Die Bürgerinitiative Sürther Feld informiert: Offener Brief an Frau OBin Reker

Wir haben heute in der Sitzung der Bezirksvertretung diesen offenen Brief an Frau Oberbürgermeisterin Reker übergeben:

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

als Bürgerinitiative des neuen Viertels „Sürther Feld“ halten wir Kontakt zu den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie allen politischen Parteien der Bezirksvertretung Rodenkirchen und begrüßen Ihren Besuch am heutigen Tage. Wir hoffen, dass Sie viele Themen aus diesem Treffen mitnehmen werden. Da es aktuell sicherlich viel mehr spannende Themen im Bezirk gibt, als Ihnen während der Sitzung dargelegt werden können, möchten wir Ihnen auf diesem Wege die wichtigsten Probleme und Herausforderungen des neuen Viertels „Sürther Feld“ beschreiben.

Die Bewohner waren vor einigen Jahren bereit, einen besonders hohen Kaufpreis für die Grundstücke an die Stadt Köln zu bezahlen. Die Bereitschaft resultierte u.a. daraus, dass Ihnen mit der EMA und der Gesamtschule direkt im Baugebiet, mit dem Rodenkirchener Gymnasium und diversen Grundschulen in unmittelbarer Nähe ein hochwertiges Schulsystem versprochen wurde.

Die EMA wird nach heutigem Stand erst im Jahr 2022 fertig gestellt werden. Der erbärmliche Zustand der jetzigen EMA und des Rodenkirchener Gymnasiums wurden Ihnen mehrfach und heute im Besonderen, dargestellt. In den Grundschulklassen der Umgebung werden bis zu 32 Kinder gleichzeitig unterrichtet. Das alles ist ein unhaltbarer Zustand. Im Sürther Feld siedeln sich erfreulicherweise Familien mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl von Kindern an. Nicht nur diese werden die Grundschulsituation trotz der geplanten Containeraufstellungen deutlich verschärfen!

Mit Ihren Leitspruch „am Zustand der Schulen muss man ablesen können, welche Wertschätzung man Kindern und Ihrer Bildung beimesse“ wurden Sie zur Oberbürgermeisterin gewählt. Bitte sorgen Sie dafür, dass das auch zeitnah umgesetzt wird! Derzeit sieht man mehr Stagnation als Fortschritt.

Bei Erwerb der Grundstücke waren die Bewohner besonders daran interessiert, in einem lebendigen Viertel wohnen zu dürfen. Da das damals versprochene Nahversorgungszentrum nicht gebaut wurde, droht das Viertel zu einer reinen „Schlafstadt“ zu verkommen. Es fehlt an Raum für Begegnung – für Erwachsene und Jugendliche. Wir sind hoch erfreut, dass endlich ein Bebauungsplan für das betreffende Grundstück in Angriff genommen werden soll. Wir werden unsere Ideen, Wünsche und Anregungen gerne in der Bürgerbeteiligung einbringen.

Aus unserer Sicht war es besonders verwunderlich, dass das Grundstück nicht zeitnah bebaut wurde, da auf diesem Grundstück zusätzlich zum Nahversorger bis zu 150 neue Wohnungen entstehen können und diese in Köln dringend benötigt werden.

Leider wird nach Fertigstellung aller Wohneinheiten die bereits jetzt völlig überforderte Verkehrssituation kollabieren. Bereits jetzt entstehen morgens und nachmittags lange Staus auf der Sürther Straße. Der Umbau der Sürther Straße/Eygelshovener Str. droht nach der Umwidmung zur Kreisstraße sich erheblich zu verzögern.  Die Kreuzung „Sürther Str. /Am Feldrain“ ist ebenso wenig für den zunehmenden Verkehr ausgelegt. Ferner wird nach Fertigstellung des 3. Bauabschnitts die Sürther Feldallee als „Schleichstraße“ genutzt werden, um die o.g. Kreuzung zu umfahren. Wir vermissen hier ein einheitliches und perspektivisch sinnvolles Verkehrsplanungskonzept.

Frau Oberbürgermeisterin, Sie hatten vor Ihrer Wahl versprochen, dass Sie die Verwaltung reformieren würden, damit dringende Projekte in Köln schneller umgesetzt werden können. Bisher haben wir Bürger nicht das Gefühl, dass wesentliche Verbesserungen erzielt werden konnten. Insbesondere, wenn mehrere Ämter zusammenarbeiten sollen, entstehen riesige Reibungsverluste, weil ein koordiniertes Zusammenarbeiten nicht möglich erscheint. Das „Sürther Feld“ könnte zum „Vorzeigeobjekt“ werden, bei dem es der Verwaltung gelingt, nicht nur orientierungslos Wohnraum zu schaffen, sondern auch die Infrastruktur drum herum entsprechend zu planen. Warum wird nicht für Projekte dieser Größenordnung ein/e übergeordnete/r Projektmanager/-in eingesetzt, der/die die losen Fäden zusammenhält?

Fernab all dieser Dinge wünschen wir uns eine aktivere und strukturierte Kommunikation von den Organen der Stadt zu uns Anwohnern. Viel Unverständnis, Ärger und sicherlich auch viele erzürnte Kontakte von Neubürgern des Sürther Felds könnten damit vermieden werden und die Einstellung zur Stadt und letztlich auch zu Ihnen recht einfach verbessert werden. Bürgerbeteiligung setzt aktive Kommunikation voraus.

Über eine Auskunft, wie Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen mit den oben aufgeführten Herausforderungen umgehen wollen und auf einen intensiveren Kontakt zu Ihrer Verwaltung, würden wir uns riesig freuen. Als Bürgerinitiative sind wir gerne bereit, Sie dabei tatkräftig zu unterstützen – wir stehen mit Ideen und Anregungen bereit.

Freundliche Grüße,

 

Martin Böckmann
Sebastian Erlhofer
für die Bürgerinitiative Sürther Feld