STADTACHTER – Achterrennen mit bewegter
Geschichte
Der Kölner Stadtachter gehört heute
wie das Feuerwerk zu den Kölner Lichtern.
Einige Stunden, bevor der Himmel
über Köln in bunten Farben erleuchtet,
wird in Rodenkirchen beim Kölner
Ruderverein von 1877 (KRV) das weit
beachtete und vom WDR live übertragene
Rennen auf dem Rhein gestartet.
Parallel dazu gibt es eine Party
am Rodenkirchener Rheinstrand, was
die Wartezeit auf das Feuerwerk deutlich
verkürzt. Am 13. Juli 2019 wird der
Stadtachter zum 89. Mal im Kölner Süden
gestartet, wieder werden bekannte
Mannschaften dabei sein. Noch
arbeiten die Organisatoren mit Hochdruck,
um wieder eine perfekte Veranstaltung
an der Rodenkirchener Riviera
auf die Beine zu stellen.
Traditionsregatta mit Höhen und Tiefen
Der Kölner Stadtachter ist eine Traditionsregatta,
die seit 1909 mit einigen
Unterbrechungen für die Vereine aus
dem Kölner Umland ausgeschrieben
wird. Gerudert wird um den „Herausforderungspreis
der Kölner Oberbürgermeisterin.“
Dieser Preis wurde 1909
gestiftet, um den Rudersport in Köln
zu fördern. Die Regattastrecke lag am
Rhein zwischen Marienburg und Deutz.
Nach einigen Unterbrechungen in den
zwanziger Jahren und während des
zweiten Weltkrieges, wurde das Rennen
erstmals 1947 wieder gestartet. Der
Stadtachter wurde im Laufe der Zeit an
verschiedenen Locations, unter anderem
am Decksteiner Weiher, gefahren.
1985 – der KRV übernimmt
Erst 1985 kehrte die Regatta nach
zehnjähriger Pause dauerhaft an den
Rhein zurück, der KRV übernahm die
Organisation der Veranstaltung. „Stadt
und Verband hätten die Regatta gerne
an der Regatta-Anlage in Fühlingen
gesehen, die man gerade für viel
Geld errichtet hat“, weiß Benno Kerling
vom KRV, seit mittlerweile 25 Jahren leidenschaftlicher
Organisator des Stadtachters.
„Der Standort Rodenkirchen
am Rhein garantiert hohes Publikumsinteresse,
was an der Regattabahn nie
erreicht würde.“ Mit der Jahrtausendwende
ließ aber auch hier das Publikumsinteresse
nach, schnell wurde die
Idee geboren, den Stadtachter ins Vorprogramm
der Kölner Lichter einzubinden.
Seitdem explodierte das Interesse,
hunderttausende Zuschauer säumten
das Ufer, der WDR überträgt seitdem
die Regatta Live und am Rheinufer wird
eine große Party gefeiert. „Wir sind ein
tolles Team von Ehrenamtlern, was mit
Herzblut und einem unglaublichen
Engagement dabei ist“, betont Benno
Kerling, der kürzlich vom nordrheinwestfälischen
Ruderverband dafür mit der
silbernen Eherennadel ausgezeichnet
wurde. „Ohne dieses Zusammenspiel
wäre eine solche Veranstaltung nicht
zu schaffen.“
Der Stadtachter – ein Rennen mit vielen
Besonderheiten
Der Stadtachter lebt davon, dass er
eben keine normale Regatta ist: Werden
sonst die Boote auf den schnurgeraden,
strömungsfreien und mit gleichem
Tiefenprofil ausgestatteten Regattastrecken
am Start auf den Zentimeter genau
ausgerichtet, beginnt beim Stadtachter
das Rennen schon vor dem
Startschuss: Die Boote schwimmen mit
der Strömung zum Start. Sobald alle
Boote halbwegs auf einer Linie sind,
gibt die Starterin das Startsignal. Was
bei normalen Rennen undenkbar ist:
Nach dem Start dürfen die Boote den
Kurs frei wählen, so lange keine andere
Mannschaft behindert wird. Eine weitere
Besonderheit stellen die Boote selber
dar: Das Rennen wird in so genannten
Gig-Booten gefahren. Diese sind etwa
30cm breiter und um die 70 Kilo schwerer
als Rennboote, die auf stehenden
Gewässern gefahren werden. Eine Fahrt
in Rennbooten auf dem Rhein würde
nach wenigen 100 Metern zu einer Havarie
führen, da diese kaum wellentauglich
sind. (kgs)