Seit Beginn des Jahres ist die Impfkampagne in Deutschland im Gange und dies, wie bereits umfassend kommentiert, schleppend, mit deutlichen Verzögerungen und mit teilweise unklarer Priorisierung.
Dennoch ist es gelungen, einen nicht unerheblichen Teil der Menschen in Alten- und Pflegeinrichtungen und das dort arbeitende Personal zu impfen, so dass zumindest in diesem exponierten Umfeld mittlerweile ein gewisses Maß an Ruhe und Sicherheit eingekehrt ist. Dieses Maß an Sicherheit benötigen die besonderen Wohnformen für Menschen mit Behinderung in Köln ebenfalls. Offenbar ist die Stadtverwaltung aber nicht gewillt, die Situation der hier lebenden Menschen ernst zu nehmen.
Bereits zum Jahreswechsel 2020/2021 sind die Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe in Köln aufgefordert worden, impfwilliges Personal und Bewohner*innen zu melden und die entsprechenden Formulare zu erstellen und impfende Hausärzte anzufragen. Unsere Einrichtungen sind dieser Aufforderung umfassend nachgekommen und stehen seit Beginn des Jahres in Wartestellung. Die Impfbereitschaft ist sehr hoch.
Seither geschehen ist: nichts. Sämtliche Anfragen an die Verantwortlichen der Stadt Köln sind seit Beginn des Jahres nicht beantwortet worden. Eine zielgerichtete, transparente Kommunikation mit der Verwaltung, dem Gesundheitsamt und den Heimaufsichtsbehörden hat nicht stattgefunden. Die Stadt Köln hat alle Anfragen, Bitten und die dringenden Hinweise auf die Notwendigkeit der Impfungen von Menschen mit Behinderungen in Wohneinrichtungen ignoriert.
Gleichzeitig wurden aber bereits Ende des Jahres 2020 diejenigen Einrichtungen, die zur Caritas und zu den Sozialbetrieben der Stadt Köln gehörten, umfassend durchgeimpft und die Oberbürgermeisterin konnte dies pressetauglich vermelden. Ambulante Pflegedienste und Alltagsbetreuer, welche stundenweise Familien aufsuchen, konnten bereits seit Mitte Februar in den Genuss von Impfterminen kommen.
Um die Situation noch einmal zu verdeutlichen: in den beschrieben Wohneinrichtungen leben Menschen mit Behinderung verschiedensten Alters und Vorerkrankungen zusammen, teilweise berentet, teilweise in einer Werkstatt arbeitend (und mit Zubringerbussen unter Nichteinhaltung der Abstandsregeln dorthin befördert), betreut von wechselndem Personal und mit der Möglichkeit, jederzeit Ihre Verwandten zu besuchen bzw. umgekehrt. Jederzeit kann hier ein Infektionscluster entstehen und um sich greifen, wie die Situation in einer Kölner Einrichtung zeigt. Der vergleichsweise milde Verlauf der Pandemie in den Einrichtungen der Eingliederungshilfe in Köln im Allgemeinen ist der hohen Sorgfalt des dort arbeitenden Personals geschuldet und nicht, wie die Stadt Köln wohlfeil behauptet, Ihren Unterweisungen zur Hygiene.
Seit Mitte dieses Monates ist zumindest insoweit Bewegung in die Sache gekommen, dass nach eindringlicher Aufforderung verschiedener Träger Impftermine im Impfzentrum für das Personal dieser Einrichtungen freigegeben wurden und nunmehr Impfungen von berufstätigen Menschen mit Behinderung über die Werkstätten erfolgen sollen.
Für Personen, die nicht in einer Werkstatt arbeiten, bleibt die Situation im Ungeklärten, da die Stadt Köln Ihren Auftrag zur Koordinierung dieser Situation nur schleppend nachkommt. Nur durch hohes Insistieren ist es möglich, punktuell für Abhilfe zu sorgen.
Seit Beginn der Corona Pandemie in Deutschland müssen wir daher feststellen, dass Menschen mit Behinderung in Köln in besonderen Wohnformen keine nennenswerte Lobby haben und bei der Umsetzung von Unterstützung und Hilfen hintenanstehen müssen und fordern die Stadt Köln auf, sich endlich kompetent um die Belange dieser Menschen zu kümmern.

(Text: Frank Erhard/Geschäftsführer –Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Rodenkirchen e.V.)