Einladung zum Vortrag:

Die ersten hundert Jahre des Islam

Ort: Evangelische Kirche in 50999 Sürth, Auferstehungskirchweg 7,

Zeit: 20. November 2018 um 19.30 Uhr

Referent: Pfarrer i. R. Reinhard Hackler

Der Islam und die Muslime sind in diesen Tagen Gegenstand aufgeregter Debatten. Hatte man vor wenigen Jahren noch gedacht, Religionen werden in der Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen, so hat sich diese Annahme ins Gegenteil verkehrt. Politische Ausnahmezustände, vor allem die weltweite Migration, lassen die Religion in die Politik zurückkehren. Nicht nur hat die rasante Zunahme muslimischer Einwanderer zu einem Boom an Sakralbauten geführt, beeinflusst das tägliche Leben bis in die Optik des öffentlichen Raums und führt zu immer mehr vehement eingeforderten Rücksichtnahmen auf religiöse Empfindlichkeiten. Verstößt ein Kopftuch im Staatsdienst gegen das Neutralitätsgebot? Wie viel Antisemitismus grassiert unter jungen Muslimen? Und an die Adresse des Islam gewandt die Frage: Wie antworten Muslime auf die großzügigen Spenden aus Köln und ganz Deutschland, die den großartigen Neubau der Moschee in Köln erst ermöglichten? Wie zeigte die DITIB ihr Engagement zur Integration in die plurale Stadtgesellschaft bei der Eröffnungsfeier der Kölner Moschee? Nur vier Fragen in der aktuellen Diskussion über Islam in Deutschland, die oft vereinfachende Antworten nach sich ziehen und immer für Erregung sorgen: Nicht zuletzt Horst Seehofers  Votum, das er vor einigen Wochen in seiner Auseinandersetzung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel postuliert: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ hat das Verhältnis zwischen deutscher Gesellschaft und dem Islam weiter belastet. Und jeder Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund scheint die Spaltung voranzutreiben zwischen denen, die auf den friedfertigen Charakter des Koran pochen, und jenen, die in der Religion ein rückständiges aggressives Wertesystem sehen.

Gehört des Islam zu Deutschland wie es der ehemalige Bundespräsident Christian Wulf und etwas später die Bundeskanzlerin Angela Merkel meinten, oder nicht?

Ähnlich wie in der Öffentlichkeit wird auch in der Islamwissenschaft heftig gestritten. Hier geht es um den Prozess der Entstehung des Islam. Darüber möchte ich in meinem Vortrag berichten, indem ich versuche, die Entstehungsgeschichte nicht vom christlich-theologischen Standpunkt sondern aus historischer Perspektive aufzuarbeiten. Ich habe in der Vorbereitung dazu besonders viel aus den Büchern des Islamwissenschaftlers Lutz Berger gelernt: „Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre.“ Verlag C.H. Beck, 2. Auflage 2017 und „Islamische Theologie“ Facultas Verlag 2010.In der aufgeheizten Debatte über den Islam sind diese sachlichen und äußerst fundierten Bücher geradezu eine Wohltat. Sie entkräftet Mythen, die sich hartnäckig halten. Und sie beschreiben den Islam nicht als das Fremde – sondern als Teil der spätantiken Mittelmeerwelt, aus der auch das heutige Europa hervorgegangen ist.

(Text und Bild : Reinhard Hackler)