„Den Spaß am Leben nicht verlieren“

Als ich im Sommer 2018 nach Köln gezogen bin, war ich auf der Suche nach einem neuen Ehrenamt. Mein Ehrenamt in meiner Heimat musste ich aufgrund des Umzugs aufgeben, wollte mich aber auch im neuen Zuhause weiter engagieren. Nachdem ich mich schon bei der Stadt Köln informiert hatte, kam ich während eines Spaziergangs an der Plakatwerbung für Kölsch Hätz vorbei. Da ich bis dato kaum jemanden in Köln kannte, empfand ich die Nachbarschaftshilfe als gute Gelegenheit, Engagement und Einleben im Veedel zu verbinden.

Und so bin ich, 22 Jahre alt, Studentin der Sozialen Arbeit, heute seit bereits 8 Monaten Ehrenamtliche bei Kölsch Hätz. Seit September 2018 besuche ich als Nachbarin eine 87-jährige Dame, nennen wir sie Anna, im Kölner Süden. Anna lebt dort fast ihr ganzes Leben lang, früher mit ihrem Mann und ihren Kinder; heute alleine. Gesundheitlich ist die Dame schwer angeschlagen, aber auf ihren Kopf kann sie sich nach wie vor zu 100% verlassen. ‚Sich nicht hängen lassen‘ ist ihr tägliches Motto, bemüht sich, ihr Leben so selbstständig wie möglich zu gestalten. Sie wird im Alltag von einem Pflegedienst, der Haushaltshilfe, den direkten Nachbarn und nicht zuletzt von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn unterstützt. Dabei verzichtet sie an keinem Tag, an dem ich sie sehe, auf ihren ausgefallenen Schmuck, gemachte Haare, aufgetragenen Lidschatten, bunte Oberteile und ihren kölschen Humor.

Eine/n Ehrenamtliche/n von Kölsch Hätz suchte Anna für ihre Freizeit. Jemanden, mit dem sie spazieren, reden, Kaffee trinken, zum Markt oder zum Friedhof gehen kann. Als ich Anna das erste Mal kennengelernt habe, war sofort spürbar, wie sehr sie sich über den Besuch freut und wie dankbar sie für die Menschen in ihrem Umfeld ist.

Von Beginn an haben wir uns sehr gut verstanden. Wir können uns unterhalten, erzählen aus unseren jeweiligen Leben und bringen so unsere unterschiedlichen Generationen, zwischen denen immerhin 55 Jahre liegen, näher zueinander. Anna erzählt mir viel aus ihrer bewegten Biographie, ist aber gleichermaßen sehr an meinem Leben interessiert. Sie möchte wissen, was ich studiere, wo ich arbeiten, was ich dort mache, wie es sich mit meinem Freund lebt, wie der Urlaub war und was die Woche ‚sonst so‘ gebracht hat. Und nicht zu selten reden wir einfach über die Leute oder den neuesten Klatsch und Tratsch – auch das muss manchmal sein.

Unsere Unterhaltungen passieren meist sehr ungezwungen und nebenbei. Wenn wir uns treffen, je nach Terminkalender alle 2-3 Wochen, gehen wir einkaufen, zum Markt, ins Restaurant, an den Rhein oder zum Kiosk, ab und zu begleite ich sie auch zum Arztbesuch. Dann schiebe ich ihren Rollstuhl, für kurze Wege oder Busfahrten nehmen wir ihren Rollator. Nur selten bleiben wir zuhause und essen einfach nur ein Stück Kuchen. Wie bei meiner eigenen Oma werde ich auch bei Anna verwöhnt und kann mich vor angebotenem Essen manchmal kaum retten.

Inzwischen werde ich allen, denen wir auf unseren Spaziergängen begegnen, als ihre ‚gute Fee‘ vorgestellt. Und das ist das, was für mich dieses Ehrenamt ausmacht. Wollte ich mich anfangs lieber für Kinder und Familien engagieren, bin ich heute sehr froh, Anna zu besuchen. Ihre Freude und Dankbarkeit, die sie mir bei jedem Besuch entgegenkommen lässt, ist etwas, das mich sehr erfüllt. Für sie ihren Tag etwas schöner zu machen, ein Besuch zu sein, auf den sie sich freut und etwas Leichtigkeit in ihren Alltag zu bringen, gibt mir das Gefühl, etwas zurückgeben zu können für mein eigenes Glück.

All das passiert aber einfach so, ohne Mühe oder Zwang. Eigentlich sind wir beide auch nur eine junge und eine ältere Dame, die sich zum ‚Quatschen‘ treffen. Oder auch mal zu einer ernsteren Angelegenheit, wie einem Arztbesuch. Immer mit einem lachenden Auge, denn das ist das, was uns ausmacht. Den Spaß am Leben nicht verlieren. Und gibt es einmal eine Woche, in der uns nicht nach einem Treffen ist, sehen wir uns eben eine Woche später wieder.

Pia Friedrichs, Ehrenamtliche in Rodenkirchen

 

Nähere Informationen über Rodenkirchen / Weiß / Sürth / Hahnwald

Kölsch Hätz Büro:

Hauptstraße 19
50996 Köln

Tel. 0221 93 67 92 83

Email: info@koelschhaetz.de

Ansprechpartner/innen im Koordinatorenteam sind: 

Dr. Petra Beichler, Dieter Eggeling, Rosemarie Klothen, Detlef Koch, Tanja Kuhlmann,
Dr. Gudrun Weides