Wer sind Sie? Erzählen Sie uns bitte etwas über sich.

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Thomas Kahlix; Jahrgang 1944
Ein IMI, in den frühen Sechzigern aus dem Südbadischen kommend über Hessen in Köln gelandet, daselbst studiert (Biologie), demonstriert und immer wieder politisch engagiert – zuerst 1968 gegen Notstandsgesetzte und für die erste sozialliberale Koalition…
Seit 1980 in Rodenkirchen. 1993 durch den Rhein für Risiken zwangssensibilisiert (also abgesoffen). Bürgerinitiative (BI Hochwasser) mitgegründet, über die Grünen neun Jahre in der BV und an der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes mitgewirkt. Unermüdlicher Mahner gegen leichtsinniges Bauen in Risikozonen.
Bis 2008 NW-Lehrer an der Gesamtschule Köln-Holweide.

Was verbindet Sie mit dem Kölner Süden?
Fast vierzig Jahre hier leben hinterläßt sentimentale Spuren. Nennt man – glaube ich – Integration. Der letzte große Schub in diese Richtung war das Weihnachtshochwasser 1993, als ich im ertrunkenen Viertel um Wilhelmstraße, Mittelstraße und Adamstraße eine Solidarität erleben durfte, wie ich sie nicht für möglich gehalten hatte. Das wirkt bis heute nach…

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Wo ist Ihr Lieblingsveedel und warum?
Rund um den Maternusplatz. Selbst die grausliche Neugestaltung hat seine Attraktivität nur noch gesteigert. Rheinische Paradoxie…

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Was können Sie zur Vergangenheit im Kölner Süden sagen?
Es ist leider viel zu wenig überliefert (vielleicht war hier im Süden aber auch nichts Denkwürdiges los – außer Zwiebelanbau und Ziegelbacken für die Römer). Und in Steinwurfweite zum bigotten Köln war ohnehin nicht gut Kirschen essen. Anpassung und Ducken als Überlebensprinzip?
Wenn man bedenkt, daß während im Badischen die 1848er-Revoluzzer von den Deutzer Kürassieren niedergemacht wurden, die Kölner Bürger unter Anleitung eines bekannten Pfeifenhändlers mit dem Motto „Frei rauchen!“ demonstrierten – wundert man sich dann noch über das heutige Elend?

Sind Sie ein Karnevalsfreund, mögen Sie die fünfte Jahreszeit und verkleiden Sie sich? Wenn ja als was…
Höchstens ein Freund der anarchischen alemannischen Fasnet, von der ganz viel in die Stunksitzung Eingang gefunden hat.

Sind Sie in einem Verein oder engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Neben der BI Hochwasser bei WiSü – trotz der vielen Knüppel zwischen die Beine.

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Wo finden Sie es richtig schön im Kölner Süden? Wo halten Sie sich gerne auf?
Im Sommer aufm Bootshaus „MS Rodenkirchen“ mit Blick nach Westhoven die Beine über die Reling baumeln lassen…

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Was gefällt Ihnen im Kölner Süden überhaupt nicht? Was nervt? Wo sind für Sie Schandflecke?
Klar, vieles nervt. Das ist aber überall so. Ein richtiger Schandfleck ist das durch systematisches kölsches Verkommen-Lassen vor sich hingammelnde Rathaus. Und das neue – sollte es jemals kommen –  wird auch sein wie überall: geschichts- und gesichtslos, modern, schick, langweilig also.
Und daß für die Jugendlichen es hier so gut wie nichts gibt, außer Schelte für ihr schlechtes Benehmen. Das ist ein Skandal.

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Wo ist Ihr Lieblingslokal und warum?
Kann mich nicht entscheiden zwischen Hinger d’r Heck (allein schon wegen der Reibekuchen) und dem rostigen Kahn MS Rodenkirchen (wegen dem Ambiente – auch weil‘s bei Hochwasser nur über den wackligen Steg geht)

Was fehlt Ihnen im Kölner Süden?
Radwege, Radwege und nochmal: Radwege zwischen den Stadtteilen!

Und was finden Sie ist einzigartig hier?
Die vielen bürgerschaftlich Engagierten. Und die permanente Geschichtswerkstatt des Dr. Cornelius Steckner, ohne die schon vieles aus der Rodenkirchener Geschichte für immer verloren wäre

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Über wen würden Sie gerne etwas aus dem Kölner Süden erfahren?
Über die Menschen, die die angeblichen „Fischerhäuser“ in Rodenkirchen, Weiß und Sürth gebaut und in ihnen gewohnt haben. Ich glaube nämlich nicht an die Legende, daß hier früher alles und alle von Lachs und Aal gelebt haben sollen.

Welche Worte würden Sie gerne den Menschen mit auf den Weg geben?
„Verbietet das Bauen“ – jedenfalls wenn es den gewachsenen Charakter endgültig zerstört.
http://www.verbietet-das-bauen.de

Und was sind Ihre Zukunftsgedanken an Ihr Stadtgebiet?
Wenn der „Fortschritt“ so weitergeht, sieht es hier bald genauso langweilig aus wie in Frechen, Pulheim oder Widdersdorf.
Nichts gegen diese Dörfer, aber warum lebe ich wohl hier und nicht dort…?