Dr.Karin Müllerinformiert

Ver’Darm’t nochmal – wenn Essen zur Qual wird…

Mein heutiger Blog entsteht gerade in meiner zweiten Heimat auf Mallorca. Ich sitze auf meiner Terrasse mit einem phantastischen Blick auf das Meer. Die tiefblaue Farbe des Wassers zieht meinen Blick magisch an und ich muss aufpassen, nicht weg zu träumen.

Die vielfältigen Meeresbewohner können Tag für Tag unsere Gaumen verwöhnen. Hier kann der Fisch fangfrisch gekauft werden und wenn man Lust hat kommt jeden Tag etwas anderes, leckeres Fischiges kulinarisch auf den Tisch. Alternativ läßt du dich sich in den zahlreichen Küstenrestaurants verwöhnen.

In einer schmackhaften Paella hat man direkt ein Allerlei auf dem Teller. Muscheln, Riesengarnelen, Tintenfisch werden in dem Reisgericht serviert oft auch kombiniert mit Huhn und spanischer Chorizo, grünen Bohnen und Erbsen – in weißem oder schwarzem Reis geköchelt.

Wie lecker!!! Oder wie der Spanier sagt: Sabe rico!!!

Und wie ärgerlich ist das denn, wenn man ein paar Stunden später nicht schlafen kann, weil der Darm spinnt und Achterbahn fährt, unsere Verdauung gestört ist, Krämpfe und Völlegefühl einen plagen und man die halbe Nacht eventuell auch noch auf der Toilette verbringen muss. Wer hat das schon einmal erlebt? Die Ursachen dafür können vielfältig sein.

Unser Verdauungstrakt benötigt zur Verarbeitung der zugeführten Nahrungsmittel fein abgestimmt Enzyme und andere Stoffe, die oftmals nicht ausreichend gebildet werden.

Die Bauchspeicheldrüse z.B. ist so ein Enzymgenerator. Sie produziert zum einen Insulin um den Blutzucker im Körper im Lot zu halten und zum anderen ein Enzym namens Pankreaselastase.

Dieses Enzym wird in der inaktivierten Form an den Dünndarm, der kaum vorstellbar – 5-6 m lang in unserem Bauch zusammengerollt liegt – abgegeben, dort aktiviert und ist dann bereit insbesondere die Aminosäuren also die Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate aus der aufgenommenen Nahrung zu spalten.

Bei Zufuhr eiweißreicher Lebensmittel wie Fisch und auch Fleisch kann es, bei fehlender bzw. nicht ausreichender Produktion des Enzyms Pankreaselastase zu Verdauungsstörungen kommen und insbesondere ein plötzlicher Durchfall auftreten.

Nachtruhe vorbei- was war da in der Paella! Nein… es ist nicht immer was im Essen, was man nicht vertragen hat, weil es über dem Verfalldatum war.

Und Nein… es muss auch nichts Schlimmes an der Bauchspeicheldrüse sein.

Im heutigen Ernährungsurwald mit den verschiedenen Kostformen oder Diäten wie Low Carb, Paleo, Vegan, vegetarisch…, die in Büchern, Foren und Blogs empfohlen werden, geht es meistens darum aufzuzeigen, wie man am besten Gewicht verliert. Leider ist unser Verdauungssystem mit den einseitigen Ernährungsvorgaben oftmals total überfordert wodurch es zur Unverdauung kommen kann. Was ist also richtig für mich? Was tut mir gut? Mit welchem Essen fühle ich mich wohl?

Individualität ist angesagt, nicht auf jeden Zug aufspringen, keine Einseitigkeit im Essen propagieren, denn das kann ebenfalls auf Dauer zu Unverträglichkeiten führen.

Mein präventiver Tipp, um Verdauungssäfte zu fördern ist der Verzehr von Bitterstoffen. Artischocke, Chicorée, Endivie, Radiccio, sind Beispiele für Lebensmittel mit hohem Bitteranteil. Bittertropfen greifen als Aperitivschnäpschen vor den Mahlzeiten und sind eine Alternative. Auch kann ein Frischpresssaft z.B. aus Artischocken getrunken werden. Zu bedenken ist, dass man es immer als Kur anwenden muss, denn es braucht eine Zeit bis die eigene Verdauungssaftproduktion wieder in Gang kommt. Tropfen und Säfte von verschiedenen Anbietern sind erhältlich in Apotheken und auch Reformhäusern.

Bei länger andauernden Beschwerden heißt es aber ab zum Arzt.

Es ist immer wichtig zu wissen, daß eine Organgesundheit besteht. Eher selten sind die Symptome die im Laufe eines Lebens im Körper signalisieren, dass etwas nicht stimmt einer schlimmen Erkrankung zugeordnet. Und wenn, dann ist eine frühe Erkennung wichtig, um heilend eingreifen zu können.

Die schulmedizinisch zu recht empfohlene Darmspiegelung wird als Krebsprävention von den gesetzlichen Krankenkassen ab dem Alter von 55 Jahren bezahlt. Sie ist zur Entdeckung von Polypen, Divertikeln, gutartigen und bösartigen Tumoren auf jeden Fall wichtig.

Wie gesund ist mein Darm?
Er ist unser größtes Organ (ca. 450m² Oberfläche)!!! 
Also her mit der Aufmerksamkeit.

In meiner Praxis empfehle ich die Stuhlanalyse als “Gesundheitscheck-Darm“ all meinen Patienten. Bei Reizdarm, hoher Infektanfälligkeit, beruflichem Stress, Allergiebelastung, Asthma und anderen chronischen Belastungen sowie auch bei Depressionen ist eine Stuhlanalyse wichtig, um Erkenntnisse zu ziehen und dann gezielt zu behandeln.

  • Die gesunde Darmflora sollte als sogenannte Bakterienpolizei im ausgewogenen Verhältnis zu der immer im Darm vorkommenden Fäulnisflora stehen. Gute Darmbakterien kann man als Kur einnehmen.
  • Es dürfen keine wuchernden Darmpilze vorhanden sein.
  • Die Verdauungsrückstände können geprüft werden, um zu sehen ob Leber und Galle als Verdauungsorgane funktionieren.
  • Die Intaktheit der Darmschleimhaut kann über bestimmte Marker gemessen werden, um herauszufinden ob ein Leaky gut ( übersetzt: löchriger Darm ) vorliegt. Dann fehlt uns der Schutz vor toxischen Stoffen und Krankheitserreger werden nicht eliminiert.
  • Die Pankreaselastase kann bestimmt werden und es muss nicht unbedingt direkt eine Bauchspeicheldrüsenentzündung vorliegen, wenn zu wenig Elastase produziert wird.

Fehlt diese, so gibt es Präparate um das Leck zu stopfen. Pankreasenzyme, täglich zu den Mahlzeiten eingenommen können vor Darmalarmschützen. Wichtig jedoch ist zu wissen, dass die Enzyme im Dünndarm nur wirken können, wenn der aus dem Magen kommende saure Nahrungsbrei im Dünndarm durch Natriumhydrogencarbonat neutralisiert wird.

Oh je – soviel kompliziertes Darmwissen. Wie unsere Organe so funktionieren oder auch gestört werden können, das ist schon beachtlich. Sei es Dir stets wert, Gesundes zu essen und achte darauf, was im Körper passiert, um entsprechende Symptome rechtzeitig zu behandeln bzw. ärztlich abklären lassen.

Damit es im nächsten Urlaub wieder heißt:

Her mit der Paella! Und anderen leckeren Köstlichkeiten!

Herzlichst
www.diegrossstadtaerztin.de