Stadt Köln legt ersten Lebenslagenbericht vor

Der Kölner Lebenslagenbericht bietet erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme über die Lebenslagen der Kölner*innen. Diese datengestützte Analyse untersucht die Rahmenbedingungen, die das Leben eines Menschen beeinflussen oder prägen: Gesundheit, Schulausbildung und Berufsausbildung, Erwerbstätigkeit, materieller Lebensstandard, Wohnen, Umwelt, soziale, kulturelle und politische Einbindung. Diese Bereiche werden im Lebenslagenbericht jeweils in vier Lebensphasen betrachtet: Kindheit und Jugend, junges und mittleres Erwachsenenalter und Seniorenalter.

Der Bericht geht der Frage nach, welche Belastungen sich für Männer und Frauen ergeben, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sowie für Menschen mit und ohne Behinderungen. Besondere Aufmerksamkeit richtet der Bericht auf die Bevölkerungsgruppen, die von Armut und weiteren Belastungen besonders bedroht oder betroffen sind beziehungsweise deren Teilhabechancen überdurchschnittlich stark eingeschränkt sind.

Darüber hinaus beschäftigt sich der Bericht mit dem Entstehen prekärer Lebenslagen: Wenn beispielsweise gesundheitliche Einschränkungen und Bildungsdefizite vorhanden sind, kann im späteren Verlauf des Lebens der Zugang zu einer beruflichen Ausbildung und zu einer Erwerbstätigkeit beeinträchtigt sein. Damit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit einer guten Einkommenssituationen und Wohnsituation sowie einer guten Versorgung im Alter. Teilhabe beziehungsweise soziale Ausgrenzung wird also auch auf nicht-monetäre Aspekte untersucht.

Wesentliches Ziel des Berichts ist es, auf der Grundlage dieser Analyse, die Arbeit der Stadtverwaltung noch weiter zu verbessern. Der Bericht richtet sich also zum einen an die städtischen Fachverwaltungen. Er richtet sich aber auch an die Stadtgesellschaft und die vielen Akteur*innen –  von den Wohlfahrtsverbänden bis hin zur Wirtschaft.

Der Bericht zeigt, dass es den meisten Kölnerinnen und Kölnern gut geht. Zudem unterscheiden sich die Lebenslagen in Köln nicht wesentlich von den Lebenslagen der Bevölkerung anderer Metropolen. Allerdings sind noch zu viele Menschen in unserer Stadt einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt,

sagt Dr. Harald Rau, Beigeordneter für Gesundheit, Umwelt, Gesundheit und Wohnen der Stadt Köln.

Um die Lebensbedingungen und Teilhabechancen insbesondere von Menschen mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten zu unterstützen und neue Perspektiven zu eröffnen, werden wir verstärkt und treffsicherer mit integrierten Lösungen ansetzen. Für diese Aufgabe ist der Lebenslagenbericht eine fundamentale Arbeitsgrundlage.

Ein grundlegendes Ergebnis der Studie ist, dass insgesamt in Köln zukünftig mehr junge und mehr alte Menschen leben werden – denen ein geringer Anteil von Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren gegenübersteht. Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter nimmt ab. Dies stellt die Kommune vor Herausforderungen im Bereich der Daseinsvorsorge und der ökonomischen Entwicklungen.

Zudem wird sichtbar, wie die Teilhabechancen und Teilhaberisiken im Stadtgebiet verteilt sind: Während 25 Kölner Stadtteile sehr gut aufgestellt sind, sieben gut und 38 durchschnittlich, werden in 16 Stadtteilen stark erhöhte Problemlagen im Sinne von Mehrfachbelastungen aufgezeigt. Diese Stadtteile liegen überwiegend in den im Programm „Lebenswerte Veedel“ bereits besonders berücksichtigten Sozialraumgebieten. Sie benötigen weiterhin besondere Aufmerksamkeit im Hinblick auf Teilhaberisiken in allen Lebenslagenbereichen sowie in der Stadtentwicklung, auch um der Verfestigung von Segregation entgegenzuwirken.

Der Bericht wurde im Auftrag des Rates der Stadt Köln vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) unter Federführung der Stabstelle Sozialplanung und Sozialberichterstattung erstellt. Vertreter*innen der Fachverwaltungen, der Wohlfahrtsverbände und der politischen Fraktionen haben das Konzept für diesen integrierten Bericht mitgestaltet. Eine dezernatsübergreifende Lenkungsgruppe hat den Prozess der Berichterstellung durch das ISG mit Anregungen und Diskussionen begleitet.

Der Lebenslagenbericht wurde auf Basis der aktuellsten Daten verfasst, die während der Erstellung zur Verfügung standen. Diese stammen maßgeblich aus dem Jahr 2018. Das Thema Corona und dessen Auswirkungen sind in diesem Bericht nicht abgebildet.

Der Bericht wird den Gremien des Rates zur Beratung vorgelegt. Vorgesehen ist eine Beschlussfassung zum weiteren Vorgehen im Rat am 6. Mai 2021.Kölner Lebenslagenbericht

(Text: Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Katja Reuter)