Fotos: Attila Radnai

Wochen des Bangen waren vorbei, alle Ordner und Wagenegel konnten gestellt werden, auch alle Auflagen der Stadt waren erfüllt. So führte Zugleiter Simon Schwieren mit einer sichtbaren inneren Zufriedenheit den großen Rodenkirchner Karnevalszug an. Strahlend stand er hoch oben auf seinem Wagen und feierte sein ganz eigenes Fest und alle feierten mit ihm. 29 Gruppen freuten sich durch die vollen Straßen Rodenkirchens zu ziehen, denn alle Auflagen der Stadt und Polizei waren auf vorbildliche Weise erfüllt worden. Die Spitze machte der evangelische Kindergarten, gefolgt von der Ema Grundschule. Unzählige Kinder zogen mit ihren Eltern durch die jubelnden Massen. Sie waren nicht nur als Zauberer verkleidet, sie verzauberten wirklich das Publikum. Konfetti- und Kamelleregen, rote Herzen und Strüssjer überreichten die guterzogenen Pänz an die Gäste am Wegesrand. Dann folgte die Sankt Georgs School mit Menschen aller Colör, die nur so voll Freude protzten. Sambabewegung, englische Höflichkeit sowie amerikanische Lebensfreude, in dieser Gruppe gab es alle Menschen dieser Welt. Es war eine unglaublich große Gruppe mit 100% Spaßfaktor. Als letzte Schulgruppe ging als junges Pflänzchen, wie sie selber über sich sagen, die Gesamtschule Rodenkirchen. Sie zitterten bis zur letzten Minute, da sie bis kurz vor dem Start des Zuges Ordnerprobleme hatten. Doch gemeinsam ist vieles möglich und so konnten die Schüler und Schülerinnen im wahrsten Sinne ordentlich durch die Straßen ziehen, denn alle Ordner waren gekommen, um sie nach den Vorgaben zu begleiten.

Profi in Sachen Karneval ist unumstritten die KG Rodenkirchen. Hellblau Frack, rotes Ringelhemd und Feierprofis in allen Bereichen. Vor ein paar Wochen füllten sie noch das Rodenkirchner Gymnasium zum Jecken Danz. Weiberfastnacht stand bei ihnen im Zeichen des Kinder-und Familisch Fastelovend und jetzt machten sie den Menschen am Wegesrand ein Fest. Brauchtumspflege und Tradition stehen bei ihnen quasi ins Gesicht geschrieben und so schunkelten sie über die Straße. Es regnete Kamelle, Strüssjer und Pralinchen. Den älteren Herrschaften überreichten sie sehr stilvoll das Wurfmaterial.  Sehr lebensfroh ging es bei den Sportfreunden des Kölner Süden zu, bunt gekleidet mit viel Glitzer und händeweise Strüssjer, tanzten sie durch ihr Veedel am Rhein. Die kleinste Gruppe des Zuges, aber mit doppelter Freude erschienen. Den Rodenkirchner Unternehmerinnen war ihr Spaß nur so anzusehen. Voller Euphorie warfen sie rosa Lippenstifte und pinke Strüssjer und ließen sich gefühlt durch die Straßen tragen. Das Händchen Geschäftsfrauen werden in Zukunft sicher noch um einiges heranwachsen, denn ihre Zugteilnahme entschied sich erst vor ein paar Wochen. Hinter ihrem großen Zylinder folgten die Fründe von 95. Gefühlt waren es mindestens 3 x 95 Personen, die mit Begeisterung ihre Wurfbeutel leerten. Die Pänz US Roki waren aber nicht minder aktiv. Mit Laola-Wellen motivierten sie das Publikum und zum Dank gingen sie in die Vollen beim Wurfmaterial. Gefühlte 1000 Hippies sorgten für ein tolles Bild und viel Freude. Beim Büttchen bunt schallten die neusten Sessionhits über große Lautsprecher und die große Straßenparty entstand. Ein schunkelnder und singender Straßenrand unterstützte diese Gesellschaft, die als Tünnes und Schäl gingen, damit sie gerade den kleinen Zugteilnehmern die Taschen füllen konnten. Veedelkarneval wie es sich gehört. Im Anschluss machten die Jecken Stöpsel ein wundervolles rot/weisses Bild und warfen in unglaublichen Mengen, so dass sich nicht nur die Kinder bückten. Fussbälle, kleines Spielzeug und Parfüm wechselten hier die Seiten.  Die Knobelbröder kamen dann hoch zu Wagen und es schien fast wie abgesprochen, dass diese Gesellschaft die oberen Etagen in Wohnungen mit Pralinchen und Strüssjer versorgten. Bei der freiwilligen Feuerwehr Rodenkirchen und dem KCG Kanuclub wurde es dann wieder sehr vertraut im Veedel. Denn diese beiden Vereine sind seit Jahren eine sehr beliebt. Als nostalgische Feuerwehrleute gehen die JF und die FF (Jugend und Freiwillige Feuerwehr) im Zug und es scheint als wäre es eine große Familie. Kleine Feuerwehrleute im Kinderwagen und stolze Wachtmeister ziehen hier in gemeinsam durch ihren Ort. So ist es auch beim Kanuclub grün/gelb von der Uferstraße. Ein großes Kanu, passend zu den Vereinsfarben, diente als Bagagewagen, um die als Kanuten verkleidet Mitglieder zu versorgen. Sie gingen zu Lande durch das Meer an Menschen. Gummibadeenten, gelbe Strüssjer sowie grüne Giveaways waren in ihren Bootsschütten fürs Volk. Die löstige Junge un Mädche vun Rudekirche wurden verfolgt von den Häuptlingen der Traumpänz. Als bis dato gefühlt größte Fußgruppe gehört dieser Verein wohl zu den bekanntesten Vertretern im Zug. Alle Namen wurden gerufen und zum Dank gab es Kamellchen und Strüssjer. Blautürkise und pinke Indianer soweit das Auge reichte. Schnell war ihre legendäre Party vor ein paar Wochen das Thema am Zugrand, denn nach dem Fest ist bekanntlich vor der nächsten Feier und so wurden die Mitglieder im Zug um Reservierung für das nächste Jahr gebeten. Bei Äitsch & Äitsch und den Schwimmbotzen ging es dann wieder richtig zur Sache. Sind die Herren nun selber Väter, war ihre Gruppe mittlerweile durch den Nachwuchs gefühlt doppelt so groß wie vor ein paar Jahren, hatte die Jugend genau gelernt wie es geht und warfen voller Leidenschaft die leckersten Dinge an die Zuschauer am Wegrand. Bei den Pumps op Jöck schien es genau umgekehrt, die schönsten Mütter des Südens feierten mit ihrem Nachwuchs den Rodenkirchner Zug. Jede der Damen kannte jemand in der Menge, mit ihnen wurde getanzt, ohne einen Stau zu erzeugen. Unzählige Blömcher wechselten hier ihre Besitzer. Bei dieser Gruppe merkte man, sie sind alle in Rodenkirchen geboren und hier aufgewachsen. Strahlend zogen sie durch ihren Stadtteil.

Als dann die Botterblömcher in grün/gelb über die Straßen zogen, schien es als wäre ganz Rodenkirchen eine grün/gelbe Welt. Unglaublich, was diese Gruppe aus den Straßen machte, es war mit einem Hexenkessel gleichzusetzen. Mit Kölle Alaaf und Stüßjer  ließen sie sich auf hoch angenehme Weise feiern. Der MSC und der Kölner Ruderverein 1877 waren im wahrsten Sinne sportlich unterwegs. Die oberen Etagen am Zugweg waren ihr Augenmerk und so hagelte es im wahrsten Sinne Kamelle. Großen Applaus erhielten die Kapelle Jonge, es gab wohl keine Sitzung im Stadtgebiet, bei der sie nicht aufgetreten sind und eine großartig Leistung ablegten. Das Publikum dankte es ihnen mit einer großen Applauswelle. Die KG der großen Rodenkirchner machten dann den Schluss des Zuges bevor das Dreigestirn den Schluss besiegelte.

Der Rodenkirchener Zug, der von unzählige Kinder besucht und besetzt ist, ist ein Zug ohne Probleme und mit tollem Sicherheitskräften – quasi ein großes Familienfest im Kölner Süden. Sehr löblich ist in Rodenkirchen auch, es ist ein Zug, bei dem die Gastronomie zu regulären Preisen ihre Getränke anbietet, auf den Jugendschutz achtet und die Bürgervereinigung 10 Dixies stellte, damit wildpinkeln quasi nicht nötig ist. Hier könnte man sagen: Feiern im Veedel dort, wo man sich auskennt und wo man zuhause ist.

Foto: Attila Radnai