Rodenkirchen feiert mit dem KRV den 89. Stadtachter

Bonner Rudergesellschaft siegt erneut im sportlichen Highlight der Kölner Lichter

Am Samstag, den 13. Juli 2019, startet gegen 21:30 Uhr mit beginnender Dämmerung das sportliche Highlight der Kölner Lichter: 9 Teams aus dem Rheinland gehen auf die anspruchsvolle Strecke über mindestens 2000 Meter auf dem Rhein. Der ist pünktlich seit 20:00 Uhr für die Berufsschifffahrt gesperrt. Am Ufer auf beiden Seiten des Stromes warten Hunderttausende seit Stunden auf das Einbrechen der Nacht – das Feuerwerk startet erst um 23:30 Uhr.

In Rodenkirchen – alles ist vorbereitet

Seit Dienstag ist das Organisationsteam mit der praktischen Durchführung beschäftigt, die Planung steht seit langem, jetzt wird angepackt: Der Bootshof ist gefegt und mit allerlei Fahnen deutscher und ausländischer Rudervereine geschmückt, der Gymnastikraum ist zur Kantine umgebaut, Rampe und Steg sind saubergefegt, das Gras unterhalb des Clubhauses bis zur Ecke der Uferstraße ist kurzgeschnitten, mobile Toilettenhäuschen stehen, die dortigen Fahrradständer sind gesperrt, die Wiese stromaufwärts ist für die Transportanhänger ausgeschildert und freigehalten.

Der WDR hat sich mit seiner Übertragungstechnik breitgemacht und zur Rheinseite hin für das Publikum eine große Videoleinwand mit Discoanlage aufgebaut. Am Leinpfad folgen einander Wagen und Stände mit den Angeboten für die hungrigen und durstigen Besucherinnen und Besucher: Kölsch und Cocktails, Bratwürstchen und Reibekuchen, Viet-Küche und Burger, Waffeln und Zuckerwatte. Alles vorhanden.

Der aktuelle Pegelstand des Rheins liegt bei 2,62 Metern und ist damit sehr normal. Für die Gäste bleibt da nicht so viel Strand übrig wie letztes Jahr, als der knallheiße Sommer den Vater Rhein tief ins Bett hatte sinken lassen. Bis nachmittags wechselt die Bewölkung zwischen Regenwolken und kurzen Aufheiterungen. Es ist nicht so warm, wie man sich das für einen Tag Mitte Juli wünscht, zumal nicht bei einer solchen Veranstaltung.

In Rodenkirchen – los geht‘s

Nach 16:00 Uhr gehen die traditionsreichen Schülerruderriegen als Vierer mit Steuermann in Position, um sich in getrennten Rennen zu messen – Ziellinie am Steg des KRV.  Die Ruderer des FWG (zwei Boote), des Schiller-Gymnasiums, des RTHC Bayer Leverkusen und des KRV liefern sich ein packendes Finale, das leider durch ein just in diesem Augenblick parallel fahrendes Fahrgastschiff für alle am Ufer Stehenden verdeckt wird. Schade, dass der Kapitän der NAUTILUS das nicht anders einrichten konnte/wollte. Den Sieg erringen die Schüler des RTHC vor Boot 2 des FWG und dem des KRV. Die drei Schülerinnen-Vierer des FWG, der Kreuzgasse und des KRV haben beim Einlauf mehr Glück – der Sieg geht deutlich an die Mädels von der Kreuzgasse vor denen des KRV.

Währenddessen feuern zwei 77er sportlich gesinnte Besucherinnen und Besucher an, die sich auf dem am Strand aufgestellten Ruder-Ergometer abrackern. Wer ist der schnellste auf der Kurzstrecke, wer bleibt unter 30 Sekunden für die 200 Meter?

Strand und Leinpfad haben sich unterdessen belebt, Decken und Sitzmöbel sind platziert, das Wetter bessert sich gefühlt mit jedem Getränk, die Moderatoren begleiten kenntnisreich das Geschehen auf dem Wasser und an Land. Bürgermeisterin Scho-Antwerpes und Oliver Kehrl als örtliches Mitglied des Landtags nehmen die Siegerehrungen vor. Die Stimmung steigt weiter, als um 19:00 Uhr wie im Vorjahr die Kölschrock-Band Kempest Feinest die Bühne entert und loslegt. Letztes Jahr haben sie sich hier infiziert und im Dezember beim ERGO CUP mitgemacht – und das nicht mal schlecht!

Nach 20:00 Uhr noch während des Abbaus bringen die Achter-Teams ihr 16 Meter langen Boote auf den Steg und ins Wasser. Das ist über Kopf der Buden wegen nicht immer einfach, aber die langen Kerls recken sich und vollbringen den Akt in aller Ruhe. Große Inszenierung für den letztjährigen Sieger, die Bonner Rudergesellschaft: Durch Nebel und Lichttheater tragen sie ihr Boot vom Bootshof zum Wasser – Gladiatoren gleich. Alle neun Boote treffen sich in einer Bucht bei Poll auf der anderen Rheinseite und warten dort bis zum Start.

Hier aber tanzen auf dem Steg die Hellige Knächte und Mägde den Can Can von Jacques Offenbach, dessen Melodien zu seinem 200jähriger Geburtstag das Thema der Kölner Lichter 2019 sind. Der Bonner Alt-OB Jürgen Nimpsch begleitet sie dabei als der Meister persönlich mit Gesang. Großer Applaus und Zugaben. Interview des WDR – alles per Live-Schalte im Programm der Kölner Lichter.

Der Stadtachter

Planmäßig gegen 21:30 Uhr drückt Starterin Dorothea Legien auf die große Hupe: Nach winzigem Zögern legen sich die Ruderer in die Riemen. Die Sprintspezialisten aus Krefeld setzen sich wie erwartet an die Spitze und führen lange Zeit einen Bord an Bord-Kampf mit den ebenfalls favorisieren Teams aus Aachen und Leverkusen, dicht gefolgt vom Boot I des Kölner Rudervereins. Die Bonner kommen dann auf der Strecke näher und nutzen in der folgenden Innenkurve den kürzeren Weg zum Überholen. Damit ist das Endergebnis perfekt: Hinter den Bonnern und dem Crefelder Ruder-Club folgen auf den Plätzen das Boot der RWTH Aachen, des RTHC Leverkusen und des Kölner Rudervereins I. Die Mannschaft der Bonner Rudergesellschaft gewinnt wie letztes Jahr den Kölner Stadtachter und macht seinem Verein zum 100. Geburtstag ein besonderes Geschenk.

Das Feld wurde komplettiert durch den Neusser Ruderverein, Köln II (der Nachwuchs) und die Hürther Rudergesellschaft.

In Rodenkirchen – weiter geht’s

Großer Jubel am Strand – zwar kein Erfolg fürs Treppchen, aber ein besseres Ergebnis als letztes Jahr. Prinzip Hoffnung – die Bonner trainieren immerhin schon seit mehreren Jahren zusammen, das zahlt sich aus.

Ab 22:15 Uhr fahren dann die Fahrgastschiffe stromabwärts vorbei, deren Passagiere hautnah am großen Ereignis dabei sein wollen. Auch die NAUTILUS gehört dazu. Ein 77er hat die beiden Kribbenfeuer entzündet, die Stimmung ist ausgelassen wie die Discomusik, die den Strand beschallt und zum Feiern einlädt. Rodenkirchen feiert sich wie jedes Jahr selbst und seinen Kölner Ruderverein von 1877, der ihm diese Beachparty gemeinsam mit dem WDR ausrichtet.

Später die Siegerehrung am Steg, die Bonner Steuerfrau wird ins Wasser geworfen, allgemeine Wasserspiele und unglaublicher Jubel. Noch später im Clubhaus die traditionelle After-Work-Party bis in die Frühe. Alles wie gehabt, nur diesmal mit etlichen anderen Teilnehmern.

Die Kölner Lichter

Die Live-Übertragung ab 23:30 Uhr erlebt das Partyvolk am Strand nur aus der Ferne – und auf der großen Videoleinwand wie ganz NRW auf dem heimischen Bildschirm. Rund 2,5 Millionen Zuschauer sollen es sein.

Der nächste Stadtachter? Wieder mit den Kölner Lichtern am Samstag, den 18. Juli 2020. Termin ist schon vorgemerkt …

 

Text: Peter Schelenz