Die Südbrücke, einer meiner Lieblingsorte

Unser Brückenpanorama in Kölle ist einfach etwas besonderes. Klar, die Hohenzollernbrücke ist das Non plus Ultra. Aber ich persönlich bin, ehrlich gesagt, so ein klein wenig in die Südbrücke verliebt. Ein Hingucker ist sie, immer noch, für mich jedenfalls. Unzählige Male habe ich auf ihr gestanden und die Zeit vergessen. Hier ist es halt ruhiger als auf der Hohenzollernbrücke, wo der totale Trubel herrscht. Auf der Südbrücke habe ich meine Stadt für mich. Das Panorama des Rheinauhafens und in der Ferne Groß St. Martin und Dom, auf der anderen Seite die Poller Wiesen, die Ruhe ausstrahlen mit ihrem Grün. Und natürlich der Rhein. Ab und zu kommt ein Schiff vorbei, im Sommer kann man häufiger den Ruderern aus dem nahen Rodenkirchen zusehen und den kleinen schnittigen Motorbooten. Dann und wann rattert ein Güterzug über die Brücke und holt mich wieder aus meinen Träumen. All das hat was und ich genieße es. Ich habe da mein kleines Ritual. Gemütlich durch den Friedenspark schlendern, dann mal an der Tatortbude nach den leckeren Currywürstchen sehen und den Rhein und meine Südbrücke betrachten.

Vorfreude kommt auf, dann wird es Zeit, die Treppen zur Brücke zu erklimmen, ich gehe ein paar Meter in Richtung Brückenmitte der 536 m langen Brücke, es wird ruhiger, windiger, ich genieße das Panorama und habe meine Stadt ein paar Minuten ganz für mich. Schön. Heimat. Geborgenheit.

So, aufwachen Ronald. Natürlich gibt es über die Südbrücke aber auch ein paar offizielle Daten. Sie wurde zwischen 1906 und 1910 als dreiteilige Fachbogenbrücke gebaut. Seit dem 5. April 1910 steht sie auf zwei Gleisen dem Güterverkehr zur Verfügung und damit rollten von da an keine Güterzüge mehr über die Hohenzollernbrücke. Auf beiden Seiten gibt es Gehwege, die eine kleine Besonderheit darstellen. Diese gehören nicht zur Bahn AG, die die Gehwege damals nicht bauen wollte. Dafür sorgte dann die Stadt Köln, die damit auch bis heute für die Unterhaltung und Pflege zuständig ist. Kurioses Köln mal wieder.

Übrigens gab es damals keine Eröffnungsfeier. Tragischerweise hat der Bau des mittleren Fachwerkbogens acht Arbeiter das Leben gekostet. Daraufhin wurde auf Feierlichkeiten zur Eröffnung verzichtet. Im 2. Weltkrieg zerstört, wurde sie dann in den Jahren 1945 bis 1950 wieder aufgebaut, allerdings wurde auf den aufwendigen Wiederaufbau des Turms und der Portalbauten verzichtet, so stehen halt nur noch die nicht im Krieg zerstörten Bauten, und leider auch nicht im besten Zustand, denn einige Auf-und Abgänge sind gesperrt. Trotzdem steht die Südbrücke unter Denkmalschutz. Die Aufgänge zur Brücke sind leider für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nur schwer bis gar nicht nutzbar. Aber das Problem haben wir ja in Köln häufiger.

Ja, es gibt viel zu tun, durch die Schmierereien an der Brücke und der schlechten Beleuchtung der Treppen und einigen weiteren unschönen Sachen macht sie manchmal keinen so einladenden Eindruck. Und doch ist sie für mich ein ganz wichtiges Stück Heimat. Nicht auf schön getrimmt für die Touris, sondern authentisch und echt.

Vielleicht ist es mir auch einfach nicht möglich, einen objektiven Beitrag zu schreiben. Dafür habe ich diese Brücke viel zu sehr in mein Herz geschlossen, aber ich schreibe ja auch nicht für irgendwelche Stadtplaner, sondern für Kölsche mit Herz, und die werden verstehen, was ich meine. Da bin ich mir ganz sicher.

Jeder Mensch hat in dieser Stadt so seine Lieblingsorte, die Südbrücke ist so einer für mich.

Euer Ronald

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