Die Rondorfer sind arg gebeutelt und voller Hoffnung. In den letzten Jahren ist der Stadtteil zusammen mit Hochkirchen explodiert – über 10.000 Einwohner leben hier, es endstandenviele Neubaugebiete, die attraktive Lage am Stadtrand zog viele Menschen an. Doch die Attraktivität hat auch ihre Schattenseiten, in Sachen Infrastruktur ist in Rondorf rein garnichts passiert, Straßen und Verkehrsanbindung der KVB sind eingefroren, Geschäfte haben sich nur sehr zögerlichangesiedelt. Einen Veranstaltungsraum gibt es nicht, ‘mal schnell in die Stadt‘ geht nur mit dem Auto. Einen Dorfkern vermisst man ebenso wie eine funktionierende Sportinfrastruktur,vom notwendigen Schul-und Jugendangebot ganz zu schweigen.

Nochmal 4.000 Menschen mehr – Rondorf platzt aus allen Nähten

Doch die Rondorfer haben nicht aufgegeben – mit dem Haus der Familie haben sie in Sachen Jugendarbeit viel erreicht, die Dorfgemeinschaft Rondorf-Hochkirchen-Höningen ist seit Jahren aktiv und hat sich jetzt schlagkräftig aufgestellt. Jetzt plant die Stadt Köln, ein Neubaugebiet für4.000 Menschen auf die Beine zu stellen, zusätzlich sollen in Meschenich 1.000 Menschen neu angesiedelt werden. Was das für die Infrastruktur bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen,schon jetzt sind Busse und Straßen völlig überfüllt.

Bei den Rondorfern schrillten die Alarmglocken, das Zutrauen in die Stadt Köln ist erst einmal nicht groß, zumal man mit der Erweiterung des Sportplatzes für den SC Rondorf mit der Verwaltung leidvolle Erfahrungen gesammelt hat. Von der Stadt fordern die Rondorfer, dass nun endlich die Infrastruktur angepasst wird. Eine Umgehungsstraße muss her, eine Stadtbahn muss bis Meschenich fahren, das Dorf muss lebenswert werden. Diese Themen bewegen alle Rondorfer, dementsprechend voll war es auf dem Frühjahrsempfang der Dorfgemeinschaft in der alten Schule. „Rondorf – von der Schlafstadt zum lebenswerten Veedel“ war das Motto,Anne-Luise Müller, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, war als Referentin eingeladen, um die Planungen rund um das neue Rondorf vorzustellen.

Große Pläne – Stadtbahn, Umgehungsstraßen und neuer Dorfkern

Anne-Luise Müller es gleich auf den Punkt: „Ich bin mit dem Bus gekommen, das war tatsächlich eine kleine  Weltreise. Als erstes muss man die Mobilität erhöhen, bevorsich hier weitere Menschen ansiedeln.“ Zu den geplanten, Maßnahmen gehören die Ortsumgehung Meschenich, eine Stadtbahntrasse durch Rondorf bis Meschenich, die Entlastung des Ortskerns durch Lückenschluss zur L92N, eine Umgehungstraße um das Neubaugebiet hinter der englischen

Schule sowie die Umgestaltung des Rondorfer Ortskerns zur besseren Nutzung für Fußgänger und Radfahrer. Auch der Ausbau der B51N (Brühler Straße) gehört mit in die konkrete Planung. Für Rondorf ist eine neue Mitte mit einer Freifläche geplant, dazu werden zusätzliche Schulen und Kindergärten sowie Vollversorger in Rondorf und Meschenich angesiedelt. Doch auch die Grünflächen stehen im Fokus: „Wichtig ist die qualifizierte Einplanung von Freiflächen als Ausgleich des jetzigen Ackerlandes, was dann bebaut wird“, so Anne-Luise Müller vom Stadtplanungsamt.

Im Frühjahr ist eine Kosten-/Nutzenanalyse für die Stadtbahnlinie geplant, die mitten durch den Dorfkern von Rondorf geführt werden soll. Damit die Linie von der KVB mit Prioritätgebaut wird, müssen 4.000 zusätzliche Menschen in Rondorf angesiedelt werden, welche die Stadtbahn auch nutzen. Warum die jetzt 10.000  Einwohner dort nicht für einen rentablen

Betrieb reichen, blieb auch auf Nachfrage offen.

„Bloss nicht alles scheibchenweise“ – ein Projektmanager für alles

Die Dorfgemeinschaft will am Ball bleiben, um die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

„Wir fordern einen Projektverantwortlichen, der Zugriff auf alle beteiligten Ämter hat, damit nicht alles scheibchenweise kommt“, betonte der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Bernd Huber, unter großem Beifall. „Ich weiß, dass die Verwaltung hier radikal umdenken muss, nennen wir es

das Rondorfer Modell.“ Wichtig ist der Dorfgemeinschaft, dass das alte und neue Dorf verbunden sind, das soll durch die neue Mitte mit einer Freifläche und einem Marktplatz erreicht werden. Wichtig sei auch, den Jugendlichen einen Platz zu geben, wo sie das machen dürfen was sie machen wollen.

Trotz schlechter Erfahrungen – vorsichtiger Optimismus ist angesagt

Zwar sei man jetzt zufrieden damit, wie die Stadt mit der Dorfgemeinschaft zusammenarbeite, doch man hat auch  anderes erlebt, was auch noch einmal kurz thematisiert wurde: „Der Verzug beim Sportplatzbau ist unzumutbar, das ist eine riesengroße Peinlichkeit“, betonte Bernd Huber.

15 Jahren braucht der SC Rondorf einen neuen Sportplatz, er ist längst genehmigt und geplant, das Sportamt ist allerdings nicht in der Lage, die Pläne umzusetzen. Hier ist eine gewisse Skepsis angebracht, wenn man diese Arbeitsweise der Stadtverwaltung auf die Neugestaltung des gesamten Dorfes überträgt. Immerhin – im ersten Halbjahr2018 soll es laut Anne-Luise Müller eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben, auf Bürgerbeteiligung lege man sehr großen Wert. Die Rondorfer sind gespannt für Rondorf Nord-West. Quelle: Stadt Köln