Hör doch mal die Ruhe

„Es klingeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren“

…singt Herbert Grönemeyer in einem Lied.

Ich sitze gerade im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub. Es war ein riesiges Geräuschgewusel vor und beim Start. Fluggäste, die fröhlich ausgelassen ihre Plätze einnahmen, Durchsagen der Crew, und dann die Motoren der Boing… Kinder, die weinten als der Flieger abhob, wahrscheinlich auch weil der Druck auf den Ohren plötzlich da war und Schmerzen entstanden – Kinder schaffen das mit dem Druckausgleich nicht immer so leicht.

Gerade habe ich mir meine Kopfhörer aufgesetzt, mit spanischer Musik in Vorfreude auf den Urlaub und bin dankbar, dass ich mit meinen Ohren wunderbar hören kann.

Es gibt mehrere Millionen Schwerhörige in Deutschland, viele alte Menschen weil im Alter die Organfunktionen schlechter werden, aber auch viele Kinder, die taub auf die Welt kommen oder durch Infektionen im Ohr an Hörkraft früh verlieren.

Das Sinnesorgan Ohr ist ein phantastisches Gebilde, individuell – es gibt für jeden Menschen einen eigenen Ohrabdruck, wie der eigene Fingerabdruck – und ich bin froh, daß das Menschenohr seitlich am Kopf angebracht ist.

Wie sähen wir aus, wenn wir wie Heuschrecken die Ohren an den Beinen hätten oder wie bei Eidechsen der Hörapparat im Brustkorb säße? Ja, das passt schon alles wunderbar bei der Gattung Mensch und wenn man sich so den Aufbau eines Ohres anschaut, dann sieht man wie phänomenal unser Körper mit den Organen ausgestattet ist.

Anatomisch betrachtet besteht unser Ohr aus drei Teilen.

Das äußere Ohr besteht aus der sichtbaren Ohrmuschel, über die Schallwellen aufgenommen werden und dann durch den äußeren Gehörgang bis zum Trommelfell geleitet werden. Diese dünne Haut trennt das äußere Ohr vom Mittelohr und wird in Schwingung versetzt, von den ankommenden Schallwellen.

Das Mittelohr muss man sich als Hohlraum vorstellen, der mit Luft gefüllt ist. Drei klitzekleine Knochen, die man wegen ihrer Form Hammer, Amboss und Steigbügel nennt, nehmen die Schwingungen vom Trommelfell auf und leiten sie dann in das Innenohr. Das Mittelohr ist durch einen Gang, den man Eustachische Röhre nennt, mit dem Nasenrachenraum verbunden. Also deshalb hilft es immer bei Druck auf den Ohren den Mund aufzumachen, wie z.B. auch im Flugzeug. Kleine Kinder machen das automatisch richtig, schreien und weinen um den Druck rauszulassen.

Im Innenohr, das gut geschützt ist, befindet sich das eigentliche Hörorgan: die Gehörschnecke. Drei lange eingerollte Kanäle, die an ein Schneckenhaus erinnern. In den Kanälen befindet sich Flüssigkeit. Die Schwingungen aus dem Mittelohr, gelangen also in die Gehörschnecke und erzeugen Wellen in der Flüssigkeit, die angepasst an Lautstärke und Tonlage stärker oder schwächer sind. Die Kanäle sind mit tausenden kleiner Härchen ausgekleidet. Ihre Funktion besteht darin Informationen über die ankommenden Wellen zu filtern und diese dann zum Hörnerv weiterzuleiten. Der Hörnerv gibt sie zum Gehirn, zum Beispiel auch in die Emotionsareale. Daher sind wir in der Lage, vertraute Stimmen wiederzuerkennen.

Auch das Gleichgewichtsorgan befindet sich im Ohr.

Der kleine Anatomieexkurs ist wichtig um zu verstehen, wie wir Ohrenerkrankungen vorbeugen können. Gerade im Sommer und in der Urlaubszeit häufen sich oft epidemieähnlich Infektionen der Ohren durch mögliche Keimbesiedlungen in den Pools. Vorbeugend ist es ganz wichtig:

  • Nicht den Fettfilm der sich im äußeren Gehörgang befindet ständig mit Wattestäbchen zu entfernen! Er schützt uns vor bakterieller Infektion.
  • Nach dem Schwimmen die Ohren nochmal mit Wasser unter der Dusche leicht zu spülen.
  • Wenn schon Ohrenprobleme oder häufige Infektionen bestanden kann eine Tropfenlösung aus Glycerin/ Wasser helfen das Ohr zu schützen.

Ist die Infektion einmal da muss meist schnell ein Arzt aufgesucht werden. Denn wenn das Trommelfell undicht ist, kommt es schnell zu Infektionen des Mittelohres, oft mit hohem Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl, aufgrund der bakteriellen Belastung. Der untersuchende Arzt entscheidet dann ob ein Antibiotikum gegeben werden muss.

Mal weg von der Krankheit jetzt wieder hin zu Tönen und Geräuschen, die wir hören. Eine Freundin sagte vor kurzem nach ihrem Umzug in eine ganz ruhige Wohngegend: „weißt du wie schön dass ist, dass ich jetzt auch mal Ruhe hören kann“.

Ich schaute sie an und musste zunächst lachen aber da ist ja was Wahres dran.

Gerade im Urlaub hat man fernab von den gewöhnlichen Geräuschbelastungen die Muße, bewusst zu hören und auf Stille zu achten. Das entspannt ungemein und ist für die Ohren eine Wohltat.

Probier es mal aus. In den Bergen, am Meer, im Wald… Es gibt viele Orte wo Du Ruhe hören kannst. Und dann mal einzelne Geräusche wahrnehmen, ganz bewußt: Vogelstimmen, Meeresrauschen… 
Tue was, um das Feintuning Ihrer Ohren zu trainieren.

Hör doch mal die Ruhe

Ich wünsche Dir eine erholsame Zeit, insbesondere auch für die Ohren.

Herzlichst

www.diegrossstadtaerztin.de