Artur Tabat – Alles dreht sich ums Rad

Einen Beruf hat er auch gelernt, Lackierermeister mit eigenem Betrieb , doch der geriet im Laufe seines Lebens immer weiter ins Hintertreffen. Das Fahrrad bestimmte die Geschicke des Artur Tabat, 1963 wurde der Grundstein dazu gelegt. Hat er zunächst seinem Vater und seinen Brüdern nur bei dessen Radrennen geholfen, gilt der heute 76-jährige als eine Ikone des Radsportes.  „Da hat es mich gepackt“, erinnert sich Artur Tabat an die Einsätze für seinen Vater. So bekam er Kontakt in die Rennsportszene, schon ein Jahr später war er als Helfer bei „Rund um Köln“ dabei, ein Radrennen, das seit 1908 rund 200 km durch Köln und das Kölner Umland führt. 

 

Rund um Köln – der Einstieg

Dabei hatte die Familie eigentlich gar kein Geld für teure Fahrräder. „Unser Vater hat uns bewusst vom Radsport ferngehalten, er konnte uns gar kein Rennrad kaufen.“ Bei sechs Kindern, fünf Söhnen und einer Tochter, wäre das auch eine teure Angelegenheit geworden. Natürlich war die Familie Mitglied im Verein Cölner Straßenfahrer e.V., der „Rund um Köln“ organisierte. Der damalige Vorsitzende Gerd Uhlenbruch nutzte die Begeisterung des jungen Radsportfans und engagierte ihn spontan als Helfer für das Rennen.  „Wir sind zusammen in die Eifel gefahren, und haben ehrenamtliche Helfer gesucht“, erinnert er sich lachend an die Anfänge. Einfach war das schon damals nicht, aber seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus, sie kamen mit genügend Helfern im Gepäck nach Köln zurück.

Rund um Köln – plötzlich Chef

Für die Veranstaltung gab es ein ständiges auf und ab, mal arbeitete man mit Profis, mal nur mit Amateuren. Auch die Finanzierung stand oft genug auf der Kippe, mit dem Bund Deutscher Radfahrer gab es einige Querelen. 1973 gab es einen Schock für Artur Tabat: „Ich erfuhr aus der Zeitung, das Gerd Uhlenbruch die Brocken hingeworfen hat.“ Er hatte die Nase voll vom ständigen Ärger mit dem Verband. Vier Wochen vor dem Rennen war der Chef weg – was tun? „Du musst das machen“, sagten alle zu Artur Tabat. „Ich war der einzige der Ahnung hatte, ich hab’s gemacht, das Rennen fand natürlich statt.“ Der Bund Deutscher Radfahrer hatte Das Rennen zwar unterstützt, wollte es aber nicht zu groß und damit mächtig werden lassen. Auch Artur Tabat hatte seine Freude mit dem Verband. Am gleichen Tag, als „Rund um Köln“ stattfand, hatte der Verband ein Wertungsrennen in Hamburg angesetzt, an dem die Profis teilnehmen sollten. Allerdings war die Aktion ein Flop – in Hamburg starteten nur 40 Fahrer. Heute lacht Artur Tabat darüber, die Querelen mit dem Verband sind längst Vergangenheit.

Rund um Köln – immer auf der Kippe

„Die Organisation eines solchen Rennens ist immer ein Lotteriespiel“, weiß Artur Tabat. Natürlich kostet so ein Rennen Geld, jedes Jahr sind schärfere Auflagen zu erfüllen, der Organisationsaufwand ist gigantisch, heute sind 1800 freiwillige Helfer an der Strecke im Einsatz. Lange war man von einem Hauptsponsor abhängig, als der auf dem Höhepunkt der Doping-Diskussion ausgestiegen war, stand man mal wieder vor dem Aus. „Besser, man hat viele kleine Sponsoren als einen großen“, hat er daraus gelernt. Heute ist „Rund um Köln“ sehr breit aufgestellt, zwei Hauptsponsoren halten ihm die Stange. Zusätzlich hat er das Eigelstein-Rennen gegründet, ein kleines Rennen, für das man leichter Sponsoren gewinnen kann. Mit dieser Veranstaltung werden Gewinne eingefahren, damit hat Artur Tabat „Rund um Köln“ lange am Leben erhalten.

Rund um Köln – rasantes Wachstum

Mit dem Kölner Klassiker ging es rasant nach oben. Artur Tabat erkannte schnell die Notwendigkeit, ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen, was ihn bei der Organisation entlastet. Zunächst einmal wurde eine Agentur beauftragt. Bei einer Radtour vom Bodensee nach Köln traf er einen Radsportfreund aus der Werbebranche, 1990 stieg der mit seiner Agentur ein. Viele neue Ideen kamen auf, doch umgesetzt wurde nur eine Maßnahme: „Jetzt kamen Profis ins Rennen, ich hatte 19 Jahre zuvor nur mit Amateuren gearbeitet.“ Die Agentur war schnell wieder weg, „die hatten tolle Einfälle, aber nie Geld.“ Artur Tabat hat es dann alleine gemacht – und es lief besser denn je. Der Etat vervierfachte sich, das Medieninteresse stieg an, damit auch das Interesse an einer professionellen Vermarktung. Diese Rechte trat Artur Tabat Ende der 90-er Jahre an eine Agentur ab, die brachte allerdings nichts zustande, pochte aber auf ihren Rechten. Den „Knebelvertrag“ wurde man nur los, indem man das Rennen 10 Tage vor dem Start absagte. „Das war ein schwerer Schlag in die Magengrube.“ Aber, Hartnäckigkeit zahlte sich wiederum aus, 1999 fand das nächste „Rund um Köln“ wieder statt. Das Rennen wurde ein großer Erfolg, wurde vom Fernsehen übertragen, die Sponsoren und die Radrennprofis gaben sich die Klinke in die Hand. Dann kam der große Knall.

Rund um Köln – Dopingaffäre hat alles verändert

Die Dopingaffäre kam auf, viele Sponsoren, darunter der Hauptsponsor, zogen sich zurück. „Doping gibt es in allen Ausdauersportarten, nur der Radsport wurde damals völlig herausgehoben.“ Heute wird härter kontrolliert, für Radsportler wird ein Blutpass geführt. „Das ist das schärfste Mittel, um auch Langzeitwirkungen zu dokumentieren, „erläutert Alexander Donike, die rechte Hand von Artur Tabat bei „Rund um Köln“. „Heute verlangen die jungen Profis, schützt uns vor den schwarzen Schafen.“ Auch aktuell gibt es noch Doping-Diskussionen im Radsport, aber „Rund um Köln“ hat sich davon gelöst. Das damals aktuelle Rennen wurde zwar abgesagt, aber nur aufgrund eines plötzlichen Wintereinbruchs, nicht wegen der Dopingaffäre. Artur Tabat hatte so Zeit, die Veranstaltung wieder auf solide Beine zu stellen, bis heute ist „Rund um Köln“ als das älteste deutsche Profiradrennen ein erfolgreicher Klassiker. Das nächste Rennen findet am 10. Juni 2018 statt, 22 Profimannschaften werden starten.

 

Rund um Köln – die Zukunft ist gesichert

Artur Tabat ist 76 Jahre alt, gerade von einer schweren Krankheit vollständig genesen, sein Alter sieht man ihm nicht an. Quirlig wie eh und je kümmert er sich um viele Details, trotzdem legt er „Rund um Köln“ langsam in jüngere Hände. „Man wird schon etwas müde“, gesteht er lächelnd ein. „Wir wollen Artur vom operativen Geschäft entlasten, ganz gehen darf er nie, er ist das Gesicht dieses Rennens“, betont der frühere Amateurradsportler Alexander Donike, der sich mit einem Team um die Veranstaltung kümmert. Mit seinem Bruder Manfred, ebenfalls ein ehemaliger Radsportler, der zwischenzeitlich verstorben ist, stieg er bei „Rund um Köln“ ein, um Artur Tabat zu entlasten. Das Team ist inzwischen perfekt aufeinander eingespielt, mit stoischer Ruhe beobachtet Alexander Donike seinen quirligen Chef, der gerade aus dem Zimmer springt, um ein Hotel für die Radsportler klar zu machen.

 

Artur Tabat – das Rad bleibt

Artur Tabat setzt sich nach wie vor auf sein Rennrad und fährt mal schnell eine Runde durch Köln oder das Umland. Das hält ihn fit und gesund. Er weiß, wie gefährlich das ist, „ich fahre immer auf dem Radweg, auf der Straßen sägen sie dich weg“. Die vielen im Verkehr getöteten Radfahrer findet er „ganz schrecklich, ich darf da gar nicht dran denken.“ Die Radwege sind „in einem katastrophalen Zustand“, warum da nichts passiert, ist ihm ein Rätsel. Die Politik? „Die haben mich immer toll unterstützt“, erinnert er sich an die „gestandenen Leute“. Heute hat er mit den Politikern nicht mehr viel am Hut, „das ist alles anders geworden“ winkt er ab. Braucht er auch nicht – „Rund um Köln“ läuft – und „die Werkstatt habe ich auch noch an der Backe.“ Und die läuft auch.