Stadt bietet professionelle Unterstützung nicht nur in Konfliktsituationen an

Die Vorkehrungen und Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Infektionen in Köln haben starke Auswirkungen auch auf alle Familien. Die Belastung der Eltern ist hoch, sie haben vielfältige, bisher unbekannte Sorgen bis hin zu Existenzängsten. Die Kinder bleiben zuhause, statt Kita oder die Schulen zu besuchen – auch sie sind zum Teil verunsichert und wollen beschäftigt werden. Dazu kommen die soziale Isolation, vermisste Freizeitaktivitäten und wenige Alternativen für eine aktive Tagesgestaltung. Vielen gelingt es, sich zusammenzuraufen und aus der unverhofften Familienzeit das Beste zu machen.

Für viele Familien, die in der Millionenstadt Köln auf engstem Raum in kleinen Wohnungen miteinander auskommen müssen, ist die Herausforderung eine ganz andere. Bestehende Paarkonflikte können sich zuspitzen, genau wie Spannungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen in der Pubertät. Verunsicherung und Ängste sowie die wegfallende soziale Kontrolle können dazu führen, dass Eltern und ihre Kinder in Stresssituationen geraten. Dann ist falsche Scham fehl am Platz, denn es gibt Beratung und Unterstützung auch während der Corona-Krise.

Auch wenn physische Kontakte nicht stattfinden, stellen die Familienberatungsstellen der Stadt Köln, die der freien Träger sowie der Allgemeine Soziale Dienst ihre Hilfsangebote weiter zur Verfügung. Der persönliche Kontakt wird per Telefon und Internet aufrechterhalten. So werden Eltern dabei unterstützt, für den neuen Alltag Lösungen zu entwickeln: etwa dem Tag eine Struktur zu geben, die ein gutes Zusammenleben gelingen lässt oder hilft, Konfliktsituationen vorzubeugen. Die Beratung liefert Ideen, wie Probleme miteinander entschärft werden können.

Kölns Beigeordneter für Bildung, Jugend und Sport, Robert Voigtsberger,  stellt klar:

Wir lassen die Familien nicht alleine. Mit dem Beratungsangebot bieten wir kostenfreie Unterstützung in dieser Zeit, die viele an ihre Grenzen bringt. Das ist nur menschlich und wir wollen Ihnen als Partner helfen und sie begleiten.

In den vergangenen 14 Tagen haben die Beraterinnen und Berater sehr positive Erfahrungen mit der Hilfe per Telefon gesammelt. Die Beratungsteams berichtet, dass von ihnen betreute Familien ihre telefonische Unterstützung gerne in Anspruch nehmen. Sie seien sehr dankbar, dass sie in Zeiten, wo „nichts mehr geht“, auf die Telefonberatung zählen könnten. Viele zeigen sich angenehm überrascht, wenn sie von den Beratungsstellen angerufen werden, um ihnen eine telefonischen Beratung anzubieten. So können mit einigen die Gespräche im gewohnten Rhythmus beibehalten werden. Andere melden sich im Bedarfsfall. Die Klienten sind in diesen Zeiten noch dankbarer und schätzen das Angebot sehr.

Oft geht es um Konflikte im häuslichen Miteinander, die durch die Corona-Situation und das „zuhause aufeinander Hocken“ verstärkt werden. Die Beratung übernimmt dann die Moderation und ermöglicht ein konstruktives Gespräch, bei dem sich alle ausreden lassen, offen über ihre Gefühle sprechen und einander zuhören. Dank der ehrlichen Aussprache finden sich oft schon erste Lösungen für den weiteren Umgang miteinander, aber auch weitere Gesprächstermine sind möglich.

Besonders für Familien, die schon vorher mit Konflikten kämpften oder in denen eine Trennung kurz bevorstand, ist die jetzige Situation eine enorme Herausforderung. In manchen Fällen eskalieren die Konflikte. Hier können tägliche Gespräche einen Weg aus der Krise aufzeigen und eine Lösung erarbeitet werden, die den Partnern mehr Distanz verschafft, trotz räumlicher Nähe. Aber auch Alleinerziehende sind oft extrem belastet. Zur Versorgung und Betreuung der Kinder kommen existentielle Ängste hinzu, wenn der Verlust der Arbeitsstelle droht. Eine Ansprechperson regelmäßig kontaktieren zu können, um verbal die Last abladen zu können, hilft beim Ertragen der Situation. Getrennt lebende Eltern sind häufig verunsichert, wie sie den Umgang mit ihren Kindern regeln sollen. Nicht selten haben getrennte Partner etwa Sorge, dass der andere die Hygienemaßnahmen und Kontaktverbote nicht einhält. Auch in diesen Fällen können mit professioneller Unterstützung telefonisch Lösungen besprochen und verabredet werden. Auch Paarberatung funktioniert in den meisten Fällen sehr gut am Telefon.

Viele Eltern arbeiten derzeit im Homeoffice – auch dies funktioniert nicht unbedingt reibungslos. Durch die Schließung der Kitas und Schulen fühlen sich viele Kinder desorientiert und unausgeglichen. Die Freunde, das Toben und der gewohnte Alltag fehlen, dafür sind sie jetzt fast ständig mit ihren Eltern zusammen, was sie bisher nur am Abend, an den Wochenenden oder in den Ferien kannten. Insbesondere kleinere Kinder können den Unterschied nicht verstehen, sie wollen trotzdem Aufmerksamkeit, mit Mama und Papa kuscheln und spielen. Das ist für beide Seiten eine neue Erfahrung und muss sich erstmal neu einspielen. Eltern im Homeoffice steht die Beratung ebenso zur Verfügung.

Aber auch Kinder und Jugendliche können telefonische Einzelberatung in Anspruch nehmen. Etwa um herauszufinden, welche konkreten Situationen stressen. Und welches Rüstzeug sie vielleicht haben, sich selbst zu beruhigen oder welche anderen Möglichkeiten bestehen. Sie können sich auch anonym über alle Probleme aussprechen und Hilfe in Anspruch nehmen.

Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Familienberatungsstellen und des Allgemeinen Sozialen Dienstes

(Text: Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)