Die größte Eistüte der Welt?

Wer kennt sie nicht, die Eistüte auf dem Dach der Neumarkt-Galerie. Fast könnte man meinen, sie wäre ein Wahrzeichen von Köln. Informiert man sich im Internet oder in einem Buch über Köln, immer wird sie genannt. Manchmal habe ich mich darüber geärgert, sie in einem Atemzug mit den alten Schätzen wie den Stadttoren oder unseren romanischen Kirchen genannt zu bekommen.

Jeder scheint die Eistüte zu kennen, was ja auf der einen Seite kein Wunder ist, findet man sie doch sehr zentral am Neumarkt, noch dazu in luftiger Höhe und gut sichtbar, sie ist mit zwölf Metern Höhe und knapp 6 Metern Breite ja auch sehr groß für eine Eistüte. Eigentlich trägt die Skulptur den Namen „Dropped Cone“, aber ich sage der Einfachheithalber weiter „Eistüte“.

Wenn ich nachfrage, kann mir kaum jemand etwas über sie erzählen. Sie gehört zum Stadtbild, aber das war es dann auch schon. Moderne Kunst sei es, wird mir gesagt. Manche Leute, meist jüngere halten sie sogar für den Werbegag einer Eisdiele. Naja, um ehrlich zu sein, ich war mit meinem Latein auch sehr schnell am Ende. Also habe ich mich mal informiert und dabei ganz erstaunliche Dinge erfahren.

Satte drei Tonnen schwer ist sie. Eine Pop-Art Skulptur, vom Künstler Claes Oldenburg geschaffen und zur neu entstandenen Neumarkt-Galerie bereits 2001 von San Francisco nach Köln gebracht worden.

Wie jetzt, so lange ziert dieses knatschbunte Teil bereits unser Stadtbild? Da hätte ich mich aber sauber verschätzt, wenn mich jemand gefragt hätte, seit wann sie da steht.

Dann erfahre ich den Preis. Drei Millionen Mark. Sauberer Preis für ein Eis. Vanille übrigens. Und wie viel Eis man für das Geld bekommt, kann ich auch nicht sagen, denn es sind keine Eiskugeln, sondern das süße Etwas wurde nach alter Tradition aufgespachtelt, wahrscheinlich im doppelten Sinne. Angeblich soll die Spitze des Hörnchens an die Kölner Skyline erinnern, so Oldenburgs Ehefrau. So sieht also unsere Kölner Skyline aus. Oha.

Anhand von Postkarten habe man entdeckt, dass Köln die Stadt der Kirchtürme sei, deshalb diese Spitze. Eigentlich sollten es sogar zwei Eistüten werden, wegen der beiden Domspitzen. Ja ne, is klar. 
Unterhaltsam war meine Recherche ja, das steht fest. Dass die Tüte an unsere Skyline erinnern soll, ja, da wäre ich direkt als nächstes drauf gekommen. Ist klar. Hatte das schon vermutet, ehrlich.

Spaß beiseite. Hier am Neumarkt regiert der Konsum. Und für mich persönlich ist diese Eistüte eher eine Art Navi zu den Konsumtempeln der Neuzeit, als ein Hinweis auf Dom und Kirchturmspitzen. Aber so ist das mit der Kunst. Der Künstler selbst sagte einmal: „Ich bin für eine Kunst, die ihre Formen aus dem Leben nimmt, die spuckt und tropft und süß ist und stupide wie das Leben selbst.“

Mit diesen Worten möchte ich meine Recherche beenden. Egal wie man über die Eistüte denkt, sie sorgt jedenfalls für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff, auch heute noch. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf eure persönliche Meinung.

So, und jetzt gehe ich mir ein Eis kaufen, sicher nicht so groß, dafür aber echt.

Bis die Tage, euer Ronald.

Homepage: www.koelschgaenger.de