohne groß Opsinn dröm ze maache. Dat koss in 582.000 Reichsmark.

Die zehn Hektar, die zesammehänge, sin jetz natürlich vill mih wäät. Un wat mäht der Wellem Kaesen? Hä es ene kölsche Jung, hä well hee keine Raibach maache. Hä üvverlööt dat Grundstöck der Stadt Kölle, för der Pries, dä hä selvs berapp hät. Hä mäht ävver zur Oplag, dat se öm et Fort ene „Gaade för jeder“ aanläge soll.

De Stadt häld sich draan, deit noch fünf Hektar dobei un läg zwesche 1887 un 1890 der Volksgaade aan. Und dä es bes hügg e wichtig Stöck kölsche Noherholung. Ene kleine Sie, dä met Naache befahre wääde kann, en Wasserfontän, die, wann se ens läuf, et op staatse 28 Meter Hühde brängk, ene Biergaade, ene kleine Wasserfall un Steingaade un e klei Theater en der fröhere Orangerie, die för de Flanze em Gaade gedaach wor, die Käld nit god avkünne, fingk mer hee nevve aal Bäum, die herrlich aanzesinn sin un große Wiese för et Sonne un Picknicke. Ach! Un nohm Zweite Weltkreeg han uns de Schwede et „Haus Gotland“ spendeet, domet hee och ene Kindergaade stonn kann. – Tack så mycktet, kära Sverige.

Mir all han jet vun im – all, bes op einer. Der Wellem Kaesen stirv 1877 un erläv nit, wie der Gaade em Johr 1890 fäädig weed. Doch, eine Notze hät hä dovun. Hä wolllt jet en Kölle schaffe, dat bliev, villleich, domet mer av un an üvver in schwaade. Dat es im gelunge.

Mechel

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Bild könnte enthalten: Himmel und im Freien

Immer führt mein Weg an Dir vorbei in die Südwestecke des Stadions: Heinz „Flocke“ Flohe.

Ich selbst habe Dich nie spielen gesehen. Elf Jahre war ich, als Du Dein letztes Spiel für den 1. FC Köln gemacht hast. Zu dieser Zeit hattest Du schon zwei Jahre länger für den FC gespielt, als ich alt war.

Ich meine, dreizehn lange Jahre von 1966 bis 1979 immer nur ein Verein: 1. FC Köln. Und das ist nur die Spielerkarriere. Heute fast unvorstellbar.

Dein Denkmal – kann es schöner sein? Nicht nur die Statue allein, die 2014, ein Jahr nach Deinem Tod aufgestellt wurde. Anton Fuchs, Dein Freund, hat viel von seiner Zuneigung in sein Werk gelegt. Ich finde, das sieht man. Ein Foto aus den Siebzigern, das Dich im Spiel zeigt, war die Vorlage. Der Kopf gehoben, den Ball wie beiläufig am Fuß, richtest Du den Blick nach vorn. Suchst mit den Augen den Mitspieler, den Kameraden – oder das Tor. So stehst Du lebensgroß unter den Fans, die zum Spiel streben. Du strahlst es aus: Hier regiert der FC Köln.

Dein Denkmal ist aber noch viel größer. Letztens saß ich wieder im Stadion, es lief gut. Die Dribblings gingen schön durch die Reihen der Gegner, Pässe und Flanken fanden tatsächlich den Mitspieler. – Gut, im Abschluss haperte es etwas. – Bei einer Szene rutschte mir ein „Was für ein Kicker!“ heraus. Mein Nachbar, ungefähr 10 Jahre älter, guckte mich an, lachte und sagte „Du hast Flocke nie gesehen. Wenn der am Ball war, klebte der Ball am Fuß. Das war unglaublich. Und Pässe konnte er spielen, die gingen über das ganze Feld und dem hättest du eine Briefmarke auf den Punkt legen können, wo der Ball hinsollte.“ Seine Augen leuchteten auf einmal.
Wer Dich spielen gesehen hat, bewundert Dich noch heute. Und die Begeisterung schwappt auch auf Leute wie mich über.

In Deine Karriere fallen die Meisterschaft von 1978 und die drei DFB-Pokalsiege von 1968, 1977 und 1978 sowie zahlreiche internationale Spiele.

Aber wenn man genau hinguckt: in dieser Zeit war meistens Bayern München oder Borussia Mönchengladbach Meister. Der Titel war nicht selbstverständlich, international hat es gar nicht zu etwas gereicht. Deine Karriere war oft harte Arbeit und meist wurde diese nicht belohnt. Fast selbstverständlich hätten die Titel für Dich aber sein können. Hättest ja nur wechseln müssen, nach Gladbach oder München. Hast Du nicht. Hast lieber für Deinen Verein gespielt.

Und was würdest Du heute tun? Wechseln? Nach Bayern oder nach Gladbach? Bundesliga spielen? Oder würdest Du Dich hier in Müngersdorf auf den Platz stellen, den Ball wie beiläufig am Fuß durch die Reihen dribbeln, den Blick heben und nach dem Mitspieler suchen – oder eben nach dem Tor – von Sandhausen?

Ich will Deinen Charakter als Profi nicht überhöhen. Diese Antwort bleibt ungewiss. Deine Antwort als Fan aber ist klar, Flocke. Fans wechseln nicht. Hier regiert der FC – wenn nicht auf dem Platz, dann zumindest im Herzen.

Michael

Luuter föht minge Wäg an Dir vörbei en de Südwesseck vum Stadion: Heinz „Flocke“ Flohe.

Ich selvs han Dich nie spille gesinn. Elf Johr wor ich, wie Do Di letz Spill för de 1. FC Kölle gemaht häs. För dä Zigg hatts Do ald zwei Johr länger för der FC gespillt, wie ich ald wor.

Im meine, drücksehn lange Johr vun 1966 bes 1979 luuter nor eine Verein: 1. FC Kölle. Un dat es nor die Spillerkarrier. Hüggzedags baal unvürstellbar.

Di Denkmol – kann et schöner sin? Nit nor die Statue allein, die 2014, ei Johr noh Dingem Dud opgestallt woodt. Der Antun Fuchs, Dinge Fründ, hät vill vun singer Zoneigung en si Werk gelaht. Ich finge, dat süht mer. En Foto us de Sibbsiger, dat Dich em Spill zeig, wor de Vürlag. Der Kopp gehovve, der Ball wie beiläufig am Foß, luurs Do noh vürre. Söks met de Auge ne Metspiller, ne Kamerad – ov et Tor. Su steihs Do levvensgroß unger de Fans, die nohm Spill gonn. Do strohls es us: Hee regeet der FC Kölle.

Di Denkmol es ävver noch vill größer. Letz soß ich widder em Stadion, et leef god. De Dribblings gingke schön durch de Reihe vun de Gegner, Päss un Flanke funge ungeloge der Metspiller. – God, em Avschluss dät et nit esu fluppe. – Bei einer Szen rötschte mer en „Wat för ene Kicker!“ erus. Minge Nevvemann, wall zehn Johr älder, dät mich aanluure, laachte und saht „Dö häs der Flocke nit spille gesinn. Wenn dä am Ball wor, dät der Ball am Foß klevve. Dat wor nit ze gläuve. Un Päss kunnt hä spille, die gingke üvver et ganze Feld und däm hätts do en Breefmark op der Punk läge künne, wo der Ball hinsollt.“ Sing Auge däte op eimol leuchte.
Wä Dich spille gesinn hät, bewundet Dich noch hügg. Un die Begeisterung schwapp och op Lück wie mich üvver.

En Ding Karrier falle de Meisterschaff vun 1978 un de drei DFB-Pokalsiege vun 1968, 1977 un 1978 suwie unzällige internationale Spille.

Ävver wann mer genau hinluurt: en dä Zigg wor miestens Bayern Münche ov Borussia Mönchegladbach Meister. Der Titel wor nit selvsverständlich, international hät et gar nit för jet gereck. Ding Karrier wor off haade Arbeid un miets woodt die nit beluhnt. Baal selvsverständlich hätte de Titele för Dich ävver sin künne. Hätts jo nor wähßele müsse, noh Gladbach ov Münche. Häs Do nit. Häs leever för Dinge Verein gespillt.

Un wat wöödts Do hügg maache? Wähßele? Noh Bayern ov noh Gladbach? Bundesliga spille? Ov däts Do Dich hee en Müngersdorf op der Platz stelle, der Ball wie beiläufig am Foß durch de Reihe dribbele, der Kopp hevve un noh dinge Metspiller söke – ov evvens nohm Tor – vun Sandhause?

Ich well Dinge Charakter als Profi nit huh spille. De Antwood bliev ungewess. Ding Antwood als Fan ävver es klor, Flocke. Fans wähßele nit. Hee regeet der FC – wann nit om Platz, dann zomindes em Hätz.

Mechel

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