Köln und seine Details. Viele kleine Denkmäler finden sich in den Straßen. Ich meine, Du, Stollwerck-Mädchen bist ein Besonderes. 
Sepp Hürten erschafft Dich und 1990 wirst Du an Deinem Platz aufgestellt. Die Produktionsstätte der Firma Stollwerck ist zu diesem Zeitpunkt in Köln längst verloren. 
Tausende von Dir verpacken ein Jahrhundert zuvor in diesem Viertel in langen Schichten, zwölf Stunden am Tag und mehr, Schokolade. Eine Arbeit für Damen. Männerhände sind zu grob. Nur die feinen Händen von Euch Stollwerck-Mädchen sind geeignet für die feinen Pralinés. Findet das Unternehmen seinerzeit.
Danach ist Euer Tagwerk nicht geschafft. Derbe Hausarbeit wartet auch auf die feinen Hände. Namenlose Mühen jeden Tag schaffen ein Arbeiterviertel, dass wir heute als Ur-Kölsch sehr schätzen, das unter allen Vierteln Kölns dem bewunderten Paris am nächsten kommt. Der Schweiß vergangener Tage ist längst verflogen, ersetzt durch den modernen Flair eines alten Arbeiter-Stadtteils.
 
Eine Künstlerin, Uschi Huber, gibt Dir liebevoll den Namen „Gerda“, wie er seinerzeit oft vorkommt. Aus der Anonymität hilft Dir das nicht. Aber, ich finde, er zollt ein wenig von dem Respekt, den jede von Euch verdient. Jede einzelne von Euch hat daran mitgewirkt – aber selbstverständlich unwissentlich -, dass die Südstadt das ist, was sie heute ist.
Und so stehe ich ab und an vor dieser Skulptur und versuche mir vorzustellen, wie Dein Leben damals ist. Kein Jahrhundert her und doch aus einer fernen Welt.
 

Michael

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