NABU: Schwalben künden vom nahenden Sommer

Die gefährdeten Glücksboten brauchen Hilfe / Mehr Bewerbungen für NABU-Auszeichnung „Schwalbenfreundlichen Haus“

Ihr munteres Zwitschern verbinden viele Menschen mit dem Sommer: Die Schwalben kehren Ende März aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück und läuten damit den wärmeren Teil des Jahres ein. Leider hat ihr Bestand in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Dem will der NABU mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ etwas entgegensetzen. Immer mehr Hausbesitzende machen mit.

Die häufigsten Schwalbenarten bei uns sind Rauch- und Mehlschwalben. Mit jeweils etwa 700.000 Brutpaaren gibt es allerdings nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren. Die Mehlschwalbe ist gefährdet, die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Gründe sind das Insektensterben sowie Trockenheit im Winterquartier durch die Klimakrise und Extremwetterereignisse auf dem Zugweg. Außerdem finden die Vögel immer weniger Nistmöglichkeiten. Mehlschwalben nisten außen an Gebäuden, Rauchschwalben in offenen Scheunen und Ställen. „Um Verschmutzungen zu vermeiden, entfernen Hausbesitzende die Nester von Mehlschwalben. Und Bauern verschließen häufig Rauchschwalben ihre Ställe, um vermeintlichen Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Dabei besteht gar keine Gesundheitsgefährdung durch Schwalben“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler.

Die Mehlschwalbe mit ihrem leuchtend weißen Bürzel und Bauch und dem tief gekerbten Schwanz nutzt vor allem rau verputzte Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Bau ihres Nestes. Sie brütet gerne in Kolonien. Das bringt jedoch Kot und Reste von Nistmaterial an Fassaden und auf dem Boden mit sich, über die sich die Hausbewohner ärgern. „Viele Nester werden daher mutwillig zerstört, dabei würde ein einen halben Meter unterhalb der Nester angebrachtes Brett oder eine gelegentliche Säuberung bereits helfen, Verschmutzungen zu vermeiden“, so Rümmler.

Rauchschwalben, die über ihre braunrote Färbung von Kehle und Stirn gut erkennbar sind, bevorzugen Balken oder Mauervorsprünge in Ställen, Scheunen oder Carports. Um Rauchschwalben bei der Nistplatzsuche zu helfen, rät Rümmler: „Möglichst viele Lager und Ställe sollten in der warmen Jahreshälfte nicht komplett verschlossen sein. Eine Einflugluke reicht Rauchschwalben bereits.“

Wer an Wohnhaus, Garage, Carport oder Stall Nistplätze für Schwalben anbietet, erhält vom NABU die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. Immer mehr Menschen engagieren sich auf diese Weise für den Schwalbenschutz – 2021 waren es fast 2.000. Seit Start des bundesweiten Projektes 2017 gab es allein über 8.300 Bewerbungen bei der Koordinationsstelle des NABU. Hinzu kommen Bewerbungen direkt bei den NABU-Aktiven vor Ort. Rümmler: „Das ist auch ein Beitrag dazu, dass sich die Bestände beider Arten in den letzten zehn Jahren stabilisiert haben, wenn auch auf niedrigem Niveau. Es wäre wünschenswert, dass noch mehr Hausbesitzende mitmachen.“ Eine Schwalbe macht eben noch keinen Sommer.