Sacred Harp: Kölner Mitmach-Chor nach Corona-Maßnahmen in wieder offen für Neueinsteiger

Ort: Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24 b

Termin: Jeden Sonntag von 18.00 bis 20.00 Uhr

• Sacred Harp ist der Name einer ursprünglich protestantischen Gesangstradition aus den USA
• Diese alte Form des kollektiven Singens erlebt seit einiger Zeit ein weltweites Revival
• Archaischer Klang, demokratische Gesangspraxis, vereinfachtes Notensystem
• Sogar in Hollywood-Blockbustern war Sacred Harp bereits als Filmmusik zu hören
• In Köln stehen nach Corona-Maßnahmen wieder die Türen offen für Neueinsteiger

Bei Sacred Harp handelt es sich um eine ursprünglich kirchliche Gesangstradition aus dem Amerika des 19. Jahrhunderts. Zu den Merkmalen dieser musikalischen Gattung zählen der archaische Klang, die demokratische Gesangspraxis und ein stark vereinfachtes Notensystem. Auch hierzulande singen Gruppen regelmäßig in Berlin, Bremen, München, Hamburg, Nürnberg und Köln. An den deutschen Standorten stehen nun wieder die Türen für interessierte Neueinsteiger offen, nachdem wegen der Pandemie rund zwei Jahre lang keine öffentlichen Veranstaltungen stattgefunden haben.

„Diese Musik lernst du mit dem Herzen“
Sacred Harp gilt als Vorläufer von amerikanischen Musikgattungen wie etwa dem Gospel. In den Südstaaten hat diese archaische Form des gemeinschaftlichen Gesangs bis heute überlebt und wird aktuell von Sängerinnen und Sängern rund um den Globus wiederentdeckt. Zum Repertoire zählen eindrucksvoll arrangierte Lieder und Hymnen mit ausdrucksstarken, überwiegend religiösen Texten. Es gibt kein Publikum, keine Proben und keine weltanschaulichen Schranken. Im Mittelpunkt steht die reine Freude am Singen. Mitmachen kann jeder (m/w/d). Gleichstellung aller Teilnehmer, zugängliches Notensystem

Gesungen wird vorrangig aus einem weltweit einheitlichen Buch (The Sacred Harp, 1991 Edition).
Es gibt keinen klassischen Chorleiter. Die Singenden sind in vier Stimmen aufgeteilt und sitzen sich einander im Quadrat gegenüber. Der Reihe nach wünschen sich die Sängerinnen und Sänger eines der rund 600 Lieder aus dem Buch und leiten ihr jeweils ausgewähltes Stück. Die Liedersammlung verwendet Shape Notes – ein System, das durch abgebildete Formen das Notenlesen erleichtert. Zur Festigung der Melodie wird die erste Strophe zunächst nur mit Tonsilben gesungen, danach geht’s weiter mit Text. Dabei wird der Takt mit deutlichen Armbewegungen geschlagen. „Mit Harfenmusik hat das alles übrigens nichts zu tun“, sagt Dominik Fraune, Mitbegründer der Kölner Sacred Harp-Gruppe. „Die heilige Harfe ist vielmehr eine Metapher für die menschliche Stimme.“
Shape Notes
Sacred Harp verwendet Shape Notes mit vier unterschiedlich geformten Notenköpfen, die es dem Leser erleichtern, die Intervalle zu erkennen. Die solmisierten Tonsilben lauten Fa, Sol, La und Mi

Filmmusik in Hollywood-Produktionen
Der urwüchsige Klang von Sacred Harp wurde bereits mehrfach als Filmmusik genutzt. Prominente Beispiele hierfür sind Hollywood-Blockbuster wie Cold Mountain (Jude Law, Nicole Kidman), Lawless (Tom Hardy, Shia LaBeouf) und Gangs of New York (Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis). Apropos New York, von der Gesangsgruppe in der Lower Eastside wurde ein fruchtiger Longdrink nach Sacred Harp benannt: http://lowereastsidesing.vocis.com/drink.html
Link-Empfehlungen
Unter dem Suchbegriff „Sacred Harp“ bietet das Internet ein riesiges Spektrum an Informationen.
Deshalb zum Abschluss ein paar ausgewählte Empfehlungen für Redaktionen sowie für Neugierige, die vielleicht schon bald mal mitsingen und Teil einer lebendigen Community werden möchten:
Sacred Harp Köln
https://www.sacredharpcologne.com
Umfassende Informationen mit kompletter Lieder-Übersicht (Bremer Gruppe)

Globales Sacred Harp-Portal
https://fasola.org
Video von der Convention 2017 in Cork (271t Arkansas, led by Stefan Swat aus Köln)

„O come, loud anthems let us sing!”
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Sacred Harp ist weder Firma noch Verein. Es werden keine kommerziellen oder weltanschaulichen Interessen verfolgt. Rund um den Globus organisieren sich Singende (m/w/d) in überwiegend privaten Gruppen. Die Musikform geht zurück auf das im Jahr 1844 von Benjamin Franklin White und Elisha J. King herausgegebene Shape-Note-Liederbuch „The Sacred Harp”. Seit 2010 wird Sacred Harp auch in der Bundesrepublik Deutschland praktiziert

( Text: Daniel Wippermann)