Meinen Praktikanten und einen Berufsfelderkunder fragte ich zum Beginn ihrer Tätigkeit, ob sie der Meinung sind, dass jeder einen Bioladen eröffnen könne? Ihre Antwortet lautete „nein“ – ist aber falsch! Einen Bioladen kann jeder eröffnen! Und ist „Bio“ denn geschützt oder kann das auch jeder machen, war meine Folgefrage. Antwort: Ja, kann jeder machen! Wieder falsch! Bio ist seit 1993 durch die EU-BioVerordnung 834/2007 geschützt! Erkennbar an der auf den Produkten befindlichen Nummer (für uns DE-034-Öko-Kontrollstelle, die bis zum Erzeuger oder Inverkehrbringer rückzuverfolgen ist) und erkennbar weiterhin am Siegel. Derer es viele gibt: Für nach deutschen Richtlinien zertifizierte Produkte gibt es seit 2001 das Sechseck, weiterhin haben die einzelnen Anbauverbände weitere Siegel wie demeter, Bioland, Naturland, Biopark, um nur einige zu nennen. Ausländische Ware hat das EU-Siegel (blattförmige Sterne auf grünem Grund)  deren Bio-Standards weniger eng gefasst sind, als unsere deutschen Standards. Da kämpfen deutsche Bio-Pioniere schon seit Jahrzehnten für konsequentere Umsetzug ihrer Grundlagen, die da sind:     

  • keine chemisch synthetischen Anwendungen bei Boden, Tier und Pflanzen 
  • Hoforganismus arbeitet in Kreisläufen
  • Tierhaltung an die vorhandene Fläche angepasst (2 GV pro ha maximal)
  • Bodenschonende Bewirtschaftung
  • Artgerechte Tierhaltung; keine Massentierhaltung
  • Düngung über den Boden und nicht über die Pflanze
  • Keine Gentechnik
  • Zulassung bestimmter Pflegemittel in Monokulturen (Obst, Wein)

Die Einhaltung der Richtlinien wird streng kontrolliert durch zugelassene Verbände ebenso wie die Produkte selbst einer ständigen Kontrolle unterliegen. So erleben wir es häufiger, dass Produkte zurückgerufen werden, weil in einer Untersuchung Rückstände gefunden wurden und wir die entsprechenden Chargen dann vom Markt nehmen müssen. Diese strengen Kontrollen sorgen dafür, dass Missbrauch möglichst klein gehalten wird, denn mit Bio ist ja Geld zu verdienen, was inzwischen auch die großen Supermarktketten mitbekommen haben und längst eigene Bio-Produkte anabieten.

Transparenz ist ein weiterer Vorteil von Bio – denn hier legt man Wert auf kurze Wege ohne viel Zwischenhandel. Meist kennen wir die Produzenten unserer Produkte seit Jahren und bemühen uns auch im Ausland Wege und Methoden zu einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur und den davon lebenden Menschen zu fördern. In der Dominikanischen Republik zum Beispiel gibt es heute fast keine konventionelle Bananen-Plantage mehr (ehemals Chicita und Dole), da die Bio Branche sehr viel bessere Konditionen geboten hat und Sie mit dem Kauf jeder Bio Banane aus dieser Region die dortige Bevölkerung unterstützen beim Bau von Schulen, Einrichtung von Schulbussen, Fortbildungen der ArbeiterInnen, etc.. (zu sehen unter www.hofladen-steigmiller/imagespdf/Fair_Bio-Bananen_DomRep.pdf).

Die Arbeit auf einem Bio Betrieb erfordert oft eine Mehreinsatz an Arbeitskräften bei etwas geringeren Erträgen als bei konventioneller Erzeugung. Dennoch gibt es etliche Studien, die belegen, dass die Weltbevölkerung mit Bio ernährt werden kann! (Siehe z.B. Spiegel online oder Weltagrarbericht) Erforderlich dazu wäre oft nur eine kleine Umstellung in den Ernährungsgewohnheiten wie weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse aus der Region und saisonal, unverpackt einkaufen und nicht so viel wegwerfen!

Wenn Sie also Biologisch wirtschaften möchten und wollen Ihre Produkte mit einem der bekannten Siegel verkaufen, müssen Sie dem jeweiligen Verband beitreten, müssen eine Umstellungsphase mitmachen Ihre Ressourcen den Gegebenheiten des Biologischen Landbaus anzupassen und dürfen erst dann, meist ab dem 3.Jahr ihre Produkte unter einem der bekannten Siegel und natürlich der entsprechenden Kontrollnummer veräußern. Das alles kostet  Geld! Somit sind Produkte aus dieser Produktion teurer als vergleichbare Produkte ohne Zertifizierung!  Auch die Kontrollen kosten ja Geld – sind es aber wert und verdienen das Vertrauen der VerbraucherInnen!

In Deutschland gibt es übrigens rund 400 sogenannte Demonstrationsbetriebe über das gesamte Bundesgebiet verstreut, die die Aufgabe haben Bürgern unseres Landes als „Gläserner Betrieb“ Einblicke in eine Biologische Landwirtschaft zu ermöglichen. Schauen Sie doch einmal nach, ob nicht auch ein solcher Betrieb in Ihrer Nähe ist! Reinschauen lohnt sich!! (www.oekolandbau.de/verbraucher/demonstrationsbetriebe)

 

Mechthild Posth
Dipl.Ing.agr.
Inhaberin eines BioLadens seit über 25 Jahren