Durch den Rheinauhafen zum Bayenturm

Heute gönne ich mir einen kleinen Spaziergang durch den Rheinauhafen. Los geht es an der Drehbrücke neben dem Malakoffturm. Auf der anderen Straßenseite liegt St. Maria Lyskirchen. Heute kann man sagen „auf der anderen Straßenseite“, denn hier sah es früher ganz anders aus. Es gab eine kleine vorgelagerte Insel, eine Werth. Diese war wirklich klein und wurde deshalb nur das Werthchen genannt. Die Insel erstreckte sich etwa vom Bayenturm, zu dem ich gleich noch spazieren werde, bis kurz vor St. Maria Lyskirchen. Im 13. Jahrhundert taucht die Insel in Aufzeichnungen erstmals auf, damals als Hinrichtungsstätte. Später wurde sie von Fischern und Schiffsbauern genutzt, im 19. Jahrhundert dann in einen Park umgewandelt.

Spannend die Geschichte unserer Stadt. Überall kann ich eintauchen in das alte Köln, es braucht nur ein wenig Phantasie. Nun gehe ich gemütlich weiter und lasse den Rheinauhafen auf mich wirken. Schokoladenmuseum, Olympiamuseum. Alte Kräne und Lagerhäuser. Die Kranhäuser, natürlich. Nach einiger Zeit taucht rechts ein imposanter Turm auf, der Bayenturm.

Der Bayenturm ist ein mittelalterlicher Wehrturm, der um 1220 als Teil der acht Kilometer langen Stadtbefestigung entstand. Er war der südliche Eckturm der Stadtmauer, die Köln 700 Jahre lang umschloss. Mit seinen 35 Metern Höhe und 2,50 Meter dicken Mauern ist er schon sehr imposant anzuschauen. Ebenfalls konnte von hier aus der „Treidelbetrieb“ (das Ziehen der Kähne stromaufwärts durch Pferde) überwacht werden. Dem Turm vorgelagert war eine Schleuse, durch die der Graben vor der Stadtmauer geflutet wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Turm erheblich beschädigt und fristete lange Zeit sein Dasein als Ruine. Erst 1987 wurde er wieder aufgebaut, eigentlich unglaublich.

Heute ist er Sitz der von Alice Schwarzer initiierten gemeinnützigen Stiftung „Frauen Media Turm“. Im Turm befindet sich auch ihr Büro und die Redaktion der Zeitschrift „Emma“. Eine alte Kölner Weisheit sagt „Wer den Turm hat, hat die Macht“. Ein prima Streitthema für gesellige Runden in unseren schönen Brauhäusern und Gasthäusern in der nahen Südstadt finde ich. Stimmung garantiert.

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