Stadtachter

Der Kölner Stadtachter ist eine Traditionsregatta, die seit 1909 mit einigen Unterbrechungen für die Vereine aus dem Kölner Umland ausgeschrieben wird. Gerudert wird um den „Herausforderungspreis der Kölner Oberbürgermeisterin“

Eine schöne Zusammenfassung der Geschichte des Kölner Stadtachters ist zu finden unter

http://www.krv77.de/stadtachter/news-und-presse/anzeigen/chronik-des- koelner-stadtachters-tradition-seit-1908.html

Die jüngere Stadtachtergeschichte beginnt mit der Wiederaufnahme der Regatta im Jahre 1985 durch den Kölner Ruderverein als Organisator. Die Regatta kehrte damit an Ihren Ursprungsort – den Rhein – zurück. Zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit, da die Stadt Köln gerade in Fühlingen für viel Geld eine neue Regattaanlage gebaut hatte. Sowohl Stadtverwaltung als auch der Kölner Regattaverband empfanden es schon fast als Affront, in diesem Kontext eine Regatta auf dem Rhein auszurichten.

Genau dies ist jedoch der Geist des Stadtachters: Eine Regatta vor Flanierpublikum, das nicht nur wegen des Sports sondern auch wegen des Flairs dabei ist, und die bei den Rodenkirchenern vor der Haustüre stattfindet. Der Stadtachter auf dem Rhein in Rodenkirchen genoss von Anfang an ein hohes Publikumsinteresse, obwohl in Köln-Fühlingen regelmäßig sportlich weit hochkarätigere Rennen stattfinden – meist jedoch quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da sich nur Fachpublikum dort einfindet.

Der Stadtachter lebt davon, dass er eben keine normale Regatta ist: Werden sonst die Boote auf den schnurgeraden, strömungsfreien und mit gleichem Tiefenprofil ausgestatteten Regattastrecken der Welt am Start auf den Zentimeter genau ausgerichtet, so beginnt beim Stadtachter das Rennen schon vor dem Startschuss: Die Boote schwimmen mit der Strömung „ohne Kraft“ zum Start. Einziger Anhaltspunkt ist hierbei ein treibendes Führungsboot der DLRG, das nicht passiert werden darf.

Sobald alle Boote halbwegs auf einer Linie sind, gibt die Starterin das Startsignal. Bereits hier kommt es darauf an, diesen Zeitpunkt optimal zu nutzen und sofort Fahrt aufzunehmen.

Die Strecke führt die Ruderer vom Bayenturm / ersten Kranhaus (Rheinauhafen) ca. 2.500m den Rhein hinunter bis zum Kölner Tanzbrunnen. (Normalerweise fahren wir beim Stadtachter 2.000m, da aber auf den „Poller Wiesen“ in Höhe des ersten Kranhauses Kameras stehen, haben wir dieses Jahr um 500m verlängert. Dies wird ggfs. auch auf das Rennergebnis Einfluss haben, da die 500m den Ruderern 25% länger Leistung abverlangen)

Hierbei werden die Severinsbrücke, die Deutzer Brücke und die Hohenzollernbrücke passiert, bevor die Strecke einen leichten Knick nach rechts macht und zum Zielspurt führt.

Nach dem Start dürfen die Boote den Kurs frei wählen (auf normalen Regatten undenkbar) – so lange keine andere Mannschaft behindert wird. Setzen sich ein oder mehrere Teams direkt zu Beginn ab, so werden diese den Weg zur Deutzer Seite, also zur Innenkurve, suchen – wie bei „Oxford-Cambridge“.

Eine weitere Besonderheit sind die Boote: Das Rennen wird in so genannten „Gig- Booten“ gefahren – diese sind ca. 30cm breiter und ca. 70 Kg schwerer als die Rennboote, die auf stehenden Gewässern gefahren werden. Eine Fahrt in Rennbooten auf dem Rhein würde nach wenigen 100 Metern zu einer Havarie führen, da diese kaum wellentauglich sind.

Durch die breiteren und schwereren Boote wird der vermeintliche Vorteil des Stromab-Ruderns nach einhelliger Aussage der Teilnehmer mehr als kompensiert – die Belastung der 2500m auf dem Rhein unter diesen Bedingungen ist mindestens so hart wie im Rennboot auf stehendem Gewässer. (verbriefte Aussage von vierfachem OS-Teilnehmer Stephan Volkert)

Die Chefstarterin, Dr. Dorothea Legien, ist selber aktive Ruderin und war einige Jahre sogar in einem Achter der Ruderbundesliga am Riemen. Darüber hinaus kennt Sie als Orthopädin und Sportmedizinerin auch in der Theorie jeden Knochen und Muskel, auf den es beim Rennen ankommt.

Wie kam der Stadtachter zu den „Kölner Lichtern“?

Ab etwa dem Jahr 2000 wurde langsam aber doch schließlich merklich das Interesse am im Herbst in Rodenkirchen ausgefahrenen Stadtachter geringer. Immer weniger Vereine aus dem direkten Umkreis um Köln waren in der Lage, komplette „renntaugliche“ Achtermannschaften zu stellen und auch die Resonanz bei Zuschauern und Presse wurde geringer.

In einem Brainstorming im Jahre 2004 wurde der Entschluss gefasst „Wir müssen etwas komplett Neues machen“. Durch zufällige persönliche Kontakte zum Veranstalter der Kölner Lichter (Werner Nolden) kam die Idee auf, den Stadtachter ins Vorprogramm der Kölner Lichter zu verlegen.

Die Begeisterung auf beiden Seiten war groß – hatten wir doch quasi „frei Haus“ Zuschauer und Medien am Ufer, und der Veranstalter hatte ein wenig Vorprogramm für die wartenden Zuschauer vor dem Feuerwerk. (Der Rhein ist ansonsten ab 21:00 Uhr leer – außer patrouillierenden Polizei- und DLRG Booten passiert hier nichts mehr). Und nicht zuletzt war das Wasser- und Schifffahrtsamt froh, den Stadtachter in einen Zeitraum verlegen zu können, in dem der Rhein ohnehin für die Großschifffahrt gesperrt wird.

Glücklicherweise weckten wir mit der Regatta auch beim WDR großes Interesse, was uns und dem Rudersport im Gesamten die einmalige Chance bot, alljährlich auch bei einem nicht Rudersport-affinen Publikum Begeisterung und Interesse für das klassische Rudern im Achter zu wecken.

Es hört sich nach typisch Kölner Hybris an, aber: die Atmosphäre, vor 100.000den Zuschauern und einem weltbekannten Panorama ins Ziel zu fahren, ist wohl wirklich einmalig auf der Welt. Selbst Stephan Volkert, der fast 20 Jahre auf Weltniveau mit 4 Olympischen Spielen gerudert ist, erzählt von der Gänsehaut bei seinem Sieg, als er 2005 den Stadtachter auf der Ziellinie an der Hohenzollernbrücke den Stadtachter gewann. 10.000 Zuschauer sind selbst bei olympischen Spielen kaum an den Regattastrecken – in ein „Stadion“ von 300.000 zuschauen in die Kölner Altstadt zu fahren ist wohl wirklich einmalig. Ein netter Zeitungsartikel hierzu unter

http://www.krv77.de/stadtachter/news-und-presse/anzeigen/wie-jubelt-ein-vierfacher- olympia-teilnehmer-beim-stadtachter.html

Teilnehmerfeld

Neben den Einzelblättern mit Details zu den teilnehmenden Mannschaften folgende allgemeine Informationen:

Entwicklung des Teilnehmerfeldes in den letzten Jahren:

Bis zur Integration in die Kölner Lichter war die Regatta auf die Vereine des „Kölner Regattaverbandes“ beschränkt, d.h. die Region von Leverkusen bis Bad Honnef. Mit dem Umzug in die Kölner Lichter kam, nicht zuletzt auch auf Anregung des WDR, die Idee auf, aus dem Stadtachter einen „Städteachter“ zu machen, bei dem die Städte der Ruderhochburgen aus NRW gegeneinander antreten.

Dies hatte eine enorme Leistungsniveausteigerung der Regatta zur Folge – sichtbar unter anderem daran, dass der Abo-Sieger der „alten“ Regatta, die Bonner Rudergesellschaft, im neuen Starterfeld nie mehr über einen 3. Platz hinauskam. Mit der Einladung eines englischen Teams aus Oxford und dem niederländischen Studenten-National-Team bekam der Stadtachter ab 2006 nun auch einen internationalen Anstrich.

(Siegerlisten der letzten Jahre unter http://www.krv77.de/stadtachter/ergebnisse.html).

Gleichwohl muss klar gesagt werden, dass auf der Stadtachter-Regatta eigentlich immer nur die „2. Wettkampfebene“ startet – also Sportler, die regelmäßig trainieren (3-4 mal die Woche), aber eben nicht auf dem für den absoluten Spitzensport notwendigen Niveau von 8-9 Trainingseinheiten pro Woche, wie z.B. beim Deutschlandachter. Meist sind dies ehemalige Spitzenruderer, die nach Ihrer Hochphase noch Wettkämpfe dieser Art bestreiten. Beim Stadtachter sind z.B. schon eine ganze Reihe ehemaliger Weltmeister und Olympiasieger mit am Start gewesen, u.a. Stephan Volkert (Bei 4 OS: 2xGold, 1x Bronze, 1x Platz 4) oder Ansgar Wesseling, OS im Deutschlandachter – und dieses Jahr mit Florian Mennigen im Krefelder Achter ein Mitglied des legendären Gold-Achters der olympischen Spiele in London 2012.

Seit dem Jahr 2009 hat sich in Deutschland für das Achterrudern auf diesem Niveau eine hochattraktive Plattform gebildet: Die Ruderbundesliga. (www.ruder- bundesliga.de). Hier werden in absolut packenden Sprintrennen an 6 Wochenenden nach dem K.O.-System die Platzierungen ausgefahren. Hierdurch haben sich nun neben dem nationalen Spitzenteam des Deutschen Ruderverbandes endlich wieder auch in den Vereinen regelmäßig trainierende und wettkämpfende Achtermannschaften gebildet. Der Kölner Stadtachter profitiert hiervon enorm und ist gerade bei diesen Mannschaften sehr beliebt. Leider mussten wir auch dieses Jahr wieder mehrere Meldungen zurückweisen, da half sogar die vor drei Jahren erfolgte Erweiterung auf eine 10. Startbahn nichts, für die unser Starterteam allen Mut zusammengenommen hat.

Vorne wird hier sein, wer am Schluss nach der Hohenzollernbrücke noch einmal die letzten Reserven mobilisieren kann. Interessant ist dies vor allem in Hinblick auf die mehr mit Sprintqualitäten ausgelegten Mannschaften der Ruderbundesliga (dort werden nur ca. 350m gefahren), die hier eine deutliche längere Belastung (2000m) fahren müssen.

Das Starterfeld lässt sich auch dieses Jahr wohl wieder in drei Kategorien aufteilen: Top-Teams, die um den Sieg fahren:

Mittelfeld

Vorjahresergebnis 2018:

1. Bonner Ruder-Gesellschaft e.V.

2. RWTH Aachen

3. Crefelder Ruder-Club 1883 e.V.

4. RTHC Bayer Leverkusen e.V. – Team „Henley“

5. Siegburger Ruderverein 1910 e.V.

6. Kölner Ruderverein von 1877 e.V.

7. WSV Honnef / WSV Godesberg 1909/11 e.V.

8. Hürther Rudergesellschaft e.V.

9. RTHC Bayer Leverkusen e.V. – Team „Junge Wilde“

10. UniSport Köln

Weitere Historie unter http://www.krv77.de/stadtachter/ergebnisse.html

Redaktion: Benno Kerling