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Der Taubenbrunnen

Dieser kleine und eher unscheinbare Brunnen befindet sich vor der Westseite der Domplatte und wurde 1950 vom Bildhauer Ewald Matare entworfen und 1953 aufgestellt. Wie der Name schon sagt, ist der Brunnen für die „Domtauben“ als Trinkgelegenheit konzipiert worden. Würde man heute vermutlich so nicht mehr machen, aber andere Zeiten – andere Brunnen.

Übrigens war es der erste neu gebaute Brunnen in unserer Stadt nach dem Krieg und wurde von der BfG gesponsert (16.730 DM), die natürlich auch für den Standort verantwortlich war. Nämlich vor ihrem im selben Jahr fertiggestellten Bankgebäude. Zufälle gibt’s (grins).Heute ist dort das Domforum beheimatet.

Der Brunnen, ein ovales 540×400 cm großes Mosaik besitzt einen spiralförmigen Wasserlauf. In die Mosaikumrandung wurde ein Becken eingelassen, in dessen Mitte sich der Wasserspender befindet. Der Wasserspender selbst sitzt auf einem kleinen Basaltblock. Von dort fließt das Wasser aus drei kleinen Tüllen in die Spirale. (Wenn es denn mal fließt)

Über etwas seltsame Riten der Künstler habe ich ja vor kurzem in meinem Beitrag „Ruhender Verkehr“ bereits berichtet, das laufende Autoradio, während das Auto einbetoniert wurde, ihr erinnert euch sicher. Hier hatte man eine andere, aber nicht weniger skuril-spaßige Idee. Bei der Grundsteinlegung, das allein ist bei der Größe des Brunnens schon ein Spaß für sich, wurde eine sogenannte „unbekannte Taube“ aus Marzipan im Grundboden vergraben. Welch außergewöhnliche Idee.

Aber es kommt noch besser. 
Bei der Einweihung, die scheinbar einem kleinen Volksfest glich, denn vom Bürgermeister angefangen war wohl erschienen, was Rang und Namen hatte, sprach der Erschaffer des Brunnens von „einer reizenden kleinen frohgemuten Angelegenheit“. 
Man gab sich den wunderbaren Riten einer Einweihung hin, so wurde eine Urkunde gar feierlich von allen Anwesenden unterzeichnet und noch feierlicher versenkt, der Künstler hielt eine Rede, in der den in den Türmen des Domes nistenden Tauben gedacht und gehuldigt wurde, auf das sie nie mehr Durst leiden mögen …oder so ähnlich, jedenfalls sehr feierlich. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, zur Freude aller wurde noch die erste Strophe von La Paloma geschmettert, dann, als wahrscheinlich schon niemand mehr damit gerechnet hat, wurde die Hülle vom Boden entfernt und es hieß „Wasser Marsch“, oder eher doch nicht, denn das kostbare Taubengesöff kam in drei kleinen Strahlen daher und füllte das Becken mit dem kostbaren Nass. 
Dieses nahm nun anmutig seinen Weg durch die Spirale in der Schale und die Begeisterung kannte kein Halten mehr. Nach Ende dieses Schauspiels schmetterte man noch die fehlenden zwei Strophen von La Paloma, eine Flasche Steinhäger wurde feierlich geleert (nein, nicht in den Brunnen gekippt), denn so eine Einweihung macht durstig. Danach ging man stolz und zufrieden auseinander.
Was für eine würdige Einweihung, oder?

Ach ja, Tauben waren bei der Einweihung leider keine erschienen. Schade eigentlich.

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