Ein Konzert zum Nachdenken – wenn Musik die Vergangenheit lebendig werden lässt
Auch in der Musik hat Weltgeschichte ihren Platz. Sie kann erinnern, aufrütteln, Fragen stellen und Hoffnung schenken, wo Worte manchmal nicht mehr ausreichen.
Am 18. Oktober 2026 um 11 Uhr wird somit die Kölner Philharmonie zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Konzertprojekts: Der Rodenkirchener KammerChor und Orchester und der Philharmonische Chor Köln bringen nämlcih gemeinsam zwei Werke auf die Bühne, die sich auf eindringliche Weise mit den Themen Rassismus, Gewalt, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen. Rund 200 Mitwirkende sind an diesem anspruchsvollen Projekt beteiligt, was bestimmt ein musikalisches Zeichen setzen wird.
Im Mittelpunkt steht Michael Tippetts Oratorium „A Child of Our Time“, eines der bedeutendsten Antikriegswerke des 20. Jahrhunderts. Sein musikalischer Ausgangspunkt war das Schicksal des jüdischen Jugendlichen Herschel Grynszpan, dessen Tat im Jahr 1938 von den Nationalsozialisten als Vorwand für die Reichspogromnacht instrumentalisiert wurde. Tippett macht daraus jedoch weit mehr als eine historische Erzählung: Sein Oratorium ist ein eindringlicher Appell gegen Hass und Gewalt und zugleich ein Plädoyer für Menschlichkeit, Frieden und Versöhnung. Besonders eindrucksvoll sind die Spirituals, die das Werk durchziehen und ihm eine ganz eigene musikalische Kraft verleihen.
Ergänzt wird das Programm durch Robert Schumanns „Requiem für Mignon“. Die Figur der Mignon, der zwischen den Welten und Identitäten stehend, sowie die Themen Schmerz, Verlust und Menschlichkeit schlagen eine inhaltliche Brücke zu Tippetts Werk. Es begegnen sich zwei Kompositionen aus unterschiedlichen Zeiten und machen deutlich: Menschlichkeit, Ausgrenzung und Frieden sind zeitlos.
Dieses Generationen Konzert, ist nicht nur für Besucher eine Bereicherung. Eine besondere Verbindung zur jüngeren Generation schafft nämlich die Gesamtschule Rodenkirchen, die das Projekt mit einer Musikklasse unterstützt. Schülerinnen und Schüler werden teilweise gemeinsam mit den Chören die von Tippett komponierten Spirituals singen. So wird Geschichte nicht nur gehört, sondern von jungen Menschen selbst musikalisch getragen und weitergegeben.
Verantwortet wird das Projekt von den jungen Chorleitenden Anna Goeke-Paganetti vom Rodenkirchener KammerChor und Orchester sowie Nico Köhs vom Philharmonischen Chor Köln. Beide stehen für eine Generation von Musikerinnen und Musikern, die künstlerische Qualität mit der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen verbinden möchten.
Darum wird auch zwischen den musikalischen Werken ein professioneller Sprecher Texte lesen und damit Raum für Reflexion und persönliche Gedanken schaffen. Denn dieses Konzert möchte nicht nur berühren, sondern auch zum Innehalten anregen: Was bedeutet Menschlichkeit? Wie entsteht Ausgrenzung? Und was können wir heute aus der Geschichte lernen?
Die Proben laufen bereits, der Vorverkauf hat begonnen. Es ist ein großes musikalisches Vorhaben – und gerade Tippetts „A Child of Our Time“ gilt als außergewöhnliches und herausragendes Werk des 20. Jahrhunderts.
Ein Konzert, das nicht nur zu hören ist, sondern nachwirkt. Ein Abend über Geschichte, Verantwortung und die Hoffnung, dass am Ende Menschlichkeit stärker sein kann als Hass.


