Alle Neune

Was man nicht alles am Bildschirm machen kann

Wii ist ein alemannisches Wort und bedeutet Wein. Das ist zwar auch ein nettes Thema, aber davon ist jetzt hier nicht die Rede. Unter dem Namen Wii gibt es verschiedene Computerspiele. Sie wurden vom japanischen Hersteller Nintendo entwickelt und machen viel Spaß. Eines dieser Programme ermöglicht Bowling am Bildschirm und wird mit einer Art Fernbedienung gesteuert. 

Frau R. besitzt eine solche Heimkonsole, wie so ein Gerät im Fachchinesisch heißt. Ihre Familie hatte ihr das Spiel vor längerer Zeit zu Weihnachten geschenkt. Dann lag es dornröschenhaft im Keller. Ihr Enkel holte endlich die Box nach oben und schloss sie an den Fernseher an. Nun kegelte Oma öfter für sich allein. Aber dann funktionierte das System wieder einmal nicht. Da wandte sich Frau R. an die Leitung der ASB Seniorenresidenz Rodenkirchen, Frau Anke Bonadonna, die in Computersachen besonders firm ist. Die Chefin musste keine fünf Sekunden nachdenken, um zu beschließen: „Da machen wir ein Turnier daraus.“ Den passenden Bildschirm gibt es ja im Gemeinschaftsraum. Und nach den Corona-Regeln dürfen zwei Personen zusammen spielen. 

Als sie ihrem Team von dem Plan berichtete, amüsierte sie sich köstlich, wie ihre Mitarbeiterin zuerst dachte, es müsste eine echte Kegelbahn mit neun Pins angelegt werden. Wie sollte das gehen? Großes Gelächter bei Aufklärung. Dann machten sich die beiden flott an die Planung, legten erste Termine fest und schrieben Einladungen. Sie rechneten allerdings nur damit, dass sich vielleicht sechs, sieben Leute beteiligen würden. Tatsächlich meldeten sich 22 Bewohnerinnen und Bewohner an, obwohl niemand eine Vorstellung davon hatte, wie das „große Bowling-Turnier Rodenkirchen“ ablaufen sollte. 

Am 18. Januar startete der vierwöchige Wettkampf. Eine Runde wurde zur Probe gespielt, um die Techniken zu testen. Dann begannen die Duelle. Elf Paare traten an, jeder Teilnehmer mit einer Art Computer- Maus in der Hand. Jeweils zehn Runden gab es. Man bewegte den Arm wie beim richtigen Bowling. Elektronische Impulse warfen die Kegel um. Die Zahl der Treffer wurde auf dem Bildschirm notiert. Herr J. und Frau K. hatten schnell einebesondereTechnikheraus: Sie schubsten die virtuelle Kugel aus dem Handgelenk. Mehrfach konnten sie jubeln: Strike = alle Neune. Die Beiden belegten die ersten Plätze.

Anke  Bonadonna  berichtete  von  einer „riesengroßen Begeisterung“. Auf jeden Fall soll  das  Turnier  „noch  einmal  wiederholt“ werden.  Die Heimkonsole steht jetzt jederzeit zur Verfügung und wird fleißig genutzt. 

Das Team plant schon ein weiteres Turnier mit einem neuen Spiel, es nennt sich Klask, man spielt es zu zweit. Ähnlich wie Tischfussball, aber mit Magneten. Man ist gespannt, wie viele Seniorinnen und Senioren sich auf diese neue Erfahrung einlassen werden.

(Text: Pit Falkenstein)