Fabian Weitz aus Immendorf macht seinen Traum wahr

 

Wie aus einem jungen Mann ein Bulle wird

Fabian Weitz (20)aus Köln-Immendorf, Footballspieler bei den Cologne Crocodiles, ist einer von 14 Seniors aus Europa, die nach strengen Auswahlkriterien ein Sportstipendium in den USA erhielten.

Er spielt ab September bei den Buffalo Bulls, University of Buffalo im Staat New York und macht damit seinen bisher größten Traum wahr. Neben den College-Gebühren und Lernmitteln bekommt er Sportausrüstung, Unterkunft, Inlandsflüge und Taschengeld für vier Jahre finanziert.

Mit dreizehn kam er durch einen Schulkameraden auf den Geschmack und wechselte vom Fußball- zum Footballspiel.

Alexander Verbeek, sein erster Trainer bei den Cologne Falcons, erkannte sein Talent und setzte ihn als Linebacker ein, seine Zweitposition war der Runningback.

2014 wechselte er zu den Cologne Crocodiles, bei denen er auch in der Position als Long Snapper zum Einsatz kam.

Mit 1,83 m und 98 Kilo ist er etwas kleiner und leichter, wie das Idealmaß eines Linebackers, doch er behauptet sich durch Schnelligkeit, Explosivität und Spielverständnis. Nach Meinung seines Head Coaches bei den Cologne Crocodiles, Patrick Köpper, ist Fabian Weitz das größte Linebacker-Talent Deutschlands.

Internationale Erfahrungen sammelte er schon 2014 in der deutschen U15 Nationalmannschaft. Mit einer Interception trug er im Finale in Houston zum Gewinn der World Youth Football Championship seines Teams bei.

Bei der U19 Europameisterschaft in Paris war Fabian der Teamkapitän der deutschen Mannschaft. Mit 7 weiteren Spielern der Cologne Crocodiles errangen die Deutschen einen erfreulichen dritten Platz gegen das italienische Team. Hier sorgte Fabian mit einem Sack in der Endzone für einen Saftey.

In der Saison 2017 spielte er schon einige Male im GFL1-Herrenteam der Crocodiles. Seine dortige Statistik mit 14 Tackles in 5 Spielen, darunter 4 mit Raumverlust, sowie einer Interception und 2 Sacks deuten an, welches Potenzial in ihm steckt.

„Seitdem ich 14 Jahre alt war, ist es mein Traum, in den USA zu studieren und dort Football zu spielen“, erzählt der blonde Sportler lächelnd. „Ich wurde von dem Talent-Scout Brandon Collier im Juni zu der Dreamchaisers-Tour 2018 nach Buffalo eingeladen und durfte mir da schon mal alles ansehen.“

Sein Plan: Im College Business-Management studieren, was in Deutschland einem Betriebswirtschaftsstudium gleich kommt.

Überhaupt hat der junge Mann aus Immendorf klare Ziele vor Augen. In den USA muss ein Spieler mindestens 3 Jahre in einem College gespielt haben, um gedraftet, d. h. von einem Profi-Footballklub ausgewählt werden zu können.

Erst mal das Studium und später eine Profikarriere in der amerikanischen Liga anstreben, das ist sein nächster großer Meilenstein, den er sich gesetzt hat.

Kevin Speer, sein privater Fitnesscoach (www.develop-athletes.com), sagt über ihn: „Es ist so unfassbar einfach ihn zu motivieren. Er weiß, wofür er das harte Training durchzieht und das ist das Wichtigste für einen Sportler. Er macht es für sich und seine Idee und nicht für irgend jemanden anderen.“

Fabians Trainingsablauf ist extrem, gleicht dem eines Leistungssportlers. Fünf Tage die Woche trainiert er morgens 2–3 Stunden abwechselnd Beine und Oberkörper im Fitness-Studio Rhein-Gym in Lövenich. Am Nachmittag hat er Sprint- und Lauftraining mit Trainingspartnern auf dem Sportplatz der Rodenkirchener Gesamtschule auf dem Plan.

Sein Fitnesscoach hat ihm den Trainingsplan auf eine App seines Smartphones vorbereitet, den er im Studio abarbeitet.

Wegen seines Stipendiums darf Fabian diese Saison nicht in der deutschen Football-Liga spielen, deshalb hat er in den letzten drei Monaten besonders hartes Ausdauer- und Muskeltraining abgearbeitet.

„Ich will mich drüben nicht blamieren und das Beste geben. Die Motivation zum Krafttraining ist zwar manchmal schwer, aber wenn ich einmal angefangen habe, macht es auch Spaß. Kevin Speer lässt sich immer wieder was Neues einfallen, um das Letzte aus mir herauszuholen.“

Zum Training legt er sich gerne Hiphop-Musik auf, von Drake oder Troy Ave, Rockballaden und Pop sind „nicht so meins“, gibt er zwischen zwei Wiederholungen beim Bankdrücken zu.

Am Nachmittag trifft er sich mit seinem Trainingspartner Dominik Klein, der ein Football-Stipendium in Mexiko hat und zurzeit in Deutschland die Semesterferien verbringt. Auf der Sportanlage der Gesamtschule Rodenkirchen arbeiten die zwei früheren Crocodiles-Vereinskollegen an ihren Sprint- und Wurftechniken.

„Ich kenne keinen, der so viel und ernsthaft trainiert, wie Fabian“, erzählt Dominik, während er den Football mal rechts, mal links antäuscht und Fabian, den Ball immer im Blick, mit lautem Prusten zwischen den Yards-Linien, im Zickzack, hin und her sprintet.

Von dem zwei Jahre älteren Dominik holt sich Fabian Tipps zum College-Alltag, der bald sein Leben diktieren wird.

„Nach den Trainingseinheiten, dem Studium und den verschiedenen Meetings, wird er am Abend platt sein. Da wird er sich nichts anderes mehr schaffen“, erklärt Dominik.

Fabian greift nach dem Handtuch und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Er wartet darauf, dass sein Abenteuer in den USA endlich beginnt. Die Familie weiß er dabei hinter sich. Die Eltern haben ihn die letzten Jahre bei seinem Vorhaben unterstützt und auch sein jüngerer Bruder spielt bei den Crocodiles Football.

Hat Fabian Angst vor Niederlagen?

„Niederlagen spornen mich eher an, zuerst ist es logischerweise hart, aber ich glaube, wenn man schon mal eine Niederlage erlebt hat, möchte man dieses Gefühl nicht noch einmal haben. Jetzt freue ich mich darauf Helm und Pads anziehen zu können, um endlich wieder spielen zu dürfen.“

Die Hörner aufgesetzt zu bekommen, erhält hier eine ganz andere Bedeutung. Von dem sympathischen Immendorfer wird man in Zukunft noch einiges hören, das ist sicher.

(Text und Fotos : Carola Steiner)