Die Kölschgänger waren unterwegs: „Triumph der Eucharistie“

„Triumph der Eucharistie“

Wenn ihr schon einmal morgens ganz früh im Dom wart, zu einer Zeit, in der sich nur sehr wenige Menschen dort aufhalten, habt auch ihr sicherlich diese besondere Stimmung wahrgenommen. Man hat das Gefühl, den Dom fast ganz für sich allein zu haben, bevor ihn kurze Zeit später wieder Menschenströme durchwandern.

Diese unglaubliche Stille und Ruhe, wenn selbst ein Flüstern noch zu laut erscheint.

In dieser Stille nehme ich ihn ganz anders wahr.

Und um dieses endlich einmal erleben zu können, bin ich bereits um 3 Uhr morgens zuhause aufgebrochen, um kurz nachdem die Türen des Doms geöffnet werden, da zu sein. Nachdem mein letzter Versuch dank eines Wintereinbruchs auf der Autobahn scheiterte, hat es diesmal geklappt.

Draußen geht gerade die Sonne auf und wirft schon vorsichtige Lichter durch die Fenster in den Innenraum. Jetzt verändert sich der Anblick hier drin fast minütlich. Wunderschön. Aber mir fällt noch etwas anderes ins Auge: zwischen den Langhauspfeilern hängen 8 Teppiche. Ich erinnere mich, dass ich diese schon einmal hier gesehen habe und freue mich, dass ich die richtige Zeit für meinen Köln-Besuch gewählt habe. Diese Teppiche hängen nämlich jedes Jahr um diese Zeit hier. Dieses Jahr noch bis zum 16.Mai, ihr solltet euch also beeilen, solltet ihr sie noch sehen wollen (falls dies nicht schon längst geschehen ist).

Bei diesen Teppichen handelt es sich um die sogenannten „Rubensteppiche“, benannt nach Peter Paul Rubens, der sie entworfen hat. Hergestellt aber wurden sie in der Brüsseler Manufaktur Frans van der Hecke. Bei den Exemplaren hier handelt es sich bereits um eine Zweitanfertigung. Nachdem die ursprünglichen Teppiche (von denen es einst 11 gab) für ein Kloster in Madrid gedacht waren, und die alttestamentarischen Bildnisse sich so großer Beliebtheit erfreuten, wurde die Serie mehrmals hergestellt.

Mit den Darstellungen sollte das katholische Eucharistieverständnis hervorgehoben werden. Es war also auch eine politische Botschaft gegen die Reformation. Ebenso wie die Szenen aus dem alten Testament sind Triumphbildnisse zu sehen, wie etwa Triumphwagen, von Löwen, Engeln und Pferden gezogen, die unten liegende Symbole des Unglaubens überwinden, was den Namen „Triumph der Eucharistie“ erklärt.

(Zur Erklärung: Eucharistie bezeichnet den Dank an Gott für das, was er für uns getan hat und tut. Weiterhin ist sie Bestandteil des Gottesdienstes in Bezug auf das Abendmahl).

Im Dom befinden sich die Teppiche seit (wahrscheinlich) 1687 als Geschenk des Wilhelm Egon von Fürstenberg. Dieser war Fürstbischof von Straßburg und wollte nun auch Kurfürst und Erzbischof von Köln werden. Er hoffte, die Schenkung der Teppiche würde ihm dazu verhelfen. Die Wahl fiel allerdings nicht auf ihn, sondern auf Joseph Clemens von Bayern, den Kandidaten des Papstes. Nachdem sich von Fürstenberg auch mit militärischer Gewalt das Erzbistum Köln bzw. die Herrschaft darüber, nicht einverleiben konnte, flüchtete er nach Paris. Aber ohne die Teppiche. Die blieben im Dom, wo sie zunächst über den gotischen Wandmalereien der Chorschranken angebracht wurden.

Als der Domchor 1842 instandgesetzt wurde, nahm man die barocken Rubensteppiche ab. Sie paßten geschmacklich nicht mehr in die Zeit. Für eine Weile wurden sie noch als Prozessionsteppiche benutzt, worunter sie ziemlich litten, bevor sie irgendwann ganz vergessen wurden.

Erst eine Ausstellung 1954/55 und die Restaurierung 20 Jahre später, die ihrerseits über 10 Jahre dauerte, brachte sie wieder in die Öffenlichkeit.

Aus konservatorischen Gründen hängen die kostbaren Teppiche nur für wenige Wochen jedes Jahr im Dom. Die restliche Zeit werden sie in Depoträumen aufbewahrt.

Jedes Teil hier im Dom hat seine ganz eigene Geschichte und irgendwie entdecke ich immer noch etwas neues. Es ist faszinierend, findet ihr nicht auch?

Schaut euch die Rubensteppiche ruhig noch einmal an, vielleicht jetzt aus einer anderen Perspektive…bevor sie schützend gelagert wieder für ein Jahr gut aufgehoben ruhen.

Bis bald

eure Ramona