Die Mayersche Buchhandlung Köhl hatte den in Rodenkirchen lebenden Autor Heribert Schwan zu einer Lesung aus seinem Buch „Spione im Zentrum der Macht – Wie die Stasi alle Regierungen seit Adenauer bespitzelt hat“ eingeladen. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass die Buchhandlung kurzfristig beschloss, den Abend ins Brauhaus Steeps zu verlegen. Dr. Heribert Schwan ließ so spannend wie ein Krimi deutsch-deutsche Geschichte Revue passieren. Die hoch peinliche Spionageaffäre, als Günter Guillaume als DDR-Agent in direkter Nähe von Willy Brandt enttarnt wurde, der Kanzler zurücktrat, war aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn es dürften Tausende DDR-Spitzel gewesen sein, die über die BRD-Regierung in Bonn berichteten. Besonders spannend: Aus welchen Milieus und mit welchen, oft gescheiterten Lebensläufen, kamen die Stasi-Spione? Warum stellten sie sich in den Dienst des Ministeriums für Staatssicherheit? Bei wem ließ sich die „Romeo“ bzw. „Julia“-Taktik anwenden? Welche perfide psychologische Rolle spielten Führungsoffiziere? Schwans Antworten basieren nicht nur auf 70.000 Blatt Stasi-Akten, sondern vor allem auf die Akten der Ermittlungsbehörden in Karlsruhe und zahlreichen Interviews, die der ehemalige Journalist vom Deutschlandfunk, WDR und Kohl-Biograph geführt hat. Als Zeitzeuge war Fritz Pleitgen, WDR-Intendant 1995-2007, auch bei der anschließenden Diskussion eingeladen. Das faszinierende Buch gibt es im Buchhandel zu kaufen.

(Bericht und Foto: Beatrix Polgar-Stüwe)