Ihr Lieben, heute habe ich mal keinen „normalen“ Beitrag für euch, sondern möchte euch einladen auf einen Spaziergang, diesmal durch die Südstadt, den ihr natürlich am besten einfach mal an einem schönen Tag „nachgeht“. Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei,

Südstadtour

„Et Hätz vun Kölle schläät en d´r Südstadt“, sagen eingefleischte Kölsche. Also dachte ich mir, „Wahnsinn, do jommer och hin“, wie Wolfgang Niedecken, der übrigens auch aus der Südstadt kommt, schon vor langer Zeit sang. So schauen wir an der Severinstorburg vorbei und checken ins Früh im Veedel auf ein Kölsch ein. Frisch gestärkt machen wir uns dann auf zur Ulrepforte und danach zum Karl- Berbuer-Platz, wo diesem großen Sänger und Komponisten ein Brunnen gewidmet wurde.

Nun schauen wir uns zwei Kirchen an. Erst St. Gregorius im Elend und danach St. Severin. Ein Stückchen weiter die Severinstraße hinunter machen wir nochmal eine kleine Kölsch– Pause, diesmal im alten B

rauhaus. Das war die Südstadttour im Überblick und ich finde, schön ist sie, wirklich schön.

Wir starten unsere Tour an der Severinstorburg. Die am Chlodwigplatz gelegene Torburg hat ihren Namen von der Pfarrei St. Severinus. Das Severinstor oder „Vringspooz”, wie sie auf Kölsch genannt wird, ist eine der Stadttorburgen der mittelalterlichen Stadtmauer.

Im 13. Jahrhundert errichtet, diente sie der Verteidigung des Toreingangs, und war gleichzeitig ein wichtiger Standpunkt zur Sicherung einiger Klöster und der Straße in Richtung Bonn. Nachdem 1881 die Stadtmauer eingerissen wurde, verlor die Torburg ihre Funktion und beherbergte lange Zeit verschiedene Museen. Heute kann man sich in der Torburg trauen lassen und verschiedene Räumlichkeiten können für private Feiern gemietet werden. Traditionell wird hier jedes Jahr die Geschichte von Jan und Jriet aufgeführt.

Das „Früh im Veedel“ ist direkt daneben, mitten im Herzen der Südstadt und eine der ältesten Gaststätten Kölns. Früher war hier eine Brennerei beheimatet, wie man an der Fassade immer noch erkennen kann. Seit 1979 wird hier Früh-Kölsch gezapft. Im „Invalidendom“, wie er bei Insidern heißt, kann man immer noch die historische Destille bewundern, die hier früher im Einsatz war. Das Essen ist typisch Kölsch und das urige Flair lädt zum Verweilen ein.

Von hier aus sind es gerade einmal 500 Meter bis zur Ulrepforte. Also los geht es. Wir gehen noch einmal an der Severinstorburg vorbei und kommen automatisch auf den Karthäuserwall. Nun geht es nur noch geradeaus und wir laufen direkt auf unser Ziel zu. Die „Ülepooz“, wie der Kölner sagt, hatte keine große Bedeutung für den Verkehr und war deshalb das kleinste der Stadttore. Auch dieses Tor wurde im 13. Jahrhundert während des Baus der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet. Mit einer Breite von vier Metern war es der schmalste Durchgang der Kölner Stadttore. Den Namen hat es von den „Ulnern“ (Töpfer), die ihr Handwerk hier ausübten. Wegen der Brandgefahr mussten sie in unbewohnte, eher bäuerliche Bereiche ausweichen.

In der Nacht zum 15. Oktober 1268 war die Ulrepforte Schauplatz einer blutigen Auseinandersetzung. Der zuvor aus Köln geflohene Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg hatte vor, gegen die Overstolzen seine Macht zurückzuerobern. Hilfe hatte er dabei von der, ebenfalls aus der Stadt vertriebenen, Familie der „Weisen“.

Einer Sage nach wurde ein Schuster mit Namen Havenit, der direkt an der Mauer wohnte, mit 25 Mark bestochen, um einen Tunnel zu graben, durch den ein unbemerktes Eindringen in die Stadt möglich war.

Allerdings flog der Plan auf und die Eindringlinge konnten getötet, in die Flucht geschlagen oder gefangen genommen werden.

Tatsächlich wurde bei Bauarbeiten, welche die Prinzengarde in Auftrag gegeben hatte, ein nachträglich zugeschütteter Durchgang entdeckt. Ob dieser etwas mit der Schlacht an der Ulrepforte zu tun hatte, ist allerdings nicht bestätigt.

Ab 1450 wurde dieses eher unwichtige Stadttor zugemauert und der Turm zur Windmühle umgebaut… Im Gegensatz zu Wassermühlen, die im Falle einer Belagerung anfällig waren, da die Belagerer den Kölnern das Wasser abgraben konnten, waren Windmühlen sicher. Und so konnte hier die wichtige Versorgung durch Mahlen des Korns aufrechterhalten werden. Im 19. Jahrhundert wurde an der Ulrepforte immer wieder angebaut und diese verstärkt. So gab es 1900 hier sogar eine Gastwirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die roten Funken die Ulrepforte gepachtet.

Von hier bis zum Karl Berbuer Platz sind es ebenfalls wieder rund 500 Meter. Dazu biegen wir ab auf die Ulrichgasse und folgen dieser. Die Ulrichgasse hat ihren Namen eigentlich von den „Ulnern“, den Töpfern. Durch Fehldeutungen wurde daraus Ulrich. An dieser Gasse wurde auch die berühmte Schlacht an der Ulrepforte ausgetragen. Wir folgen der Straße weiter, bis es leicht nach rechts zum Karl-Berbuer-Platz abgeht und wir praktisch bereits vor dem Denkmal stehen.

Der sogenannte Narrenschiffbrunnen. Der Kölner Sänger und Komponist Karl Berbuer schrieb im Laufe der Jahre über 120 Lieder, von denen einige auf etwas kuriose Art Verwendung fanden. So reiste Konrad Adenauer 1950 als Bundeskanzler zu einem Besuch nach Chicago. Da es zu dieser Zeit noch keine offizielle Hymne gab, wurde er mit dem Berbuer Lied „Heidewitzka, Herr Kapitän“ empfangen. Bei anderen offiziellen Gelegenheiten wurde auch gerne „Wir sind die Eingeborenen von Tritzonesien“ gespielt, eine kleine Anspielung auf die drei Zonen der Westmächte. Auch bei Sportlehrehrungen war es sicher ein besonderes Gefühl mit dem Tritzonesien Lied geehrt zu werden. Weitere sehr bekannte Lieder waren „Un et Arnöldche fleut“ oder das „Camping Leed“. Der Brunnen wurde 1987 errichtet und stellt Figuren seiner Lieder dar, sowie Karl Berbuer selbst.

Wir verlassen den Platz wieder und gehen auf die Severinstraße zu. Diese überqueren wir und spazieren nun automatisch auf die Kirche St. Gregorius im Elend zu.

Der Name im Elend entstand aus dem früheren Namen des Katharinengäßchens. Dieses hieß früher „Om Elend“. Die Kirche hatte eine besondere Stellung, denn auf dem Elendskirchhof wurden die heimatlosen und nicht-katholischen Leute begraben. Diese durften damals noch nicht auf einem Pfarrkirchhof beerdigt werden. Es war also der Friedhof der „akatholischen Toten“. Protestanten wurden später dann auf dem Geusenfriedhof beerdigt, wohin uns ein anderer Spaziergang führt. Die Kirche wird bis heute für katholische Gottesdienste nationaler Minderheiten genutzt, womit sie ihrer Tradition treu geblieben ist. Das Eingangsgitter stand übrigens früher am Kölner Rathaus. Außerdem ist sie die einzige private Kirche Kölns, da sie der Familie de Groote gehört. Und das schon seit 1678.

Wenn wir aus dem Haupttor treten, liegt links die Achternstraße. Der große Kölner Liedermacher Willi Ostermann hat einen sehr bekannten Song geschrieben, dessen Inhalt sich hier abgespielt haben soll. Denn hier war die Wohnung seiner Schwiegereltern und diese hießen „Palm“. Ich denke jeder Kölner kennt dieses Lied. „Kut erop! Kut erop! Kut erop! Bei Palms do es de Pief verstopp….“ und so weiter. Auf der Rückseite der Kirche liegt die Arnold-von-Siegen-Straße. Dieser Arnold von Siegen (1484 – 1569) war von 1529 – 1562 Bürgermeister von Köln und hatte damit satte 12 Amtszeiten. Als hochrangiger Ritter bescherte er der Kirche St. Johann Baptist einiges an Reichtum. Er liegt auch im südlichen Seitenschiff der Kirche begraben. Die Stadt widmete ihm auch einen Brunnen, der an ihn erinnert. Dieser hat die Form des Familienwappens.

Aber das nur am Rande. Wir haben uns nun eine Erfrischung verdient und gehen zurück auf die Severinstraße und biegen links ab. Nach wenigen Metern erreichen wir auf der rechten Straßenseite liegend “Das Alte Brauhaus”.

An diesem Ort entstand 1894 die Brauerei Reissdorf, von Heinrich Reissdorf gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg befand sich hier die Flaschenfüllanlage. Nachdem der Platz aber zu eng wurde und in Rodenkirchen ein neues Werk entstand, wurde 2010 an alter Stelle wieder ein Brauhaus errichtet. Diese Tradition setzt das Brauhaus fort, da hier natürlich Reissdorf gezapft wird. Hier, mitten in der Südstadt und im Schatten der Severinstorburg, lässt es sich gut aushalten. Bei schönem Wetter können die Glastüren geöffnet werden. So sitzt man dann direkt an der Straße und bekommt auch noch etwas vom Leben im Veedel mit.

Nachdem wir uns gestärkt haben, wollen wir nun die letzte Station dieser Tour anlaufen. Dazu gehen wir die Severinstraße weiter hinunter und kommen nach kurzer Zeit zur Kirche St. Severin.

Sie ist die zweithöchste der romanischen Kirchen in Köln, nur Groß St. Martin ist knapp drei Meter höher. Der Name dieser Kirche prägte das ganze Veedel. Auch die Hauptstraße des Veedels, die Severinstraße ist nach ihr benannt. Zur Zeit der Römer war sie ein wichtiger Teil der Nord-Süd-Verbindung. Hier befand sie ein großes Gräberfeld. Am Rande des Feldes gab es eine kleine Kapelle, aus der im Laufe der Jahrhunderte dann St. Severin wurde. Den Namen bekam die Kirche durch den Heiligen Bischof Severin, der laut Legende durch Engelsgesang vom Tode des hl. Martin erfahren hatte. Selbst Papst Leo III. hat diese Kirche besucht.

Nach dem Besuch der Hauptkirche hier im Severinsviertel schauen wir noch beim Schokoladenmädchen vorbei. Dieses Denkmal befindet sich direkt an der Kirche.

Das Schokoladenmädchen, wie es genannt wird, hat seinen Platz in der Südstadt und in den Herzen der Menschen im Veedel. Vor dem Denkmal steht ein Blumenkübel, der regelmäßig von den Bewohnern des Veedels bepflanzt wird. Viele nennen es auch „Gerda“. So wurde das Mädchen von der Uschi Huber genannt, die ein ganzes Buch mit Fotografien herausgegeben hat. Ihr war aufgefallen, dass sich dieses Denkmal immer wieder verändert und das Schokoladenmädchen zum öffentlichen Leben auf diesem Platz dazugehört. So entstand dieses sehr schöne Buch. Wir brauchen jetzt nur ein paar Schritte weiter zu gehen und kommen wieder zum Ausgangspunkt der Tour, der Severinstorburg.

Ich hoffe, die Tour hat euch ein wenig Spaß gemacht. Natürlich gäbe es noch viel mehr zu berichten, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Deshalb, lasst euch jetzt ein leckeres Kölsch schmecken,

euer Ronald