Wer zufällig über das Eierplätzchen
in der Südstadt schlendert, bleibt
unweigerlich stehen. In einem Kreis
sitzen dort Künstler und malen, schleifen
Figuren aus Steinen, machen
Musik oder laden einfach zum reden
ein. Das Ganze nennt sich Eierplätzchen-
Montmartre, eine gewisse Pariser
Atmosphäre ist auch sofort spürbar.
Seit April 2017 findet man die Kreativen
auf dem Eierplätzchen an jeden
Sonntag – bei passendem Wetter – ab
14 Uhr. Bald feiert man die 50. Veranstaltung,
und es soll noch lange so
weiter gehen. »Diese Steinblöcke hier
waren der Ursprung zu der ganzen
Geschichte«, erinnert sich Scratch-Artist
Peter Mück. »Ich fragte mich, wie
die dahinkommen und was das für
eine Bedeutung hat.« Das konnte ihm
Rolf »Ketan« Tepel beantworten, der
vielen Kölnern durch seine Aktionen
bestens bekannt ist. »Die Steine stammen
von der denkmalgeschützten
Eisenbahnbrücke in der Südstadt«,
klärt Ketan auf. »Beim Stadbahnbau
interessierte der Denkmalschutz
nicht, diese historische Brücke an der
Shell-Tankstelle musste einfach weg.«
Sie wurde tatsächlich abgerissen,
aber Ketan kaufte dem Bauunternehmen
88 Steine ab, die er über das
ganze Stadtgebiet, auch auf dem Eierplätzcnen,
verteilte, um die Erinnerung
an die Brücke zu bewahren. Was
man mit den Steinen machen konnte,
dazu hatte Peter Mück die zündende
Idee. Er aktivierte verschiedene Künstler
aus seinem Künstlernetzwerk und
traf sich mit ihnen auf dem Eierplätzchen.
Und schon war der Eierpläzchen-
Montmartre geboren. Die Steine
dienen seitdem Sonntag für Sonntag
den Künstlern als Tisch oder Werkbank,
um dort ihre Werke herzustellen. »Alleine
heute sind 11 Künstler hier, oft kommen
auch noch Musiker dazu«, freut
sich Peter Mück über den großen Zuspruch.
Ganz schräg war einmal ein
Pianist, der gleich mit einem großen
weißen Flügel anrückte, was allen bis
heute in Erinnerung geblieben ist.
Das Eierplätzchen-Montmartre ist
mittlerweile eine feste Größe in der
Südstadt. Um den Künstlern auch im
Winter eine Heimat zu geben, hat Peter
Mück einen Traum im Ferkulum 8,
genannt »Das Ohr«, aufgetan, der ab
November als Winterquartier dient.
»Der Raum ist auch für alle Leute da,
die sich einfach mit uns treffen wollen
– so wie hier auf dem Eierplätzchen.«
Auch dort wird es dann wieder echte
Eierplätzchen für alle Beteiligten
geben, vielleicht der Jahreszeit entsprechend
mit etwas Glühwein als
Beigabe. Bevor es dann im nächsten
Frühjahr weitergeht, ist im Mai 2019
eine Ausstellung aller Objekte in der
Galerie Smend in der Mainzer Straße
geplant. (kgs)