Museumsdienst bietet inklusives Programm für Menschen mit Sehbehinderung

Die „Woche des Sehens“ ist eine bundesweite Informationskampagne, die vom 8. bis 15. Oktober stattfindet. Sie schließt den „Welttag des Sehens“ am 14. Oktober 2021 sowie den „Tag des weißen Stocks“ am 15. Oktober 2021 als internationale Aktionstage mit ein. Dies hat der Museumsdienst Köln zum Anlass genommen, gemeinsam mit den Museen der Stadt Köln sowohl analoge als auch digitale Angebote im Bereich Bildung und Vermittlung für Menschen mit und ohne Sehbehinderung und deren Begleitung zu entwickeln und anzubieten.

Programm in den Museen der Stadt Köln

„Über Worte zu Bildern: Deskriptive Führung für Menschen mit Sehbehinderung und ihre Freund*innen im Museum Ludwig“

Der lebendige Rundgang verbindet ausführliche Beschreibungen mit spontanem Austausch. Ziel der gemeinsamen Entdeckungsreise ist nicht die trockene Wissensvermittlung, sondern das anregende Erlebnis. Ausgehend von den ausgewählten Kunstwerken ist das Publikum eingeladen, die Kunst im Gespräch selbst zu entdecken. Die analogen Termine von 90 Minuten, jeweils um 11 Uhr vor Ort in der Ausstellung, finden am Dienstag, 12. Oktober, und Donnerstag, 14. Oktober 2021, statt. Digitale Führungen, die vom heimischen Computer aus wahrgenommen werden können, starten jeweils um 16 Uhr und dauern 60 Minuten.

Sie finden am Mittwoch, 13. Oktober, und am Donnerstag, 14. Oktober 2021, über die digitale Plattform BigBlueButton statt. Der Zugangslink wird nach Anmeldeschluss per E-Mail übermittelt. An der analogen Führung können neun Personen mit Sehbeeinträchtigung (plus gegebenenfalls Begleitung) teilnehmen, fünfzehn bei der digitalen Führung.

„Geschichte begreifen: Das Kölner EL-DE-Haus – Führung für sehbehinderte und blinde Menschen im NS-Dokumentationszentrum“

Am Freitag, 15. Oktober 2021, 11 Uhr, können sehbehinderte und blinde Menschen im NS-Dokumentationszentrum an einem 90-minütigen Rundgang durch die Räume der Gedenkstätte teilnehmen, bei dem Originalexponate für eine haptische Erfahrung zur Verfügung gestellt werden.

Während des Rundgangs durch die Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus“ und die Gedenkstätte „Gestapogefängnis“ erfahren die Teilnehmer*innen mehr über die Geschichte des EL-DE-Hauses und die NS-Zeit in Köln – erstmals erzählt auf eine ganz neue Art und Weise: Anhand verschiedener Exponate wird die Geschichte tastend erfahrbar. An der analogen Führung können acht Personen mit Sehbeeinträchtigung (plus gegebenenfalls Begleitung) teilnehmen.

„Tischkultur und Tafelfreuden bei den Römern – Führung für sehbehinderte und blinde Menschen im Römisch-Germanischen Museum im Belgischen Haus“

Im Römisch-Germanischen Museum können Interessierte am Sonntag, 10. Oktober 2021, 11 Uhr, bei einer etwa zweistündigen Hands-on-Führung Tischkultur und Tafelfreuden der Römer erleben. Die Römer*innen liebten gutes Essen. Nahrungsmittel kamen oft aus der Region, zum Teil aber auch – wie die Gewürze – aus weit entfernten Ländern. Aber nicht jeder konnte sich diesen Luxus leisten. So zeigen Zutaten und Geschirr die ganze Bandbreite vom einfachen Teller bis hin zu teurem Tafelgeschirr. Anhand von originalen Funden und Repliken werden verschiedene Aspekte des römischen Gastmahls und Feierns angesprochen. Anfassen ist ausnahmsweise erlaubt. An der analogen Führung können acht Personen mit Sehbeeinträchtigung (plus gegebenenfalls Begleitung) teilnehmen.

Informationen zur Anmeldung und Teilnahme am Programm

Da die Plätze für die Führungen vor Ort und im digitalen Raum begrenzt sind, wird um Anmeldung über die Seite www.museen.koeln unter „Veranstaltungen“ bis spätestens zwei Tage vor dem jeweiligen Termin gebeten. Die Veranstaltungen anlässlich der „Woche des Sehens“ sind kostenlos, es wird nur der Eintritt in die jeweiligen Museen erhoben. Informationen zu allen Terminen und Treffpunkten sind im Veranstaltungskalender auf der Seite www.museen.koeln zu finden sowie unter www.woche-des-sehens.de/veranstaltungskalender.

Interessierte Gruppen können diese Angebote beim Museumsdienst Köln auch individuell zu anderen Terminen per E-Mail über service.museumsdienst@stadt-koeln.de buchen.

Für diejenigen, die sich gerne selbständig informieren möchten, bietet sich der beschreibende Audioguide zur Design-Dauerausstellung des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) an: www.makk.de/App-Audioguide. Der Audioguide kann auf das eigene Endgerät geladen und überall angehört werden.

Der Fachbereich Inklusion beim Museumsdienst Köln

Kulturelle Teilhabe für alle Menschen ist für den Museumsdienst Köln ein zentrales Anliegen. Im Rahmen des Projekts „Museen – Menschen – Medien“ im Rahmen der Verwaltungsreform der Stadt Köln konnte beim Museumsdienst eine Stelle für das übergreifende Thema Inklusion im Bereich der Bildung und Vermittlung eingerichtet werden.

Inklusive Angebote sind keine Nischenprodukte. Sie bieten die Möglichkeit, im Austausch von Menschen mit und ohne Behinderung Kunst und Geschichte gemeinsam zu entdecken und zu erleben. Die Museen der Stadt Köln bieten dazu eine phantastische Themenvielfalt

so Dr. Matthias Hamann, Direktor Museumsdienst Köln.

Der Museumsdienst setzt diese Programme zusammen mit Julia Greipl (M.A.) um, die Kunstgeschichte in Düsseldorf, Perugia und Brüssel studiert hat und freiberuflich als Autorin arbeitet. Seit 2019 ist Julia Greipl als speziell geschulte Expertin des Museumsdienstes für Menschen mit Sehbeeinträchtigung tätig. Sie versteht sich dabei als Begleiterin, die im Museum Orientierung gibt, Wege aufzeigt und Tipps zum Folgebesuch und zum Erleben von Kunst, mit oder ohne Begleitung, gibt.

Die Museen der Stadt Köln sind für alle Besucher*innen ganz oder teilweise barrierefrei erschlossen. Menschen mit Beeinträchtigungen können in allen Museen Bildungs- und Vermittlungsprogramme wahrnehmen.

Inklusives „Bild der Woche“ am 11. Oktober

Mit der Frage, wie blinde und stark sehbehinderte Menschen Informationen und Bilder zum Beispiel auf Webseiten wahrnehmen, beschäftigt sich die Rubrik „Bild der Woche“ auf  www.museen.koeln. Meist nutzen Menschen mit Sehbehinderung eine spezielle Software, die ihnen die Texte zu den Abbildungen vorliest.

Abbildungen werden mit sogenannten Alternativtexten versehen. Anlässlich der bundesweiten „Woche des Sehens“ können Interessierte auf dem Portal www.museen.koeln in der Rubrik „Bild der Woche“ ein Beispiel für einen Alternativtext lesen, bevor Sie das zugehörige Bild gezeigt bekommen. Mit dieser Aktion möchte der Museumsdienst Köln für die Belange für blinde und sehbehinderte Menschen sensibilisieren.

(Text: PI/ Stadt Köln/Benedikt Mensing)