Ein kölsches Lied, in dem weder „Dom“, noch „Rhing“, „EffZeh“ oder „Sunnesching“ vorkommt, verdient immer eine besondere Beachtung. Dieses kleine Kunststück ist der Band Kasalla mit „Mer sin Eins“ gelungen. Pünktlich zu den hohen Feiertagen im Fastelovend endet die Mini-Serie „Kölsche Tön & ihre Geschichte“ mit diesem Titel aus dem letzten Jahr (2017). Auch wenn viele Menschen die eingängigen Textzeilen gerne laut mitsingen, darf unterstellt werden, dass insbesondere die nicht ortskundigen Jecken, aber auch mancher Kölner, nicht genau wissen, über was man gerade singt. Deshalb hier ein etwas genauerer Blick auf einzelne Textzeilen: „Vun der Südkurv bes zom Nordkrüz“ Klar – hier ist legendäre Südkurve im Müngersdorfer Stadion gemeint. Hier feiert (und leidet) der FC-Fan mit seinem 1. FC Köln. Das Nordkreuz ist das staugeplagte Autobahnkreuz im Kölner Norden. Hier treffen die A1 und A57 aufeinander. „Un vum Pletschbach zom Troodelööh“ Der Pletschbach ist ein Bächlein, welches zwar als Rheinzufluss geführt wird, tatsächlich aber eher ein meistens kleines oder sogar trockenes Rinnsal in Worringen ist. Der Troodelööh ist der „Kölsche Everest“. „vun Wesshoven bes noh Ossheim“ Westhoven ist einer der vielen Porzer Stadtteile. Ostheim ist ebenfalls ein rechtsrheinischer Stadtteil, zwischen Gremberg, Vingst und Merheim. „Mer sin Mürer un Chirurge“ Ein „Mürer“ ist en Maurer. Diese Textzeile zielt auf die sozialen Unterschiede ab, die im Karneval egalisiert werden. „Rude Funk und schwatzes Schof“ Der Rote Funke ist ein ganz besonderes Exemplar im Karneval. Perfekt organisiert – und wenn er im Rudel mit vielen anderen Funken auftritt, sogar lustig. Das „Schwarze Schaf“ erklärt sich vom selbst. „Banker, Bischoff, Stroßemädche“ Wieder einmal wird die Einigkeit trotz sozialer Unterschiede beschworen. Besonders schön ist, dass der Bischof und ein Straßenmädchen gemeinsam Platz in einer Zeile, sogar direkt nebeneinander, finden. „Mer sin Fäns öm ze jewinne, op dem Jras un op dem Ies“ Einnmal mehr geht es um den Fußball, und der findet bekanntlich auf dem Gras statt. Wobei hier bestimmt auch – neben dem allmächtigen FC – die Kölner Fortuna gemeint ist. Auf dem „Ies“, also auf dem „Eis“ drehen die Eishockeyspieler der Kölner Haie ihre Runden. „Mer sin Arsch Huh un Sartory“ Die Initiative „Arsch huh – Zäng ussenander!“ist Kölns Antwort auf die fremdenfeindlichen Übergriffe Anfang der 90er Jahre. Unvergessen ist das Konzert am 9. November 1992. Über 100.000 Menschen haben sich auf dem Kölner Chlodwigplatz versammelt, um gegen Rassismus und Neonazis zu demonstrieren. Mit „Sartory“ ist der große Veranstaltungsraum auf der Friesenstraße gemacht. Dieser steht hier als Symbol für den organisierten Karneval. Wie diese Textzeile zeigt, geht es in dem Lied darum, dass wir in Köln trotz aller Gegensätzlichkeit, trotz links- und rechtsrheinischer Wohnlage, trotz sozialen Unterschieden und Weltanschauungen zusammengehören. „Mer sin Eins“ wörtlich übersetzt bedeutet „Wir sind Eins“.
Gut zu wissen: Kasalla gehört mit einer Reihe anderer, junger Bands wie Cat Ballou, Querbeat, Miljö oder auch den Klüngelköpp zur einer neuen, erfolgreichen Generation (Karnevals-) Bands. Der Aufstieg dieser Bands ist eng verbunden mit einer neuen Lust an Karneval, getrieben durch die Initiative „Loss mer singe“. Genial einfach bietet „Loss mer singe“ die Möglichkeit, die jeweils neuen Lieder Jahr für Jahr kennenzulernen und gemeinsam zu singen. „Loss mer singe“ geht dafür raus. In die Kneipen in den Veedeln. Ohne Eintritt und immer mit Textzettel von 20 ausgewählten, neuen Liedern. So wurde eine neue Zielgruppe für den Karneval erschlossen: Jecke, die nicht auf eine der klassischen Sitzungen gehen, sondern die in ihrer Kneipe gemeinsam und ungezwungen feiern wollen.
Kasalla: Mer zesamme, mer sin Eins hier anhören & ansehen: https://youtu.be/ZOVYt1EUhkk Vun der Südkurv bes zom Nordkrüz Un vum Pletschbach zom Troodelööh vun Wesshoven bes noh Ossheim Mer zesamme, mer sin Eins Mer sin Mürer un Chirurge Rude Funk und schwatzes Schof Banker, Bischoff, Stroßemädche Mer sin bunt un mir sin Eins Mer sin Fäns öm ze jewinne op dem Jras un op dem Ies Mol ens Siejer, ens Verlierer Drissejal denn mir sin Eins Denn he do schläät uns Hätz Vum Aanfang bes zoletz Un Mer sin jeder vum Mosaik ne Stein Mer zesamme mer sin eins Mer sin Arsch Huh un Sartory Stääneküch un Frittebud Uns Stadt es dreckig, laut un hektisch Doch ungerm Staub de Siel is jold Denn he do schläät uns Hätz Vum Aanfang bes zoletz Un Mer sin jeder vum Mosaik ne Stein Mer zesamme mer sin eins Vun der Südkurv bes zom Nordkrüz Un vum Pletschbach zom Trodelööh vun Wesshoven bes noh Ossheim Mer zesamme, mer sin Eins Mer zesamme, mer sin Eins
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