Letzte Ruhestätte – Kölner Dom 

Unser Kölner Dom. Ein Ort der Begegnung, der inneren Einkehr, Heimat zahlreicher Reliquien…und Friedhof…

Der Domherrenfriedhof draußen vor dem östlichen Domchor gelegen, von dem ich euch im ersten Teil von „Letzte Ruhestätte – Kölner Dom“ erzählt hatte, ist nicht der einzige Ort, an welchem hochrangige Menschen beigesetzt wurden. Seit in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Ausgrabungen im bzw. unter dem Kölner Dom begonnen wurde, wurden unzählige Gräber entdeckt. Die Gebeine der Menschen, welche nicht identifiziert werden konnten, kamen in eines der drei Massengräber, die sich unter dem Dom befinden sollen, eines davon zum Beispiel bei der Christopherus-Figur, welche sich am Übergang vom südlichen Querhaus in den Chorumgang an einer Säule befindet. Mystische Bilder aus alten Zeiten schleichen sich in meine Fantasie. Unser Dom ist voller Geheimnisse. Werden sie je alle entdeckt und entschlüsselt sein? Wer weiss…

Weiter zu den offensichtlichen Gräbern. Machen wir einen kleinen Rundgang. Bereits 1261 fand in der Achskapelle die erste Beisetzung in einem sogenannten Hochgrab statt. Von niemand geringerem als DEM Mann, der 1248 den Grundstein für unseren „Himmelsstürmer“ legte. Erzbischof Konrad von Hochstaden. Allerdings musste der Erzbischof noch einmal umziehen, als 1322 der Dreikönigenschrein seinen Platz einnahm, nämlich in die benachbarte Johanneskapelle. Jene Kapelle, in der sich heute auch der Originalplan, der sogenannte Riss F, der Grundriss der Westfassade, geschützt vor Licht, hinter einem grünen Vorhang verbirgt.
Hier laufen also die Anfänge zusammen…zumindest ein Teil derer. Ich fühle mich gerade wieder sehr demütig angesichts dessen. Nebenbei gesagt handelt es sich bei der Liegefigur um das bedeutendste Bronzewerk Deutschlands des 13. Jahrhundert.

Auch die Gebeine Rainald von Dassels, welcher die Überreste der Heiligen drei Könige 1164 von Mailand nach Köln brachte, bekam seinen Platz hier im Dom in der Marienkapelle. Die mittelalterliche Liegefigur aus Bronze gefertigt, auf der verzierten aus Sandstein bestehenden Tumba (anderes Wort für Hochgrab; bezeichnet ein freistehendes Grabmal in Form eines Sarkophags), wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch französische Truppen zerstört und vom Kölner Bildhauer Alexander Iven Anfang des 20. Jahrhunderts aus Kalkstein neu geschaffen.

Jetzt kommen wir zu etwas kuriosem: Vielleicht ist jemandem von euch schon mal aufgefallen, dass immer im September eines jeden Jahres, ein Kranz an einem Steingrab, welches sich ebenfalls in der Marienkapelle befindet, niedergelegt wird? Seit 600! Jahren findet dieses Ritual bereits statt. Zu Ehren des Grafen Gottfried von Arnsberg. Als Dank und aus Treue. Denn der Graf verlieh der Gemeinde Neheim, welche heute zu Arnsberg gehört im Jahre 1358 die Stadtrechte und schenkte ihr ein großes Waldgebiet. Es wurde von ihm aber auch in einer Stiftsurkunde festgelegt, wie die Stadt die Jahrestage dessen zu begehen hat, unter anderem eben die Huldigung am Grab. Und zwar bis in alle Ewigkeit. Und wie gesagt: Seit 600 Jahren wird sich daran gehalten. Dass er hier begraben wurde, liegt daran, dass der kinderlose Graf seine Güter im Jahre 1368 dem Domstift vermachte. Das Arnsberger Land kam so gegen eine hohe Zahlung unter die Herrschaft des Kölner Erzbischofs.

Des Weiteren finden sich die Gebeine des Erzbischofs Engelbert I., welcher am 7. November 1225 von der eigenen Familie kaltblütig ermordet wurde, in einem Schrein in der Schatzkammer des Domes.
Es ist schier unermeßlich, wieviel Geschichte hier in der Luft liegt. Auch Frauen wurden hier beigesetzt. Königin Richeza von Polen, um nur eine zu nennen. Ursprünglich, bis zum Abbruch 1816 im Stift Sankt Maria ad Gradus (Maria zu den Stufen) beerdigt, steht ihr Sarkophag bis heute in der Johanneskapelle des Kölner Domes. Ich könnte immer weiter aufzählen. Und dabei existieren längst nicht mehr so viele Gräber, wie einst, denn viele von ihnen wurden während der französischen Revolution Opfer von Plünderungen.

Heute werden im Kölner Dom „nur“ noch Erzbischöfe beigesetzt. Ihre Särge werden in der Krypta, welche nicht öffentlich zugänglich ist, in Wandnischen eingemauert. So ruhen hier unter anderem Kardinal Frings und Kardinal Meisner.
Mit dem Sterben ist nicht alles zu Ende…hier haben Menschen ihre letzte Ruhestätte bekommen und wir werden sie so nie vergessen.

Spürt ihr das auch gerade? Diese Verbindung zu unserer wunderschönen Kathedrale? Sie wird niemals aufhören, denjenigen ihre Geschichte zu erzählen, die offenen Herzens durch ihre Hallen schreiten…

Bis bald
eure Ramona

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