„Beim Nachbarn wurde eingebrochen“
– das hat wohl jeder schon
einmal gehört. Man ist froh, dass man
selber nicht betroffen ist, überhaupt
ist diese Vorstellung ganz weit weg.
Nur hat der Nachbar die Einbrecher
auch nicht ins Haus
geholt, er wird die
gleichen Fehler bei
der Sicherung eines
Hauses gemacht
haben, wie man
selber. Bei näherer
Betrachtung ist
es erstaunlich, wie
wenig Häuser und
Wohnungen gegen
Einbrüche abgesichert
sind, obwohl
Sicherheit eigentlich
zu den Grundbedürfnissen des
Menschen zählt. Die Kölner Stadtteilliebe
hat sich dazu mit einem Fachmann
unterhalten. Stefan Bisanz ist
Geschäftsführer der Sicherheitsfirma
consulting plus und als zertifizierter
Sachverständiger Personenschutz
täglich mit dem Thema Sicherheit zu
tun.
Die Gegenseite verstehen – Einbrecher
ist ein Beruf
Stefan Bisanz versetzt sich erst einmal
in die Lage des Einbrechers. „Einbrecher
muss man professionell betrachten,
sie üben einen Beruf aus und sind
darin irgendwann Profis.“ Die Täter
müssen einen Kostenapparat
finanzieren,
so braucht
man Einbruchswerkzeuge,
Personal zum
Auskundschaften und
Überwachen sowie
eine Hehler-Infrastruktur
im Hintergrund. In
Villenvierteln ist der
Kostenapparat für die
Einbrecher höher, dementsprechend
muss
auch das Diebesgut
ausfallen. „Es wird in
der Regel nur das gestohlen,
was in maximal 12 Stunden
an den Hehler weitergegeben und zu
Geld gemacht werden kann.“
Wer sind die Täter? „Es ist ein Unterschied,
ob ich es mit einem Russen,
einem Deutschen, einem Profi oder
einem Amateur zu tun habe.“ Oft
werden sogar Minderjährige ausgebildet,
um gezielte Einbruchtouren zu
unternehmen. In fast allen Fällen handelt
es sich um Berufskriminelle, denen
man entsprechend begegnen muss.
Kleindelikte gehen meist auf Beschaffungskriminalität.
„Wenn etwa der
nächste Schuss fällig ist, besteht hoher
Druck, das schnell zu finanzieren.“ Alle
Einbrecher haben drei Dinge gemeinsam,
sie haben offene Augen, Ohren
und sind schnell. Sie sehen offene
Fenster, schlecht gesicherte Häuser
und Autos.
Sicherheit ist eine persönliche Sache
Stefan Bisanz sieht Sicherheit als
Grundbedürfnis des Menschen an.
„Jeder betreibt Sicherheit, jeder
schließt die Haustür hinter sich ab,
schon das ist eine Form von Sicherheit.“
Hier kommt schon die erste
Unlogik zum Vorschein. Die meisten
Einbrecher kommen durch die Terrassentür,
„das ist allgemein bekannt
– warum sichern wir uns hier nicht besser
ab?“
Terassentüren stehen oft weit offen,
meist besteht ein völlig unzureichender
Schutz gegen Einbruch. So würde
oft schon ein einfacher Besen als
Schiebeschutz reichen.
Leider hat die Polizei gar nicht die
Kapazität, jedes Haus und jede Wohnung
zu überwachen, auch Sicherheitsdienste
können das nicht leisten.

„Im Hahnwald gibt es seit 26 Jahren
einen Sicherheitsdienst. Die Zahl der
Einbrüche ist zurückgegangen, ich
erwarte aber, dass gar nicht mehr eingebrochen
wird“ so der Sicherheitsfachmann.
Für die persönliche Sicherheit muss
jeder erst einmal selber sorgen. „Du
musst dich selber schützen. Sicherheit
muss in das persönliche Leben integriert
werden.“ Hier ist man wieder
beim Einbrecher. „Die Täter sind feige,
sie gehen dahin, wo es am leichtesten
ist. Der beste Schutz ist es, den Tätern
den Einbruch schwer zu machen.
Hier geht mechanischer vor elektronischen
Schutz.
Wenn man zum Beispiel alle Fenster
mit einer Pilzkopfverriegelung ausstattet,
ist das Haus schon sehr gut
abgesichert. Das kostet pro Fenster
allerdings zwischen 200 und 400 Euro.
Auch auf eine gesicherte Garage für
die Edelkarossen sollte nicht verzichtet
werden. Autos kosten heute oft einen
hohen mehrstelligen Betrag, kein
Mensch würde dieses Geld einfach
so auf die Straße legen, doch teure
Autos werden quasi auf dem Goldteller
präsentiert und einfach auf der
Straße abgestellt. Langfinger brauchen
nur einzusteigen und sich zu
bedienen. „Sicherheit sollte einem so
viel Wert sein, dass man lieber einmal
Urlaubsreise verzichtet als langfristig
das helle Erwachen zu haben.“ Auch
die Absprache mit den Nachbarn,
dass man gegenseitig ein Auge auf
das angrenzende Grundstück hat,
kann hier viel bewirken.
Was tun? Die Polizei berät
Wer nicht sicher ist, wie er seine Wohnung
sicher macht, kann sich an polizeiliche
Beratungsstellen wenden.
Informationen dazu findet man im Internet
unter https://koeln.polizei.nrw/
termin/mobile-beratungsstelle-einbruchschutz-
in-koeln-und-leverkusen
oder telefonisch bei dem zuständigen
Kommissariat unter 0221/2298655.