Wir bedanken uns bei der Facebook-Seite „Geschichten aus Köln“ für den Beitrag:

Die Elsaßstrasse

Eigentlich eine x-beliebige Strasse wie jede andere auch in Köln. Gelegen in der Südstadt mit Nähe zum Chodwigplatz. Die eine Hälfte fast nur Wohngebiet, die andere schon etwas geschäftiger.

Bei näherer Betrachtung fällt einem ein fensterloses Haus auf. Ein Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg. Davon gibt es noch ein paar im Stadtgebiet. Nicht besonderes eigentlich.

Aber auf diesem Bunker gibt es ein Graffiti, das eine Geschichte erzählte. Man sieht oben eine Frau, die einiges aus dem Fenster wirft und unten einem Mann mit Fahne und ausgestrecktem Arm.

Kommen wir nun zu der Geschichte um das Graffiti von der Elsaßstrasse .

Wie in jeder guten Geschichte fällt erst mal ein Schuss. Okay, hier war es kein Schuss sondern ein Nudelholz. Aber ich greife vor.

Von Anfang an:

Wir schreiben das Jahr 1933, eine kalte Märznacht, die Nazis haben gerade in Deutschland die Macht ergriffen. Um das gebürend zu feiern (mir wird gerade schlecht bei dem Satz) rottet sich eine SA Gruppe zusammen, um in einem Fackelzug gröhlend durch die Stadt zu ziehen, mit dem Ziel Bayenthal.

Dabei zog die Gruppe auch provozierend durch die Elsaßstrasse, wo hauptsächlich Arbeiter wohnten. Irgendwann flog erstes besagtes Nudelhoz auf die SA. Das war wie ein Startschuss. Von allen Seiten flogen Flaschen, Nachtöpfe und sonstiges Interior auf die SA. Diese traten daraufhin zum Gegenangriff über. (Was anderes als eine reine Schlägertruppe waren sie ja sowieso nicht.) Es kam, was kommen musste, ein ausgewachsene Straßenschlacht entbrannte daraufhin mit zahlreichen Verletzten. Die SA forderte Verstärkung an. Reguläre Polizeitruppen riegelten daraufhin die kommplette Strasse ab, sogar Panzerwagen fuhren auf. Zahlreiche Kommunisten und Sozialdemokraten, die dort wohnten, wurden verhaftet und musste ihren Widerstand mit Folterungen teuer bezahlen.(Meines Wissens nach kein einziger Nazi.) Der Bewohner der Straße standen allesamt drei Tage unter Hausarrest. Dabei war es egal, ob Kleinkind oder altes Mütterchen.

Auch in den folgenden Tagen und Wochen gab es immer wieder Hausdurchsuchungen und Razzien, wobei die Wohnungen meistens danach wie ein Schlachtfeld zurück gelassen wurden.

An diese „Schlacht“ soll das Graffiti auf dem Bunker erinnern. Oben die Hausfrau mit den Blumentopf, unter der Nazi mit dem erhobenen Arm zu „….. Gruß und zerrissener Fahne.

Gestaltet hat das Wandbild übrigens der Künstler Klaus Paier. Der 1942 gebaut Bunker dient heute keinem besonderen Zweck mehr, es ist nur einfach zu teuer und aufwendig ihn Abzureissen. Somit bleibt er uns auch weiterhin erhalten und wir sollten ihn als Mahnung nehmen.

Wenn auch nicht unbedingt so, so doch: „Wehret den Anfängen!“

Ich bin dann mal für heute wieder weg. Euer Herbert