Eine runde Sache: Das KVB-Rad rollt fünf Jahre und in die Zukunft

Ab Frühjahr 2001 steht das Angebot mit neuen Leihrädern in ganz Köln zur Verfügung

Im Mai 2015 startete die KVB ihr Leihradangebot – das KVB-Rad ist nun fünf Jahre alt. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner nextbike (Leipzig) etablierte die KVB somit einen weiteren Baustein des Kölner Umweltverbundes. Zugleich musste mit dem Ablauf der ersten fünf Jahre die Partnerschaft in diesem Angebot neu ausgeschrieben werden. Das Vergabeverfahren für den nächsten Vertrag wurde inzwischen abgeschlossen. Nextbike wird auch in der nächsten Vertragslaufzeit der Kooperationspartner im Leihradangebot sein. Die neuen KVB-Räder kommen im Frühjahr 2021.

Gute Bilanz nach fünf Jahren

Die Bilanz der ersten fünf Jahre KVB-Rad lässt sich sehen: Insgesamt fanden 4,5 Millionen Fahrten (Ausleihen) mit den Leihrädern statt. Hierbei war das Jahr 2018 mit über 1,22 Millionen Fahrten das bisher beste. Nahe an diesem Wert gelangte auch das Jahr 2019 mit fast 1,20 Millionen Fahrten. Anfang Mai 2020 wurden insgesamt rund 149.000 registrierte Nutzer verzeichnet. Für Köln mit 1,1 Millionen Einwohnern ist das durchaus beachtenswert. Die durchschnittliche Fahrtdistanz über alle Ausleihen der ersten fünf Jahre beträgt 1,66 Kilometer Luftlinie. Real werden es also zwei bis drei Kilometer im Durchschnitt sein.

Die Besonderheit des Angebotes liegt darin, dass die Inhaber von Zeittickets des Verkehrsverbundes VRS das KVB-Rad während der ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenfrei nutzen können. Die Chipkarte mit dem VRS-Ticket kann zur Buchung der Räder genutzt werden. Ein großer Vorteil ist, dass das KVB-Rad in den ÖPNV integriert wurde. Es macht keinen Unterschied, mit welchem Verkehrsunternehmen innerhalb des VRS die Nutzer ihren Zeitticket-Vertrag geschlossen haben.

Hieran schließt die Frage an, welche Tickets die Nutzer des KVB-Rades besitzen. Spitzenwerte fallen dabei mit 39 Prozent der Fahrten auf Inhaber des SemesterTickets der Uni Köln und mit 26 Prozent auf solche mit JobTicket. Aber das KVB-Rad wird auch von Menschen genutzt, die kein VRS-Zeitticket besitzen und ab der ersten Minute für das KVB-Rad zahlen müssen: 25 Prozent der Fahrten fallen auf diese Gruppe.

Nachhaltig in mehrfacher Hinsicht

Der bisherige Erfolg des KVB-Rades basiert darauf, dass das Leihradangebot an den Bedürfnissen seiner Nutzer ausgerichtet und in den ÖPNV integriert wurde. Als erstes digitales Leihradangebot in Deutschland verkörperte es den innovativsten Stand der Technik.

Dieses Mobilitätsangebot erfüllt in mehrfacher Hinsicht die Anforderung an Nachhaltigkeit: Das KVB-Rad sichert emissionsfrei die Mobilität der heutigen Generation, ohne zukünftige Generationen durch einen angefeuerten Klimawandel weiter zu belasten. Es trägt dazu bei, Kunden der KVB zu gewinnen und zu binden, die mit ihren Ticketpreisen die Gesamtleistung der KVB wesentlich finanzieren. Und es bietet eine einfach zugängliche Mobilität für eine sehr breite Bevölkerungsschicht, ohne hohe Kosten und ohne besondere Fahrtberechtigung.

Auf die Zukunft ausgerichtet

Das Leihradangebot startete 2015 mit einer Flotte aus 950 KVB-Rädern. Inzwischen ist diese auf 1.500 Räder angewachsen. In 2021 werden es 3.000 Leihräder sein. Eine weitere Vergrößerung der Flotte auf bis zu 7.000 Räder ist möglich. In 2022 werden 300 eBikes in die Flotte aufgenommen. Das Bediengebiet umfasst aktuell die Kölner Innenstadt. In 2021 wird das KVB-Rad im gesamten Kölner Stadtgebiet angeboten.

Sicher ist, dass das Leihradangebot mit der neunen Vertragsperiode eine spürbare technologische Weiterentwicklung erleben wird. Das KVB-Rad bleibt nachhaltig, solange es den Bedürfnissen seiner Nutzer entspricht und das Angebot nicht ins Leere läuft.

Neue KVB-Räder erreichen Köln

Das neue Angebot wird zum Frühjahr 2021 an den Start gehen und die nun fünf Jahre alten Räder ablösen. Die Kunden können sich über viele Verbesserungen an den Rädern, aber auch über Bewährtes, wie die 30 Freiminuten je Ausleihe für VRS-Stammkunden, freuen.

Und es wird in der Kölner Innenstadt – wie bisher – eine „Flexzone“ zur Ausleihe der Räder geben, die durch eine neue „Stationszone“ in den Kölner Vororten ergänzt wird. Damit wird das Leihradangebot auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. In der Stationszone können die KVB-Räder nur an festgelegten Stations-Standorten ausgeliehen und zurückgegeben werden. Zwischen den beiden Zonen kann aber beliebig gewechselt werden. Die Räder kennen künftig permanent ihre Position und können jederzeit die Kunden dabei unterstützen, die Ausleihe oder Rückgabe an den dafür vorgesehenen Standorten vorzunehmen. Dies sorgt u. a. auch dafür, dass Räder sich nicht auf dem 400 Quadratkilometer großen Gebiet vereinzeln, sondern an den Nachfragehotspots zur Verfügung stehen.

Insbesondere in der Ortungstechnik sowie in den digitalen Ausleih- und Rückgabeprozessen konnte mit den Bietern zusammen ein neues und innovatives Leihradsystem entwickelt werden, das dem Kunden eine einfache und intuitive Nutzung ermöglicht aber auch den Wünschen der Bürger nach einem aufgeräumten Stadtbild Rechnung trägt.

Dabei wird das KVB-Rad nicht gänzlich neu erfunden. Die Eigenschaften, die nach fünf Jahren weiterhin als gut empfunden werden, bleiben erhalten. Hierzu gehören u. a. die Dreigangschaltung und der Fahrradkorb.

Verändert wird vor allem das Schloss. Das bisherige Bügelschloss am Vorderrad wird es nicht mehr geben. Vielmehr öffnet sich zukünftig automatisch ein kleines Schloss am Hinterrad, wenn die Ausleihe über Handy (App) oder VRS-Chipkarte vollzogen ist. Diese Kundenmedien müssen nur vor die Sensoren am Hinterrad gehalten werden. Bei der Rückgabe muss das kleine Schnappschloss am Hinterrad nur durch eine kurze Handbewegung zugeschoben werden.

Der recht große Bordcomputer über dem Hinterrad verschwindet auch. Ersetzt wird er durch eine Reihe von Sensoren. Viele Prozesse, die bisher automatisch am Leihrad durchlaufen werden, erledigen nun die Server in der nextbike-Zentrale. Hierfür nutzen die Konstrukteure die Möglichkeiten des schnellen und umfangreichen Datenverkehrs.

Verbesserte Ortung dient der Nutzbarkeit

Die Ortung in allen GPS-Systemen ist eine äußerst schwierige Technologie und hängt vor allem von der Energieeffizienz ab. Die Nutzer von Leihradangeboten und verschiedener weiterer, mit Ortung arbeitenden, Dienstleistungen können das in der Regel nicht erkennen. Der Vergleichsmaßstab ist für viele das Navigationsgerät im Auto. Doch diese Technologie erhält ihre Energie kontinuierlich im Auto und kann viel häufigere Signale der Navigation realisieren. Hierdurch wird die Fahrzeugposition kontinuierlich gemeldet. Ausreißende „Tracks“, also Fehlmeldungen, die es immer gibt, werden „auf der kontinuierlichen Spur“ korrigiert.

Bisher melden die KVB-Räder ihre Position stets bei der Rückgabe. Ausreißende Tracks können somit nicht korrigiert werden, weil die Datenreihe fehlt. In den Kundenmedien wie z. B. der KVB-App werden dann verfügbare Leihräder an Orten gemeldet, an denen sie sich gar nicht befinden. Auch sind die Signale der Leihrad-Ortung bisher nicht stark genug, um auch durch dicke Mauern zu gelangen. Im Hinterhof oder gar im Hausflur abgestellte KVB-Räder verschwinden somit sehr schnell aus dem System. Dies reduziert die Verfügbarkeit der Leihrad-Flotte.

Die neuen KVB-Räder werden viel häufiger ihre Position melden können, weil durch eine verbesserte Energieeffizienz die Leistungsfähigkeit des Ortungssystems erhöht wird. Hierbei werden auch die W-LAN-Netze im Stadtgebiet genutzt, deren Sender eine konkrete Verortung haben und erkannt werden. Ähnlich wie bei den Navigationsgeräten in den Autos, werden bei den neuen KVB-Rädern Fehlmeldungen korrigiert, so dass die Ortung genauer und die einzelnen Leihräder verfügbarer werden.

Durch die Nutzung neuer Technologien wird die Sendeleistung der Signale wesentlich stärker, so dass diese nicht mehr durch dicke Mauern aufgehalten werden. Die Service-Mannschaften können dann regelwidrig abgestellte KVB-Räder durch die direkte Ansprache des letzten Nutzers aus Hinterhöfen, Hausfluren und Kellern herausholen und diese „falsche Reservierung“ von Rädern unterbinden. Durch die technische Beweisführung kann der letzte Ausleiher dann auch schneller mit der erhöhten Servicegebühr in Höhe von 25 Euro belastet werden.

Ein weiterer Vorteil der verbesserten Ortung ist, dass die Nutzer direkt an den KVB-Rädern durch grüne und rote Lämpchen angezeigt bekommen, ob eine Rückgabe an der aktuellen Stelle möglich ist oder nicht. Diese Infos werden zeitgleich auch in der KVB-App für den Nutzer angezeigt. Auch hierdurch lässt sich vor der falschen Rückgabe bereits die ansonsten fällige Service-Gebühr in Höhe von 25 Euro vermieden. Bisher gab es immer wieder Irritationen, weil die Nutzer häufig die Grenzen des Bediengebietes in Köln nicht kannten oder private Wege, Grundstücke u. ä. nicht vom öffentlichen Straßenraum unterscheiden konnten. Unbewusstes Fehlverhalten führte dann zu zeitaufwändigen Diskussionen und zum Akzeptanzverlust des Leihradangebotes.

Somit macht das KVB-Rad einen deutlichen Sprung in die Zukunft und wird ein noch besserer Baustein des Kölner Umweltverbundes.

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