Die „Kölsche Riviera“ in Rodenkirchen ist im Sommer nicht nur ein wichtiger Anziehungspunkt für viele Erholungsuchende, sondern leider auch viel zu oft ein Ort „ungehemmter Party-Exzesse“. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe. 

Es wäre aber sicher ungerecht, wenn wir diese Entwicklung allein auf Jugendliche oder junge Erwachsene schieben würden. Wir können nicht einerseits von der Stadt einfordern, durch mehr Kontrollen oder Verbote für etwas mehr Ruhe zu sorgen, wenn wir andererseits jene Jugendlichen mit ihren Sorgen und Bedürfnissen alleine lassen, die sich mangels Alternative, gelegentlich im Umfeld einiger weniger Krawallmacher wiederfinden. Das wäre unredlich und der Sache nicht angemessen. 

Jugendliche brauchen nicht nur Freiräume, sondern vor allem Räume die es ihnen ermöglichen, auch im Zentrum von Rodenkirchen ein ansprechendes Angebot wahrzunehmen. Es ist aber sicher naiv zu glauben, dass Jugendliche die im Zentrum unseres Bezirks wohnen, einen von Erwachsenen festgelegten fernen Ort, irgendwo auf dem Sürther Feld oder womöglich noch weiter abgelegen, annehmen werden. Es ist gut, dass auch auf dem Sürther Feld und in Meschenich Angebote geschaffen werden, die aber sicher eine andere Zielgruppe bedienen werden und müssen. Gute Jugendarbeit funktioniert nur dann, wenn Sozialarbeiter Jugendliche dort abholen und einbinden, wo diese sich am liebsten aufhalten.  

Ich bin sehr froh darüber, dass mein Antrag auf Prüfung eines Jugendschiffs im Sommer 2017, in der Bezirksvertretung einstimmig angenommen wurde. Denn wie die Verwaltung inzwischen erneut bestätigt hat, sind die Pläne für ein Jugendhaus innerhalb des geplanten Neubaus des Bezirksrathauses leider nicht realisierbar. Außerdem brauchen wir möglichst zeitnah eine Lösung und nicht erst in 10 Jahren.

Eine mobile Jugendeinrichtung auf dem Rhein hätte den großen Vorteil, dass sie grundsätzlich auch andernorts eingesetzt werden könnte, sollten sich in Zukunft neue Wege zur Nutzung einer Immobilie im Zentrum von Rodenkirchen ergeben. 

Im Berliner Stadtbezirk Treptow-Köpenick gibt es seit etwa 20 Jahren ein sehr gut funktionierendes Jugendschiff auf der Spree, die „ReMiLi“. Die Größe des Bezirks und die Situation vor Ort, ist mit Rodenkirchen vergleichbar. Damals suchte die Stadt erfolglos nach Räumen für ein Jugendhaus auf dem Festland. Inzwischen ist die „ReMiLi“ ein fester Bestandteil der Jugendarbeit im Bezirk geworden. Anfängliche Befürchtungen der Anwohner haben sich nicht bestätigt. Auch weil man von Anfang an Missverständnissen vorgebeugt hat. Denn so ein Schiff ist kein kommerzielles „Party-Schiff“, sondern ein schwimmendes Jugendhaus. Es gibt klare Regeln, ein striktes Alkohol-, und Rauchverbot und einen professionellen Träger, der auch einen hauptamtlichen Sozialarbeiter Streetworker an Bord beschäftigt.

Wie Bürgermeister Dr. Ralf Heinen auf dem Neujahrsempfang des Bürgervereins mitgeteilt hat, steht offensichtlich auch die Stadtspitze dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. Derzeit gibt es bereits erste Angebote für gebrauchte Schiffe aus dem Raum Saarbrücken und Passau. Die Verwaltung prüft derzeit auch die rechtlichen Möglichkeiten. Sowohl der Bürgerverein, als auch die politischen Vertreter aller Parteien bleiben aufgefordert, potentielle Sponsoren auf das Projekt aufmerksam zu machen. Unsere Jugend muss es uns allen wert sein. 

 

Torsten Ilg
Mitglied der Bezirksvertretung Rodenkirchen
FREIE WÄHLER Köln