Die Kölschgänger waren mal wieder unterwegs : Ein Stückchen Köln

Ein Stückchen Köln

Es ist Sonntag morgen, kurz vor 8. Und es ist bitterkalt. Eigentlich war mein Plan, so in Köln anzukommen, dass ich, direkt, wenn der Dom aufgeschlossen wird, die morgendliche Stille und Einsamkeit dort genießen kann. Das leider haben aber Schneefälle und eine kaum schneller als mit 60 km/h zu befahrende Autobahn zu verhindern gewusst. Klar gehe ich trotzdem als erstes in mein „Kapellchen“. Allein bin ich jetzt natürlich nicht mehr, aber trotzdem muss ich dieses „Erleben“ haben, wie so oft, wenn ich hier bin. Für mich ist es immer wieder etwas besonderes. Dieser Anblick beim Betreten des Innenraums, der Geruch von Weihrauch und das Anzünden einer Kerze für die, die ich liebe.

Nach dem Begrüßen „meines“ Domes bewaffne ich mich mit meinem Fotoapparat und mach mich auf den Weg. Nachdem meiner erster Plan für heute ja gescheitert war, soll der nächste gelingen, nämlich möglichst viele und schöne Fotos zu machen. Auch jetzt droht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung zu machen, aber ich bleibe hartnäckig. Ein Grund mehr, zwischendurch irgendwo gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken. Was sich mit steif gefrorenen Fingern allerdings auch als Herausforderung herausstellt, denn so schnell man einfriert, so lange dauert das auftauen.

Das mag jetzt komisch klingen, denn man hat sie ja direkt vor der Nase, quasi immer im Blick und trotzdem hab ich bisher nie die Gelegenheit gehabt – nein genutzt ist das richtige Wort – sie mal zu nutzen. Die Severinsbrücke. Über den heiligen Severin, der oberhalb der Brücke über die Stadt wacht, hat Ronald euch ja kürzlich berichtet. Auf meinem Spaziergang über die Brücke eröffnet sich mir so richtig, wie breit Vater Rhein wirklich ist. Der Ausblick hier ist phänomenal, sei es das Panorama der Altstadt mit Dom, Groß St. Martin und vielem mehr auf der einen Seite, sowie dem Rheinauhafen mit den Kranhäusern auf der anderen. Und so kalt meine Finger auch sind – mein Fotoapparat glüht. Warum war ich hier nicht schon viel früher?

Auch die Brücke selbst bietet genug sehens- und wissenswertes. Obwohl Anfang der 1950er Jahre alle Brücken, die im Krieg zerstört wurden, wieder aufgebaut worden waren, reichten diese bei dem ständig wachsenden Verkehr nicht mehr aus. So beschloss der Rat am 6. Mai 1954 den Bau der Severinsbrücke, mit welchem dann im Mai 1956 begonnen wurde. Architekt war Gerd Lohmer.

Es gab vieles, was zu berücksichtigen war. Das Stadtbild an sich, den Dom ebenso wie Häfen und Schifffahrt. Am 7. November 1959 wurde die Severinsbrücke eingeweiht, sogar unter Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer.

Den Benutzern dieser sogenannten Schrägseilbrücke stehen vier Spuren für Autofahrer sowie ein separater zweigleisiger Stadtbahnkörper zur Verfügung sowie auf beiden Seiten Geh- und auch Radwege. Insgesamt ist die Severinsbrücke ganze 691 Meter lang und 29,5 Meter breit. 
Leider gab es am 21. September 1956 ein Unglück beim Bau der Brücke, bei welchem offiziell 5 Menschen ihr Leben verloren. Es gibt das Gerücht, dass mehr Bauarbeiter von diesem Schicksal betroffen waren, welche nicht alle geborgen werden konnten und noch heute ihr Grab tief unten im Pfeiler der Severinsbrücke haben. Bei aller Schönheit gedenke ich beim Überqueren der Brücke dieser Menschen.

Auf der anderen Rheinseite angekommen, führt eine Wendeltreppe nach unten und auf der anderen Seite wieder eine nach oben. Auf der anderen Brückenseite gehe ich zurück und obwohl nur knapp 30 m dazwischen liegen, ist es doch wieder eine ganz andere Perspektive, die sich mir bietet. Jetzt muss mein Fotoapparat wieder dran glauben. Da wo ich wohne, gibt es auch ein paar Brücken, aber wenn da fünf Enten drunterherschwimmen muss man wohl schon von einem erhöhten Verkehrsaufkommen sprechen. Da ist das hier was ganz anderes.

Ich liebe diese Stadt und habe wieder ein Stückchen Köln mehr für mich entdeckt. Und ich sage mir: Plan gelungen.

Bis zum nächsten Mal
eure Ramona

Weitere Informationen finden Sie auf www.koelschgaenger.de