Die Kunst des Mosaiklegens kommt aus dem Orient. Man begann mit großen Mustern, die aus geometrisch geschnittenen Scheiben aus Stein oder Mamor bestanden. Allmählich wurden die die Steinchen kleiner und die Muster feiner. Aus der Alexandrinischen Zeit kennt man die ersten figürlichen Darstellungen aus Mosaiksteinen. Im Veitsdom zu Prag existiert noch ein Mosaik aus dem 14. Jahrhundert.
In Deutschland sind die ältesten Mosaikkunstwerke in der Schlosskapelle zu Marienburg und die Marter des Evangelisten Johannes im Dom zu Marienwerder (1380) zu bestaunen. Später verdrängte die Freskomalerei das Mosaik und erst im 19.Jahrhundert besann man sich wieder dieser alten Kunst der Bildgestaltung.
Die alte Mosaikwerkstatt Rheinische Mosaikwerkstätte P. Beyer & Söhne befand sich in Köln-Bayenthal, Goltsteinstraße 30. Der Inhaber Peter Beyer war gelernter Maurer und gründete diese Werkstatt 1874. Er war mit Anna Catharina geb. Kolping verheiratet, einer Nichte des Gesellenvaters Adolph Kolping. Beide bekamen acht Kinder. Er war auch Mitglied in dem von Adolph Kolping gegründeten Gesellenvereins, der 1849 in Köln gegründet wurde.
Zeitweise hatte seine Werkstatt über zehn Mitarbeiter. Zusammen mit seinen Söhnen stellte die Werkstatt monomentale Mosaike, hauptsächlich für Sakralbauten her.
1872 wohnte die Familie auf der Severinsstraße. Die Zwillinge Wilhelm und Ludwig wurden am 12.10 d.J. geboren. In St. Maria in Lyskirchen wurden sie getauft. Die Kinder wuchsen im Vringsveedel, Am Perlengraben, Am Griechenmarkt und in der Poststraße auf. Danach zog die Familie nach Bayenthal, das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts noch nicht zu Köln gehörte.
Der ältere Zwilling Wilhelm wurde in Brühl Volksschullehrer und der jüngere, Ludwig, erlernte früh mit seinem Bruder Aloys das Handwerk des Mosaizisten. Die Töchter Christine und Therese halfen bei der Büroarbeit. Später stieg auch ein Enkel des Peter Beyer: Willy Beyer (*1899, +1945) in die Firma ein. Er sollte die Werkstatt weiterführen. Doch er starb im 2. Weltkrieg, im russischen Gefangenenlager und so schloss die Werkstatt 1952 für immer ihre Tore.
Ur-ur-enkelin Monika Böcher geb. Beyer hat sich mit ihrem Vater Willi Beyer aus Rodenkirchen (Enkel des Volksschullehrer WilhelmBeyer) seit dem Jahr 2006 auf die Spurensuche ihrer Vorfahren und der alten Werkstatt gemacht. Sie reisten zu vielen Orten, um sich einen Überblick über die Werke zu beschaffen.
Durch einen glücklichen Zufall gelangten 2013 ca. 70 Vorlagen (sog. Kartons) von hergestellten Mosaiken in den Familienbesitz. Diese wurden 2015 dem Historischen Archiv des Erzbistums Köln übergeben und werden seitdem dort aufbewahrt
Kölner Kirchen wie St. Severin, St. Ursula, St. Michael, St. Agnes und St. Aposteln sind nur ein paar der uns bekannten Kirchen, in denen sich noch Mosaike aus der Beyerschen Werkstatt befinden. Aber auch in der Umgebung Kerpen-Türnich, Düren, Trier, Rolduc bis nach Nijmegen und Straßburg sind Arbeiten aus der Werkstatt von Beyer zu bewundern. Viele der Mosaiken wurden im zweiten Weltkrieg unwiederbringlich zerstört.
Auch der berühmte Verwandte, der katholische Priester Adolph Kolping, wurde in einem Mosaik aus rund 15000 geschliffenen venezianischen Glaskörperchen verewigt. Das Mosaik hat 600-700 Farbabstufungen und hängt in Kolpings Geburtsort Kerpen.
Auch in Rondorf befand sich ein altes Mosaik aus der Werkstatt Beyer vom Lamm Gottes.
Es war im ersten Altar der 1899 gebauten Kirche Hl. Drei Könige an der Rondorfer Hauptstraße eingelassen. 1963 musste der durch Nässe beschädigte Altar ersetzt werden. Zunächst wurde es noch in der alten Kirche aufbewahrt . Im Zuge des Umzugs in die „neue“ Kirche (1989) bat der damalige Pfarrer Maur ein Gemeindemitglied, es in Verwahrung zu nehmen. Seit dieser Zeit war das Mosaik in der Versenkung eines Rondorfer Kellers verschwunden und tauchte erst Jahrzehnte später wieder auf. Monika Böcher, die auch Sängerin im Kirchenchor Cäcilia von Rondorf ist, erfuhr davon und hat inzwischen eine Restaurierung veranlasst. Jetzt wartet es auf eine würdige Wiederverwendung in der Pfarrei „Rund um Immendorf“.
(Text: Carola Steiner, 1/2020)