Der Fischweiberbrunnen am Fischmarkt

Da steht er, mitten in der Altstadt und kaum jemand beachtet ihn. Gerade am Wochenende schlendern zig Menschen an ihm vorbei. So ging es auch mir lange Zeit. Aber irgendwann stellte ich mir die Frage, was diese Figuren bedeuten sollten. Also Google gefragt und erfahren, dass es der Fischweiberbrunnen ist. Fischweiber? Hier in der Altstadt? Was soll das denn!

Aber neugierig, wie ich nun mal bin, wollte ich mehr erfahren und jetzt endlich kann ich auch über diesen Brunnen ein wenig „klugscheißern“, was ich jetzt auch direkt mal mache. Also, 1986 wurde dieser aus Basaltlava gefertigte Brunnen von Rainer Walk gefertigt. Der Grund war das 100-jährige Jubiläum der Kreishandwerkschaft hier an der Frankenwerft. Übrigens steht der Brunnen auf dem Fischmarkt, wie sinnig.

Und ja, auch der Name ist natürlich kein Zufall. Früher, also ganz früher, ne, noch früher, war Köln eine Fischereistadt, hier wurden Heringe umgeladen und bekamen das Kölner Qualitätssiegel. Wer in diesem Land könnte sich besser mit Heringen auskennen als wir Kölsche….war Spaß.

Aber es war tatsächlich so. Die Fischer hatten sogar eine eigene Zunft. Die Farben rot und weiß im Wappen zeugen übrigens von dieser alten Tradition. Es sind die Farben der Hanse, denn Köln war Gründungsmitglied der deutschen Hanse. Auch war hier am Fischmarkt, wo heute das Stapelhaus steht, ein Fischkaufhaus,denn durch das Stapelrecht war Köln ein großer Umschlagplatz für Fluss und Seefisch, wie den eben erwähnten Hering, auf den Köln einige Zeit das Monopol für den Heringshandel besaß, es hat also alles seine Ordnung mit dem Namen Fischmarkt.

Und jetzt schauen wir uns mal den Brunnen genauer an. Die Form nennt sich Vierpaßform und wurde nicht zufällig gewählt, sondern erinnert an die Konchen von Groß St. Martin. Mitten aus dem Becken ragt die Brunnensäule und genau auf Wasserhöhe wird sie von einem Kranz aus Fischen umschlossen. Wer genau hinschaut, kann sogar eine Wassernixe entdecken. Weiter oben sehen wir vier Ausläufe,aus denen das Wasser in das Becken läuft. Hübsch. Oben auf der Säule sitzen vier Marktfrauen, oder besser gesagt Fischweiber, (sagte man wohl früher so), die ihre Waren anpreisen. Und endlich einmal werden die dargestellten Protagonisten nicht als Helden dargestellt, sondern so, wie sie wohl waren. In diesem Fall hart arbeitende und abgekämpfte Frauen, die hier versuchten den Fisch an „den Mann“ zu bringen. Also, eigentlich doch irgendwie Helden. Helden des Alltags halt. Hübscher Brunnen, doch, gefällt mir.

Eine kleine, aber spannende Geschichte, die ich hinter diesem eher unscheinbaren Brunnen im ersten Moment so nicht erwartet hätte. Spannend unsere Stadt auf diese Weise neu kennenzulernen, oder? Also, haltet die Augen offen und bleibt neugierig.

Eine schöne Zeit wünscht euch Ronald, bis die Tage.

Weitere Informationen siehe www.koelschgaenger.de 

Bild könnte enthalten: Pflanze, Baum und im Freien