Das soziale Umfeld wird immer größer, doch kennst Du es wirklich?
Im Jahr 1960 lernte ein Mensch im Laufe seines Lebens schätzungsweise nur etwa 2000 bis 3.000 Menschen kennen, das ist deutlich weniger als 2026, denn da sind es statistisch 10.000 Kontakte. Die Gründe dafür sind historisch und technologisch bedingt. Denn die Welt war damals deutlich kleiner. Zuerst einmal fehlten die sozialen Medien: Viele Kontakte brachen nämlich ohne Facebook, Instagram oder LinkedIn nach einem Schul- oder Wohnortwechsel meist komplett ab. Man vergaß schlicht das Gesicht und den Namen flüchtiger Bekannter. Das Lebensumfeld wechselte somit in Teilen oft in gewissen Lebensphasen. Auch die geringere Mobilität, hatte Einfluss. Die Menschen reisten nämlich deutlich seltener bzw. viele verbrachten ihr ganzes Leben in der Region, in der sie geboren wurden, demnach war das Leben lokal begrenzt. Auch die Berufswelt hatte großen Einfluss. Arbeitsplätze waren oft viel beständiger und man wechselte nicht alle paar Jahre den Arbeitgeber, wodurch man im Berufsleben insgesamt weniger Kollegen traf. Früher blieb man von der Ausbildung bis zur Rente in einem Unternehmen und arbeitete auch nur mit bekannten Fremdfirmen zusammen, und so schloss sich auch da ein Kreis. Schlussendlich hatte man durch diese Zeit auch einen kleineren Konsumradius: Man kaufte im Tante-Emma-Laden um die Ecke ein und ging nicht in riesige Einkaufszentren oder zu anonymen Großkonzernen. Man traf so immer dieselben Gesichter und kannte sich quasi ein ganzes Leben. Stabile, bedeutungsvolle und soziale Beziehungen konnte man damals noch aufrechterhalten. Heute unvorstellbar. Früher hatte man 5 enge Vertraute, man nannte diesen auch den innersten Kreis (Partner, Familie, beste Freunde). Sie boten den emotionalen Rückhalt. Dazu kamen 15 gute Freunde: Menschen, denen wir vertrauten und deren Verlust uns sehr getroffen hätte. Dazu kamen 50 Bekannte, also ein weiterer Kreis von Menschen, mit denen wir regelmäßig zu tun hatten oder mit denen wir gut bekannt waren. Ja, und dann hatte man die 50 Kontakte: die eigentliche Dunbar-Zahl, also Menschen, die man namentlich kannte, grüßte und mit denen man gelegentlich interagierte. War man ein sozial sehr aktiver Mensch (wie z. B. Karnevalist der Vereinssportler) waren es auch schon mal 500 Personen. Dies kannte man nur oberflächlich sowie flüchtig und es war nicht wirklich regelmäßig im Leben. Belesene und weltoffene Menschen kannten dann noch Gesichter oder Namen von 1500 Menschen, ohne persönlich mit ihnen je gesprochen zu haben, denn es waren Menschen aus der Geschichte, Funk und Fernsehen und aus dem Weltgeschehen. Heute haben die Menschen oft bis zu 10.000 Tagesbegegnungen, also Menschen, die einfach nur unseren Weg kreuzen (Postbote, Kellner, Passanten) oder die wir kurze im World Wide Web sehen bzw. in der Schule, in der Straßenbahn, auf dem Konzert usw. kurz erleben. Wenn man nun einmal darüber nachdenkt, weiß man auch, warum die Welt so oberflächlich, kalt und schnell wurde. Denn für wirkliche Freundschaft, Empathie und echtes Kennen bleibt heute nicht wirklich Zeit.
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