Es klingelt an der Tür (eine Form des Respekts, die mein Vater
sehr zu schätzen weiß), dann lässt der Mitarbeiter des
Betreuungsdienstes sich mit dem anvertrauten Schlüssel selbst
herein. Eine netter junger Mann kommt ins Zimmer und
begrüßt meinen Vater gut gelaunt. Es ist wieder Zeit zum
Spazierengehen. Der Mitarbeiter des Betreuungsdienstes hilft
meinem Vater in die Schuhe und die Jacke, dann gehen sie
plaudernd los. Mein Vater schiebt den Rollstuhl und hält damit
sein Gleichgewicht; wenn er müde werden sollte, setzt er sich
hinein und wird zurückgeschoben. Heute unterhalten sie sich
angeregt über die anstehende Fußball-WM. Wieder zu Hause,
kocht der junge Mann meinem Vater noch ein Tässchen Kaffee
und stellt ihm ein Stück Kuchen hin, das meine Mutter
vorbereitet hat.
Mein Vater, 83, leidet an Fibromyalgie, einer Krankheit, die
ihm große Schmerzen bereitet und die seine Mobilität stark
einschränkt, obwohl er geistig fit ist. Inzwischen hat er
Pflegegrad 3 und wird von meiner Mutter zu Hause versorgt.
Sie kümmert sich allein um den gesamten Haushalt und den
Garten, die Wäsche, das Einkaufen, bekocht ihn, hilft ihm
beim Duschen und Anziehen. Um beweglich zu bleiben, ist es
zudem unerlässlich, dass mein Vater jeden Tag ein Stück
spazieren geht. Doch auch meine Mutter ist nicht mehr die
Jüngste und all das zehrt extrem an ihren Kräften. Sie ist
erschöpft, hat kaum noch Zeit für sich, für ein Hobby oder ihre
Freundinnen. Da ich selbst über 400 Kilometer entfernt
wohne und voll berufstätig bin, kann ich nur manchmal
vorbeikommen und sie entlasten. Diese und ähnliche
bedrückende Situationen kennen viele Familien.
Für solche Fälle, oder ältere Menschen, die alleine leben, gibt
es ab Pflegestufe 1 die sogenannten Betreuungs- und
Entlastungsleistungen, deren Kosten von der Pflegekasse
getragen werden. 2017 wurde das System gründlich umgestellt
und unbürokratischer gemacht. Vielen Familien sind diese
Möglichkeiten jedoch noch gar nicht bekannt, dabei könnten
sie die Hilfe so gut gebrauchen.
Bis zu 125€ stehen jedem Pflegebedürftigen ab Pflegestufe 1
monatlich zur Verfügung, um sich oder seine pflegenden
Angehörigen im Alltag zu entlasten. Zudem kann auch das
Budget der Verhinderungspflege und anteilig das der nicht
genutzte Kurzzeitpflege für die Betreuungsleistungen
eingesetzt werden. Qualifizierte, seriöse Betreuungsdienste,
wie zum Beispiel Baum des Lebens hier bei uns in Sürth,
begleiten zum Arzt oder Friseur, gehen Einkaufen, Kochen,
helfen im Haushalt, oder kümmern sich um Menschen mit
Demenz, die nicht mehr allein zu Hause gelassen werden
können.
„Pflegende Angehörige oder Menschen mit einer Pflegestufe
sind zudem von der Situation oft komplett überfordert“,
erzählt mir Marion Rohde-Glaw von Baum des Lebens „Sie
hätten theoretisch Anspruch auf diverse Leistungen, die ihnen
das Leben erleichtern würden, haben aber keinen Überblick
darüber was ihnen genau zusteht und welche Schritte dafür
notwendig sind. Auch für eine solche Beratung kommt die
Pflegekasse auf. Das Gleiche gilt für eine praktische
Einführung in die Häusliche Pflege.“
Übrigens: Menschen, die eine sinnvolle Aufgabe suchen und
sich etwas dazuverdienen möchten, bieten Betreuungsdienste
wie Baum des Lebens ein sehr schönes Betätigungsfeld.
Für meine Mutter bedeuten die beiden Nachmittage, an denen
zwischendurch jemand nach mein Vater sieht und mit ihm
spazieren geht, dass sie mal wirklich abschalten und sich
erholen kann. Und ich bin, 400 Kilometer weit entfernt, sehr
erleichtert, dass jemand meinen Eltern zur Seite steht.

Die Autorin (Name der Redaktion bekannt), lebt und arbeitet
in Köln.

BDL Anzeige 82 Marion Glaw Rohde